Gebr. Kleigrewe - Spedition mit Tradition

BildViele heute im Speditionsgewerbe tätige Unternehmen verdanken ihre Existenz bzw. Gründung Zufällen oder glücklichen Fügungen. Dies trifft auch für die Spedition Gebr. Kleigrewe aus Ennigerloh-Ostenfelde zu. Ursprünglich waren die Kleigrewes Landwirte, die mit ihren Pferdefuhrwerken auch Holztransporte durchführten. Die Nähe zur Ennigerloher Zementindustrie ergab dann die Betätigung als Fuhrunternehmen. Aus bescheidenen Anfängen ist inzwischen ein leistungsfähiges Logistikunternehmen entstanden.
BildIn den 1920er Jahren betrieb Karl Kleigrewe in Ostenfelde eine Landwirtschaft, die die Familie ernährte. Neben seiner Betätigung im Bereich von Ackerbau und Viehzucht setzte er seine Pferdefuhrwerke auch für Langholztransporte ein. Baumstämme wurden mit imposanten Gespannen zu den Sägewerken gefahren. Neben diesen Aufträgen aus dem Forstbereich wurde Kleigrewe auch von der im benachbarten Ennigerloh heimischen Zementindustrie mit Transporten betraut. Hauptsächlich im Nahbereich wurden die Fuhrwerke von Kleigrewe eingesetzt. Schon recht früh wurden die Söhne Friedrich und Rudolf mit Tätigkeiten rund um das kleine Transportunternehmen betraut. So wuchsen sie wie selbstverständlich in ihre zukünftige Aufgabe als Chefs hinein.
BildUnterbrochen wurden die Aktivitäten der Kleigrewes durch den Zweiten Weltkrieg. Sohn Friedrich wurde zum Kriegsdienst eingezogen, den er unbeschadet überstand. Nach 1945 konnten sich Karl Kleigrewe und seine Söhne um den weiteren Ausbau des Unternehmens kümmern. Es ging verstärkt weiter mit dem Transport von Baustoffen, die überall im Land benötigt wurden. Aus Beständen der US-Armee wurde ein GMC Kipper erstanden und für die Zwecke der Spedition umgebaut. Karls Sohn Willi war gelernter Stellmacher und konnte seinen Beitrag zum Umbau des Fahrzeugs leisten. Die Aufträge zum Transport von Zement machten die Beschaffung weiterer Fahrzeuge notwendig. Bald schon stand eine vermutlich aus Heeresbeständen stammende Hanomag SS 100 auf dem Bauernhof in Ostenfelde. Versehen mit einer Hilfspritsche und kombiniert mit zwei Anhängern war sie lange Zeit im Fernverkehr tätig und fuhr Zement und Schotter.
BildDie Zeit des Wirtschaftswunders erlebte auch Kleigrewe in Aufbruchstimmung. Um die vielen Aufträge erledigen zu können, mussten neue, leistungsfähigere Fahrzeuge beschafft werden. Zunächst kaufte Kleigrewe einen neuen Mercedes-Benz LK 5000, der fortan im Fernverkehr eingesetzt wurde. War der 120 PS starke Kipper noch mit dem Serienfahrerhaus von Mercedes ausgerüstet, so erhielten die in den Folgejahren beschafften Neuerwerbungen regelmäßig die Luxushäuser des Nagolder Karosserie- und Fahrzeugbauers Wackenhut. Dort wurden im Laufe der Jahre einige L 6600 K bzw. LK 315 mit Luxusfahrerhäusern versehen. Kombiniert mit Dreiachsanhängern wurden die Lastzüge zum Transport von Zement in Säcken eingesetzt. Mit dem Aufkommen und der Beschaffung von leistungsfähigen Silofahrzeugen erledigte sich in vielen Fällen die mühsame Be- und Entladung der schweren Zementsäcke. Fortan war es möglich, Zement und andere rieselförmige Güter in Behältern zum Empfänger zu transportieren.  Für diese Fahrzeuge wurden zunächst Aufbauten von Kässbohrer beschafft. Die Silos waren auf Mercedes Benz L 315, aber auch auf den schweren Eckhaubern von MAN montiert. Die LKW wurden als Gliederzüge, aber auch als Sattelzüge beschafft.
BildReinhard Neukötter, der noch heute als Rentner dem Unternehmen eng verbunden ist, begann im Jahre 1958 seine kaufmännische Lehre bei Kleigrewe. Wie er sich noch heute erinnert, bestand der Fuhrpark damals aus acht Fahrzeugen. Dabei handelte es sich um die L 6600 und L 315 sowie MAN F 8. Die Hanomag SS 100-Zugmaschine war kurz zuvor abgestellt worden. Sie stand aber noch auf dem Hof und erinnerte an die Anfänge im Fernverkehr. Das Betriebsgelände der Spedition war übrigens nach wie vor der Bauernhof in Ostenfelde, an den im Laufe der Zeit eine kleine Werkstatt angebaut worden war. Die Fahrzeuge standen auf eigens dafür angelegten Abstellplätzen. Inzwischen hatte die nächste Generation das Ruder des Transportunternehmens komplett übernommen. Karls Söhne Friedrich und Rudolf, bei allen nur als Friedel und Rudi bekannt, bauten das Unternehmen weiter aus. Dabei spezialisierten sie sich auf den Transport von Baustoffen. Geladen wurde