Demonstration Hafenumschlag

BildIn der nun zu Ende gehenden Saison der Treffen für historische Nutzfahrzeuge und Wohnmobile ist festzustellen, dass es im laufenden Jahr manche Veranstaltung gegeben hat, auf die hätte verzichtet werden können. Oft hatte der Betrachter das Gefühl, dass die Treffen nicht für die Teilnehmer gemacht wurden, sondern dass die oft weit angereisten Veteranenbesitzer nur Statisten waren in der Selbstdarstellung von Firmen oder einzelnen Personen, die sich als Freunde historischer Laster ausgeben, in Wirklichkeit aber nur Geschäfte mit dem Hobby der Teilnehmer machen wollen. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Es sollte dann aber auch als gewerblich deklariert werden und nicht der Eindruck entstehen, als sei das Gegenteil der Fall. Ebenso unverständlich ist es, dass einige Veteranenbesitzer mit ihren Fahrzeugen immer im Mittelpunkt stehen müssen und dabei oft interessante Fahrzeuge von nicht so laut auftretenden Menschen in den Hintergrund gedrängt werden.
BildEinige norddeutsche Besitzer von alten Lastern hatten bereits vor einiger Zeit auf solche Spielchen keine Lust mehr und dachten sich eine andere Art des Umgangs mit dem gemeinsamen Hobby aus. Für Sie war der bis dahin bei Treffen übliche Ablauf nicht festgeschrieben. Warum müssen alle Fahrzeuge aufgereiht nebeneinander stehen? Warum wird der Laster auf Holzklötze gefahren? Muss er unbedingt in der Waage stehen? Warum ist die erste Frage vieler Fahrer die nach dem Stromanschluss? Warum stehen die meisten Fahrzeuge während des gesamten Wochenendes wie angewurzelt auf ihren Standplätzen? Warum ist nicht mehr Bewegung in den Veranstaltungen? Die Kipper- und Baumaschinentreffen, die an verschiedenen Orten in Deutschland durchgeführt wurden, waren u. a. Anregung für ein neues Konzept, dass nun seit ein paar Jahren umgesetzt wird. Gemeinsam mit dem Hamburger Museum der Arbeit starteten sie das Experiment „Demonstration Hafenumschlag“.
BildSeit einigen Jahren wurde jeweils im September zum Tag des offenen Denkmals am Windhukkai im Hamburger Hafen demonstriert, wie in den Fünfziger und Sechziger Jahren der Warenumschlag stattfand. Die historischen LKW waren dabei nur ein Teil der Vorführung. Daneben gab es Hafenkrane im Betrieb zu bestaunen sowie eine Ausstellung im alten Lagerschuppen. Dort waren Transportmittel, Ladegeräte sowie Ladegüter aus früheren Zeiten zu sehen. Auch Informationen zum harten Arbeitsleben im Hafen wurden dort vermittelt. Im letzten Jahr kamen die alten Laster etwas zu kurz. Die anderen Aktivitäten im Hafen nahmen so viel Platz ein, dass eine vorbildgerechte Darstellung z. B. an der Rampe nicht mehr möglich war. Auch 2006 war wieder eine Veranstaltung im September geplant. Die Oldtimerfreunde, die in den letzten Jahren wesentlich dazu beigetragen hatten, die Veranstaltung zu einem Erfolg zu führen, wurden in diesem Jahr nicht berücksichtigt. Die Verantwortlichen der Stiftung Hamburg Maritim, Eignerin der Immobilie im Hafen, waren der Meinung, eine solche Veranstaltung auch in Eigenregie durchführen zu können. Was sich dann am 9. September am Windhukkai abspielte, war nicht erwähnenswert. Die paar Fahrzeuge, die unmotiviert vor dem Schuppen standen, hatten mit dem Thema „Hafenumschlag“ wenig bis gar nichts zu tun und sollen hier nicht näher beschrieben werden. Durch diesen Flop angeregt organisierten die Nutzfahrzeug-Enthusiasten um Jürgen Danner und Dieter Jaspers kurzfristig eine Demonstration des Hafenumschlags am 14. und 15. Oktober.
