War das schon alles?

BildVor einhundert Jahren - im Jahr 1903 - stellte Heinrich Büssing seinen ersten Nutzkraftwagen vor. Wie es weiterging mit der Geschichte der Firma Büssing bis zur Übernahme durch die MAN ist an anderer Stelle bereits ausführlich abgehandelt worden.
BildAm vorletzten September-Wochenende des Jahres 2003 lud der Verein "Heinrich Büssing Verkehrsgeschichte e.V." in Zusammenarbeit mit der MAN Nutzfahrzeug AG zu einer Jubiläumsfeier nach Salzgitter ein. Auf dem Parkplatz des ehemaligen Büssingwerkes fanden sich etwa 150 Büssing LKW und Busse ein. Dort war nun wirklich alles vertreten, was in der Zeit von 1903 bis Anfang der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts von Büssing gebaut wurde. Vom Nachbau des ersten Büssing LKW, dessen 2 Zylinder-Motörchen bei 860 U/min 9 PS leistete über den NAG von 1911, der als 5 Tonner bereits mit einem 4 Zylinder-Motor mit 46 PS ausgerüstet war über diverse Vorkriegs-Haubenfahrzeuge bis zu den kantigen MAN-Büssing Unterflurtypen der letzten Generation war alles vertreten. Für fast jeden Besitzer eines alten Büssing war diese Veranstaltung ein Muß. So waren auch Fahrzeuge zu sehehn, die sonst nur selten auf Treffen zu sehen sind wie etwa den Büssing 8000 S der Spedition Freund oder der Büssing Decklaster Supercargo 22 von Bodo Wellershof aus Witten.
BildBei sonnigem Wetter sowohl am Samstag als auch am Sonntag hatten die zahlreich angereisten Besucher Gelegenheit, die Fahrzeuge aus nächster Nähe zu betrachten. Dabei kam es auch zu Begegnungen ehemaliger Büssing-Mitarbeiter mit den Erzeugnissen ihrer aktiven Arbeitszeit.
Abgerundet wurde die Fahrzeugausstellung durch diverse Informationsstände, Imbiss- und Getränkestände sowie ein umfangreiches Angebot an viel zu teuren Modellautos. Auch an die Kinder der Besucher war gedacht. Ein Kinderspielplatz war eigens für sie errichtet worden.
BildDie Verantwortlichen hatten sich alle Mühe gegeben, die Veranstaltung gut vorbereitet und bestens organisiert. Trotzdem stellte sich bei vielen Besuchern nach dem zweiten oder dritten Rundgang um den Parkplatz die Frage: war das schon alles? Es fehlte einfach an Atmosphäre. Gut, es war eine große Anzahl an Büssing-Fahrzeugen vertreten. Gut, man traf alte Bekannte wieder, die das gleiche Hobby haben. Gut, die Teilnehmer können in den nächsten Jahren sagen: "wir waren dabei!" Trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack. Die Fahrzeuge standen zwei Tage lang wie angewurzelt auf ihren Plätzen. Teilnehmer, die einmal eine Runde über den Platz fuhren, wurden sogleich aufgefordert, den LKW wegen der Besucher, die ja gefährdet werden konnten, wieder abzustellen. Die Fahrzeuge waren in Reih und Glied aufgefahren und standen somit nicht sehr fotogen. Sie standen außerdem so im Licht, dass immer nur die Heckseiten gut zu fotografieren waren.
BildBei etwas mehr Überlegung hätten sie genau in die andere Richtung stehen können. Lediglich die Busse standen gut. Insgesamt mangelte es an Bewegung bzw. Aktionen. Dafür war in anderen Bereichen eine gewisse Überorganisation festzustellen. In der Einleitung zum Teilnehmerverzeichnis wurde eigens darauf hingewiesen, dass eine große Anzahl an Freiwilligen mit umfangreichen Vorbereitungen beschäftigt war. Hier wäre weniger wahrscheinlich mehr gewesen. Oder warum saßen am Eingang des komplett eingezäunten Geländes mehrere Freiwillige und kassierten Eintrittsgeld in Höhe von Euro 0,50? Wie es auch geht hätten die Organisatoren bei Treffen wie dem in Gangelt-Birgden studieren können. Dort gab es kein eingezäuntes Gelände, keine aufwendigen  Anmeldeformalitäten, kein Wachpersonal, keinen Eintritt - dafür aber jede Menge Atmosphäre. Warum die Veranstaltung "Europäisches Büssing-Treffen" hieß, wurde auch nicht klar. Auf jedem Treffen bei Dieter Stebner im Schwarzwald sind mehr Teilnehmer aus dem europäischen Ausland vertreten als es in Salzgitter waren, ohne dies besonders erwähnen zu müssen. 

Manfred Koch