Alles Schwere leicht bewegen

BildDer Name Vöpel taucht im Archiv der Stadt Remscheid erstmalig im Jahre 1864 auf. "Auf den Tag genau lässt sich heute nicht mehr sagen, wann der Grundstein für die Firma Kraftverkehr Vöpel gelegt wurde" erzählt Werner Vöpel, jun. "Wahrscheinlich war es am 4. August 1864." Mit zwei Pferden hatte Phillip Vöpel damals in der Kirchhoffstrasse 4 in Remscheid eine Hauderei gegründet, d. h. ein Mietkutschen-Unternehmen. Nebenher betrieb er eine Holz- und Kohlenhandlung. Bis zum Ende des Jahrhunderts wuchs der Betrieb stetig. Auf einem Foto, das etwa 1898 aufgenommen wurde, ist als Ergänzung des Programms auch ein Möbelgespann zu sehen. Als 1928 der Urgroßvater des heutigen Inhabers starb, besaß das in Remscheid und Umgebung gut eingeführte Unternehmen etwa 60 Pferde. Diese Zugtiere wurden in einem  zweistöckigen Pferdestall untergebracht. Die obere Etage konnte über eine Rampe erreicht werden.
BildSchon damals wagten sich die Fuhrleute von Vöpel an schwere Brocken heran. Mitte der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurden bereits Transporte durchgeführt mit Stückgewichten von maximal 50 Tonnen. Die damals noch eingesetzten Pferde wurden später nach und nach ersetzt durch motorisierte Fahrzeuge. Einer der ersten Traktoren im Remscheider Raum wurde bei Vöpel eingesetzt. 1936 gingen dann die letzten Pferde, die auf die Namen "Max" und "Molli" hörten, in den wohlverdienten Ruhestand. Drei Jahre später zog das Unternehmen von der Kirchhofstrasse in die Kipperstrasse, dem heutigen Domizil der Spedition.
BildNeben den Gütertransporten war auch der Busbetrieb, der seinen Ursprung in den Mietkutschen hatte, ständig ausgebaut worden. Wochenendfahrten mit der Firma Vöpel erfreuten sich schon vor dem Zweiten Weltkrieg großer Beliebtheit. Um die vorhandenen Fahrzeuge optimal auslasten zu können und ohne hohe Investitionen für Reisebusse tätigen zu müssen, setzte Vöpel schon 1937 LKW mit Wechselaufbauten ein. Am Wochenende wurden einfach die Pritschenaufbauten gegen Omnibuskabinen ausgetauscht. Mit diesen Kombifahrzeugen ging es dann ins Grüne. Am Busbetrieb hat die Spedition Vöpel lange fest gehalten. In Spitzenzeiten waren bis zu 16 Busse für den Reise- und Linienverkehr im Einsatz. Anfang der Fünfziger Jahre wurden bereits Mehrtagesreisen vom eigenen Reisebüro angeboten. 1970 wurde jedoch der Geschäftszweig Reisebusse aufgegeben. Noch bis etwa Mitte 1986 fuhr Vöpel im Auftrag der Bundespost auf der Linie Remscheid - Köln. Die letzten Busse vom Typ Mercedes-Benz O 317 wurden danach abgegeben. In den Anfangsjahren des Busbetriebs wurden fast ausschließlich Busse des Fabrikats Büssing gefahren. Erst später gesellten sich Mercedes-Benz-Busse hinzu.