BildJürgen Danner erklärte zuvor, dass es das Ziel der Veranstaltung „Hafenumschlag“ sei, in Zusammenarbeit mit dem Hafenmuseum in Hamburg die „Landseite“ mit Fahrzeugen, Ladungen und Arbeitsszenen in der jeweiligen Zeitepoche zu präsentieren. Dabei handele es sich nicht um ein „Treffen“ von alten LKW in der üblichen Zusammenstellung, sondern um eine Vorführung mit geschichtlichem Hintergrund und gezielt zum Thema passenden Fahrzeugen, gekleidetem Personal und Ladungsgütern. Nach seiner Aussage gibt es eine Vereinbarung zwischen dem Hafenmuseum als Eigner der Kräne und Umschlaggeräte und der Stiftung Hamburg Maritim als Eigner der Immobilie, dass derartige Veranstaltungen nur vom Hafenmuseum unter der Regie der Nutzfahrzeugfreunde durchgeführt werden. Als Veranstalter behalten sie sich eine Auswahl der Teilnehmer vor, um eine Qualität der Darstellung zu garantieren. Dabei wird ausgewählt nach Authentizität und nach Motivation der Fahrzeughalter. Das geschieht ohne Berücksichtigung der Zugehörigkeit zu Vereinen, Interessenvertretungen oder Konfession. Auch werden Personen nicht eingeladen, nur weil Sie nett sind oder für die eigene Selbstdarstellung einmal durch die Szene fahren möchten. In erster Linie ist das Thema entscheidend und die Organisatoren  verstehen sich als eine Gemeinschaft mit allen Teilnehmern, wobei jeder eine Hauptrolle spielt. Dafür bietet sich den Teilnehmern oftmals eine bisher noch nicht erlebte Atmosphäre echter Arbeitserfahrung mit ihren Fahrzeugen. Geschichte wird nachvollziehbar erlebt. Viele Besitzer alter Fahrzeuge haben das bisher leider missverstanden und die Veranstaltung mit einem „Oldtimertreffen“ der herkömmlichen Art verwechselt. Das mag auch daran liegen, dass diese Art der Veranstaltung bisher einmalig ist und vielleicht das Fachwissen zum Thema fehlt. Jürgen Danner betont aber, dass jeder Interessierte zu diesen Vorführungen als Zuschauer willkommen ist und dass er damit nicht den anderen Treffen die Berechtigung absprechen will. Er versteht die Hamburger Veranstaltung als Ergänzung, wie es auch die Treffen mit Baumaschinen und Kippern in einer Kiesgrube sind.
BildAm 14. und 15. Oktober trafen sich bei relativ schönem Wetter etwa ein Dutzend Teilnehmer in der von Jürgen Danner beschriebenen Form im Hafen ein. Dargestellt wurden in lockerer Folge drei Epochen Hafenumschlag. Die Epoche Vorkrieg bis etwa 1960 demonstrierte die Firma Fernkraft aus Schenefeld. Zum Einsatz kamen die beiden Percheron-Kaltblüter Lord und Prinz, die vor einen tatsächlich früher im Hafen eingesetzten Rollwagen gespannt wurden. Aus der Zeit der Fünfziger und Sechziger Jahre war u. a. der Mercedes-Benz L 3500 von 1953 mit passendem Vidal-Anhänger von Bernhard Kallus aus Brackel ständig unterwegs. Daneben fuhr der wunderschöne Borgward B 1250 von Dieter Schleu aus Hamburg in vorbildgerechter Lackierung beladen mit Kisten und Fässern von Rampe zu Rampe und war unter dem Hafenkran zu sehen. Frank Gries fuhr seinen Tempo Matador 1400 mit stilechter Beladung aus und hatte sichtlich Spaß dabei. Michael Wahlen hatte seinen Mercedes-Benz L 319 mit jeder Menge zeittypischer Utensilien und Ladegut mitgebracht und war außerdem einer der aktivsten Akteure auf der Rampe, denn auch dort gab es jede Menge Bewegung. Da wurden Kisten mit Sackkarren von den Fahrzeugen entladen. Andere Laster wurden mit Fässern und anderem Ladegut beladen. Natürlich stand auch Jürgen Danners Borgward B 655 von 1960 mit stilechter Beladung an der Rampe. Daneben war ein bisher für viele Teilnehmer noch unbekannter Hanomag L 28 im Einsatz. Rolf Lerchs Mercedes-Benz LP 328 gehörte ebenfalls in diese Epoche.
BildAls dritte Epoche wurde die Zeit der Siebziger und Achtziger Jahre dargestellt. Typische Repräsentanten dieser Zeit waren der Büssing BS 16 von Didier Florentin, der mit seinem Kühlaufbau zum Transport von Bananen eingesetzt wurde. Frank Gries war auch in dieser Kategorie vertreten. Mit seinem MAN-Büssing 22.320 UNL fuhr er Wechselbrücken und alternativ 20´Container, die von einem der drei vorhandenen Portal-Hubwagen (Van-Carrier) auf- und abgeladen wurden. Heiko Rettberg aus Hannoversch Münden war mit seinem Henschel HS 16 zuständig für den Transport von Containern mit einem Sattelzug. Auf dem aufgesattelten 40´Krone-Containertragwagen konnte er zwei kleine Stahlboxen laden. Auch er war am Samstag und Sonntag ständig unterwegs, auch zur Freude der vielen Besucher, die sich vor Ort ansehen konnten, wie der Umschlag von Containern vor mehr als dreißig Jahren begann.
BildAls die Teilnehmer am Sonntagnachmittag die Heimreise antraten, hatten Sie ein einmalig interessantes Wochenende hinter sich. Für sie und die Organisatoren war klar, dass es im nächsten Jahr eine Wiederholung geben muss. Vielleicht gibt es dann ja noch ein paar weitere Nutzfahrzeugbesitzer, die ihre Fahrzeuge so herrichten, dass sie den strengen Auswahlkriterien entsprechen; Kriterien, die die Geschichte geschrieben hat. Das Hamburger Museum der Arbeit ist übrigens in der Zeit von April bis Oktober auch ohne die historischen LKW einen Besuch wert. Mehr Informationen dazu finden sich im Internet unter www.museum-der-arbeit.de.

Text: Manfred Koch
Fotos: Manfred Koch