nun mit mehreren Fahrzeugen regelmäßig in den Zementwerken in Ennigerloh und Neubeckum. Die Ziele der Fernfahrten lagen überwiegend in Norddeutschland. Regelmäßig ging es später aber auch in den Kölner Raum. Natürlich versuchte Kleigrewe, entsprechende Rückladungen zu bekommen. Die fand er, indem er Bimsstein aus dem Raum Andernach oder Kies aus dem Duisburger Hafen ins Münsterland fuhr. Außerdem wurde manche Wagenladung Kohle aus dem Ruhrgebiet in den Raum Ennigerloh gefahren zu den dortigen Kohlenhändlern. Die in der Gegend recht häufig vertretenen Schnapsbrennereien wurden oft mit Getreide aus der Lüneburger Heide versorgt, das mit Fahrzeugen aus Ostenfelde herbeigeschafft wurde. Parallel zur Spedition wurde Mitte der 1950er Jahre ein Baustoffhandel gegründet. Hintergrund hierfür war auch die Tatsache, dass nun Baustoffe im Werkverkehr gefahren werden konnten und keine teuren Konzessionen für den Nah- und Fernverkehr beschafft werden mussten. Das Handelsunternehmen bestand bis 1979. Für die Auslieferung der Baustoffe im Nahbereich stand zunächst ein Mercedes-Benz LAK 311 zur Verfügung, der auch mit einem schweren zwillingsbereiften Anhänger unterwegs war. Ihm zur Seite stand später ein Borgward Allradkipper. Beide wurden dann von mittelschweren Mercedes Rundhaubern mit Dreiseitenkippern abgelöst.
BildIn den 1950er Jahren wurden hauptsächlich Haubenfahrzeuge eingesetzt. Nach den Mercedes-Benz Typen L 6600 und L 315 bzw. LS 315 gab es sogar Rundhauber der Typen LS 1620 mit der Luxushütte von Wackenhut. Mit einer Konzession gelangte Mitte der 1950er Jahre sogar ein Henschel HS 140 in den Fuhrpark. Doch auch bei Kleigrewe setzten sich zu Beginn der 1960er Jahre Frontlenkertypen durch. Beschafft wurden Mercedes-Benz LP 326 und LP 334 in der Ausführung als Pritschenwagen und als Sattelzugmaschinen. Reinhard Neukötter erinnert sich noch gut an die Beschwerden der Fahrerfrauen. Sie fürchteten um das Leben der Ehemänner, Verlobten und Freunde, da denen die Knautschzone in Form des Motorvorbaus der Haubenwagen nun fehlte. Doch auch diese Aufregung legte sich und ein paar Jahre später stellten Frontlenker den Großteil des Fuhrparks. Neben den erwähnten Mercedes-Typen gelangen auch Pausbacken von MAN in Form von 10.212 F sowie Scania-Vabis LB 76 in den Fuhrpark. Die Anhänger und Planenauflieger stammten in dieser Zeit von Kässbohrer und Wackenhut. Siloauflieger lieferte ebenfalls Kässbohrer, später aber auch Hermanns und Interconsult. Zwangsläufig folgten den rundlichen LP-Modellen von Mercedes in der ersten Hälfte der 1960er Jahre die modernen Frontlenkertypen mit den kubischen Fahrerhäusern. Waren es zunächst die LP 1620, so folgten bald schon LP 1623 und LP 1624 und zuletzt die mit den 320 PS starken 10 Zylinder-Motoren ausgerüsteten Typen LP und LPS 1632, die erstmalig mit kippbaren Fahrerhäusern ausgerüstet waren. Nach den Modellen der neuen und schweren Generation von Mercedes und den entsprechenden Typen F 8 und F 90 von MAN gehören Actros und TGA heute zu den gängigen Fahrzeugtypen im Fuhrpark.
BildHeute haben die Söhne von Friedel und Rudi in Ostenfeld das Sagen. Die beiden Vettern hören auch wieder auf die Namen Friedel und Rudi und teilen sich das Geschäft. Friedel ist für den technischen Bereich verantwortlich. Zu seinen Aufgaben gehört die Instandhaltung des Fuhrparks sowie der Ein- und Verkauf von Fahrzeugen. Das Unternehmen besteht aus zwei selbstständigen Einzelfirmen. Neben der Spedition gibt es seit 1967 die Kleigrewe Kraftfahrzeuge GmbH. Dort werden neben den Fahrzeugen der Spedition auch Fremdfahrzeuge im PKW- und LKW-Bereich gewartet und repariert. Der Anteil an Fremdfahrzeugen beträgt derzeit rund 70 %. Das Unternehmen beschäftigt z. Zt. etwa 110 Mitarbeiter. Der Fuhrpark besteht aus 27 Silozügen und 33 Sattel- und Gliederzügen mit Planen. Gefahren werden Fahrzeuge von DAF, MAN und Mercedes. Die Siloauflieger stammen durchweg von Feldbinder. Auflieger mit Schiebeplanen in Normal- und Megaausführung sowie Anhänger werden in der Regel bei Schmitz oder Krone beschafft. Auffällig ist nach wie vor die auffällige aber nicht aufdringliche Lackierung und Beschriftung der Fahrzeuge. Wer die Fotos dieses Berichtes angesehen hat, der wird in Zukunft jeden modernen Actros, TGS oder XF sofort erkennen. 

Fotos:    Archiv Gebr. Kleigrewe, Manfred Koch

Text:    Manfred Koch