BildSchon sehr früh beschäftigte sich Vöpel mit dem Transport schwerer Lasten. Aus dieser Zeit stammt auch der Wahlspruch "Alles Schwere leicht bewegen". Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Sparte weiter ausgebaut. Unmittelbar nach 1945 wurde eine dreiachsige amerikanische Diamond Zugmaschine eingesetzt. Nach einem Motorumbau erhielt sie eine Büssing-Motorhaube. Zur Angebotspalette hinzu kamen bald auch Kranarbeiten. Autokrane mit einer Hubkraft von bis zu 70 Tonnen wurden eingesetzt. Anfang der Fünfziger Jahre wurde ein gebrauchter Wehrmachts-Büssing für diese Aufgabe umgebaut. Die Geschichte diese Fahrzeugs klingt recht abenteuerlich. Der 120er Büssing wurde 1939 gebaut und zuerst bei der Wehrmacht eingesetzt, angeblich auch in Russland. Nach dem Krieg zogen ihn die Vöpels aus der Remscheider Talsperre. Er wurde wieder aufgebaut und zunächst als Kipper eingesetzt. 1953 erhielt er bei der Remscheider Karosseriebaufirma Kuhlen einen Bilstein-Kranaufbau und wurde danach bis etwa 1987 als Kranwagen eingesetzt. Dieses Fahrzeug existiert auch heute noch und wird von der Firma Vöpel als Museumsfahrzeug erhalten. Einige Jahre nach dem erfolgreichen Umbau des Büssings wurde ein ähnliches Fahrzeug beschafft, jedoch auf dem Fahrgestell eines Büssing 8000 Allrad.
BildDieses Kombifahrzeug aus Schwerlastzugmaschine und Kran war auch dabei, als am 30. Juli 1960 die Firma Mannesmann in Remscheid zwei Stützen für einen Hallenneubau angeliefert bekam. Die Schwierigkeit dieser Transportaufgabe lag weniger im Gewicht von 18 Tonnen als vielmehr in der Länge von 26 Metern. Die Stützen mussten vom Bahnhof Remscheid-Blindinghausen zum Mannesmann-Gelände quer durch die Stadt transportiert werden. Dazu wurde ein Tieflader des Fabrikats Kässbohrer eingesetzt. Speziell für diesen Transport wurde eine überlange Deichsel angefertigt, damit trotz des enormen Überhangs nach hinten und vorne der Anhänger gefahren und besonders auch rangiert werden konnte. Als weiteres Fahrzeug war ein Mercedes-Benz LK 6600 bei dieser Aktion im Einsatz. Er half beim Rangieren. Das Aufrichten der Stützen erledigten auf dem Mannesmann-Gelände dann in Teamarbeit der Büssing 8000 und ein Faun/O&K-Gittermastkran. Der Allrad 8000er überzeugte allerdings nicht und wurde schnell wieder abgegeben. Werner Vöpel, sen. berichtet von Rahmenbrüchen, die er auf den fehlenden Hilfsrahmen bzw. eine fehlende Rahmenverstärkung zurück führt. Der Bilstein-Kran wurde einfach auf das Büssing-Fahrgestell gesetzt. 
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Ebenfalls in den Fünfziger Jahren wurde der Fernverkehr forciert. Besonders zog es Vöpel-LKW in den Süden. In den ersten Jahren nach dem Krieg wurde so manche Fuhre Holz aus dem Bergischen nach Süddeutschland mit Vöpel-Lastern transportiert. Alte Vöpel-Mitarbeiter erinnern sich noch heute an die damaligen Zustände. Es gab noch keine durchgehenden Autobahnen und in einer Woche wurde maximal eine Tour geschafft. Heute fahren die LKW von Vöpel manche Route drei- bis viermal pro Woche. Auch das lästige Abhängen des zweiten Anhängers vor Steigungen entfällt heute. Damals mussten wegen der schwachen Motorisierung die Anhänger einzeln über die Berge gefahren werden. Fahrer und Beifahrer (ja so etwas gab es damals noch) mussten harte Knochenarbeit leisten, Anhänger ab- und wieder ankuppeln. So mancher Reifen wurde auf der Strasse gewechselt oder geflickt und auch die Motoren wurden unterwegs selber repariert. Neben Holz fuhr Vöpel auch Kipper, die u. a. beim Autobahnbau zwischen Remscheid und Köln eingesetzt wurden. Außerdem gehörte die Stahl-Industrie zu seinen Kunden. Heute sind etwa zwanzig Sattelzüge für Vöpel im Einsatz, die für verschiedene Kunden im Fernverkehr fahren. Im Fuhrpark befinden sich noch einige Mercedes-Benz SK-Modelle, auf die Vöpel noch nicht verzichten möchte. Daneben gibt es einige MAN F 2000, Mercedes-Benz Actros sowie Scania der 4er Baureihe. Seit kurzer Zeit werden auch MAN TGA eingesetzt.
 
Text: Manfred Koch
Fotos: Copyright Archiv Voepel und Manfred Koch