Stille Leidenschaft

BildSpätestens seit der Veröffentlichung der Firmengeschichte in Bernd Regenbergs "Jahrbuch Lastwagen 1998" ist die Spedition Bauer aus Leichlingen bekannt. In den letzten fünf Jahren
gab es bei Bauer einige Veränderungen, über die hier berichtet werden soll. Die zuletzt sechs Lastzüge sind inzwischen bis auf einen MAN 24.372 UNL verkauft und das Speditionsgeschäft ist eingestellt worden. Die Lagerhallen, die Werkstatt und die Abstellplätze am Beckersbusch in Leichlingen wurden vermietet. Claus Bauer trat in eine neue Phase seines Lebens. Er wurde Rentner.
BildDas hieß für ihn jedoch nicht, die Hände in den Schoß zu legen sondern ermöglichte ihm, sich mit Dingen zu beschäftigen, für die er zuvor kaum Zeit hatte. Wie bekannt ist verunglückte sein Vater am 03.11.1965 mit dem Krupp Widder Kipper der Spedition tödlich und Sohn Claus musste den Transportbetrieb übernehmen. Im Rückblick ist er heute der Meinung, dass er viel lieber Fahrzeugbauer geworden wäre. Diese stille Leidenschaft konnte er in den letzten fast drei Jahren ausleben. Er restaurierte einen Büssing Burglöwe LS 7. Durch einen Freund aus dem Allgäu erfuhr er von der Existenz von zwei Kippern dieses Typs. Bei einem Besuch dort konnte er sich die beiden Exemplare ansehen und nahm erste Kontakte zu dem Besitzer auf. Der Gedanke, einen der beiden zu restaurieren, ließ ihn danach nicht mehr los. Er sah sich noch andere  Kandidaten an, kaufte dann aber beide Kipper. Einer wurde weiter verkauft. Der zweite wurde nach Leichlingen gebracht und dort fachmännisch auseinander genommen.
BildBei dem Restaurationsobjekt handelt es sich um ein Fahrzeug aus der allerletzten Bauserie. Als Erstzulassungstag ist in den Papieren der 12.12.1967 vermerkt. Zum Jahresende 1967 gab Büssing die Produktion von Haubenfahrzeugen auf. Der Burglöwe war dann bis 1982 bei einem Bauunternehmer in Starnberg im Einsatz. Im Alter von 15 Jahren wurde er abgemeldet und in einer Scheune abgestellt. 18 Jahre stand er dort und dämmerte vor sich hin, bis er vor etwa drei Jahren erlöst wurde.
BildClaus Bauer hatte inzwischen genaue Vorstellungen von seinem Büssing. So sollte aus dem Kipper ein Pritschenwagen mit festem Aufbau werden. Da er die Aufbauten seiner ehemaligen Fahrzeuge auch fast immer umbaute oder komplett selber erstellte, war die Verlängerung des Radstandes von 3,6 Meter auf 4,2 Meter und die Fertigung einer passenden festen Pritsche kein Problem. Die 5 Meter lange Pritsche wurde komplett von ihm selbst gebaut.  Das Fahrerhaus war im rückwärtigen Teil etwas eingedrückt und musste erneuert werden. In Anlehnung an den Südwerke Kipper, der 1953 gekauft wurde und der eine Erhöhung des Dachs erhielt, wollte er dies auch beim Büssing machen. Dazu sollte ein Zielschildkasten in das Dach integriert werden. Diese Arbeiten führte die in Wülfrath ansässige Firma Rappold durch. Das Ergebnis der Arbeiten kann sich sehen lassen.
BildIn zweieinhalb Jahren wurde der Büssing komplett zerlegt und wieder neu aufgebaut. Die Arbeiten an der Elektrik wurden außer der Überholung des Fahrerhauses vergeben. Ein ehemaliger Büssing-Mitarbeiter aus dem Werk Salzgitter, der heute in einer benachbarten MAN-Werkstatt arbeitet, legte Hand an. Alle anderen Arbeiten führte Claus Bauer selber durch. Der Batteriekasten, der sich original unter dem Beifahrersitz befand, aber komplett verrostet war, wurde neu gebaut und nach außen verlegt. Die original je Seite eine Trittstufe wurde durch eine besteigerfreundliche Zweistufenlösung ersetzt.
BildBeim Zusammenbau des LKW wurde ihm nur zweimal geholfen. Zum Einbau des Getriebes benötigte er eine helfende Hand. Ebenso das Montieren der bereits lackierten Bordwände forderte die Verwandtschaft, die kurz anpacken musste. Überholt wurden Anlasser, Lichtmaschine und die Einspritzpumpe. Diese Aggregate waren in Ordnung. Der 150 PS starke Motor, der wahrscheinlich erst ca. 250.000 km gelaufen war, erhielt neue Düsen. Ende August wurde das Prachtstück vorgestellt. Der 12-Tonner soll demnächst noch mit einem historischen Kennzeichen versehen werden. Beim großen Büssing-Treffen in Salzgitter im September 2003 wurde er einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.

Manfred Koch

BildEinen Überblick über den Fuhrpark der Spedition Bauer in den letzten fünfzig Jahren bietet die folgende Bildergalerie mit Fotos aus dem Fotoalbum von Klaus Bauer.