Alte Laster auf der Rennstrecke

BildIn den letzten Jahren ist bei Veranstaltungen mit historischen Nutzfahrzeugen festzustellen, dass sich die Ausrichter vermehrt Gedanken machen, die Altlaster und Busse in historischer Umgebung auffahren zu lassen. Es werden mittlerweile sogar komplette Drehbücher geschrieben und Abläufe rund um den LKW aus vergangenen Zeiten nachgestellt. Gab es in den ersten Jahren der Veteranenbewegung noch hauptsächlich „Standtreffen“ mit Würstchen und Bier, wie sie heute in der Schlepper-Szene noch üblich sind, so veranstalten die Ausrichter solcher Zusammenkünfte heute keine „Oldtimertreffen“ mehr sondern so genannte „Themenveranstaltungen“. Solche Bestrebungen sind grundsätzlich positiv zu sehen.
BildDass aber auch das Gegenteil solcher Bemühungen den Besitzern alter Laster durchaus Spaß machen kann, bewies auch in Jahr 2015 das am vorletzten Juli-Wochenende im Zweijahres-Rhythmus stattfindende Büssing- und Unterflurtreffen in Oschersleben. Obwohl es sich im Prinzip um ein ordinäres „Standtreffen“ handelte, bei dem keine Ausfahrt in die Umgebung stattfand, hatten auch in diesem Jahr die Teilnehmer ihren Spaß. Höhepunkt der wieder auf dem Parkplatz der Motorsport-Arena in Oschersleben stattfindenden Veranstaltung waren einige Runden auf dem Rennkurs Deutschlands nördlichster Renn- und Teststrecke im Herzen Sachsen-Anhalts zwischen Magdeburg und Braunschweig. Das war natürlich genau das Gegenteil von „LKW in natürlicher Umgebung“, brachte aber trotzdem viel Freude. Wer eine Themenveranstaltung vorzog, der konnte am gleichen Wochenende übrigens auch mit seinem Büssing oder Unterflur-LKW nach Lohne fahren und dort die von Reinhold Alex organisierte Themenveranstaltung „Historischer Autohof“ mit seinem Fahrzeug bereichern.
BildDie von Mike Heinrich und seinen Mitstreitern wieder bestens organisierte Veranstaltung fand allerdings in diesem Jahr nicht den Zuspruch vergangener Jahre. Grund hierfür war sicherlich das parallel stattfindende Treffen in Lohne. Hinzu kamen aber auch das Wochenendfahrverbot für LKW auf Autobahnen während der Urlaubszeit sowie die relativ neue Regelung, dass Besitzer von Fahrzeugen, die mit roter Händlernummer oder einem Kurzzeitkennzeichen bewegt werden, eine gültige Abnahme durch TÜV, Dekra und Co. vorweisen müssen. Für das Veranstaltungswochenende war außerdem schlechtes Wetter angesagt. Es gab für Teile Deutschlands sogar Sturmwarnungen. Doch in Oschersleben zogen lediglich einige dunkle Wolken auf. Der Wind wehte heftig und einige wenige Regentropfen fielen auf das Veranstaltungsgelände. Insgesamt hatten Veranstalter und Teilnehmer aber Glück mit dem Wetter.
BildetztDie Zusammensetzung des Teilnehmerfeldes hatte sich gegenüber den letzten Jahren erheblich verändert. In diesem Jahr fuhren in Oschersleben lediglich noch zwei Haubenfahrzeuge mit der Büssing-Spinne an der Front auf. Das war früher anders. Der Schwerpunkt in diesem Jahr lag bei Unterflurfahrzeugen und Frontlenkern neueren Baujahres. Der Besucher hatte das Gefühl, dass auch die Besitzer der Fahrzeuge durchweg jünger waren als bei den vorangegangenen Veranstaltungen. Auffällig war auch, dass die „Szenegrößen“ mit ihren Fuhrparks fehlten. Diese Tatsache und die geringere Teilnehmerzahl sind jedoch eher positiv zu bewerten. Für Teilnehmer und Besucher ist eine Veranstaltung mit rund 50 Fahrzeugen in der Regel interessanter als eine Mammut-Veranstaltung mit 200 Altlastern.

Text und Fotos: Manfred Koch