6. Busfahrertreffen in Halle

BildDie Halle Tourist e.V. hatte vor mehr als sechs Jahren die sehr gute Idee, über das Interesse an alten Bussen neue potenzielle Kunden für den Tourismus in Halle anzusprechen. Die Umsetzung der Idee gelang hervorragend. Ein gutes Rahmenprogramm und viele interessante Busse auf dem Hall-Markt waren der Garant für den Erfolg der Veranstaltung. Diese von der Idee her gute Sache wurde von dem Tag an jährlich wiederholt. Die Attraktivität ging dabei jedoch verloren. Es kommen Jahr für Jahr bis auf wenige Ausnahmen die gleichen Busse. Das Rahmenprogramm ist immer ähnlich. Der Kerngedanke der Geschichte kommt dabei entscheidend zu kurz.
BildEs darf bezweifelt werden, dass durch die Veranstaltung, die die Stadt Halle sicherlich eine schöne Summe kostet, neue Gäste für Halle geworben werden können. Es darf außerdem bezweifelt werden, dass die Rechnung der Halle Tourist aufgeht, wonach der Busfahrer eines Reiseunternehmens, der hier ausdrücklich angesprochen wird ("Busfahrertreffen"), bestimmt, wohin die Reise geht bzw. wohin Abstecher gemacht werden. Das mag zwar hier und da zutreffen, sieht aber in der Regel etwas anders aus. Außerdem ist zu bezweifeln, dass die Masse der Teilnehmer wirklich Reiseunternehmer sind. Von den im Jahr 2003 teilnehmenden Busbesitzern war sicherlich kaum die Hälfte wirklich Unternehmer und damit interessant für die Stadt Halle. Der Rest der Teilnehmer war zwar auch Busbesitzer und nahm gerne die Annehmlichkeiten, die großzügige Bewirtung und die günstige Übernachtungsmöglichkeit in Anspruch, wird aber von den erhofften und dringend benötigten Euros kaum etwas nach Halle zurückbringen. Ist von den Veranstaltern schon einmal gefragt worden, wie viele Teilnehmer an den Treffen anschließend mit einer Reisegruppe wieder nach Halle gekommen sind? Wohl nicht, obwohl Michael Schuster, der Geschäftsführer der Halle Tourist nicht müde wird, genau das Gegenteil zu behaupten. 1999 sollen es nur 7.000 Gäste gewesen sein, die mit dem Bus in die Saalestadt kamen. Für 2003 wurden 24.000 erwartet, die als Busreisende in Halle eintrafen. Natürlich führt Schuster dies auf seine Kampagne zurück.
BildBemerkenswert ist auch die Reaktion der Hallenser Bürger. Kaum einer geht noch bewusst zum Treffen auf dem Hall-Markt, da dort jetzt seit Jahren immer wieder gleiche oder ähnliche Busse ausgestellt werden. Die Präsentation der Busse auf dem Markt ist außerdem einer der wenigen Kritikpunkte an der Durchführung der Veranstaltung. Die Busse stehen auf dem nicht sehr attraktiven Marktplatz dicht an dicht und können kaum mit Abstand betrachtet oder gar fotografiert werden. Gibt es in Halle keinen schöneren Platz für eine Präsentation? Außerdem ist der Termin Anfang November der Garant dafür, dass es regnet oder zumindest schon so dunkel ist, dass es jeden Augenblick nach Regen aussieht.
Bild2003 waren 48 alte Busse auf dem Hall-Markt aufgefahren. Neben alten Bekannten fanden sich auch einige bisher noch nicht präsentierte Fahrzeuge. Neu war der Ford-Club-Bus mit Drauz Karosserie, den Arnold Zech vorstellte. Der am 26.05.1952 erstzugelassene Ford verfügt über 15 Sitzplätze und drei Notsitze, die wohl nur die Älteren unter uns aus eigener Erfahrung noch kennen. Arnold hat mit Rücksicht auf seine Tankrechnung den 4 Zylinder-Benzinmotor gegen einen 6 Zylinder Diesel ausgetauscht, was vollkommen original ist. Erstmals zu sehen war auch der Mercedes-Benz O 321 H der Dresdner Niederlassung der Firma TRD-Reisen Fritz Fischer GmbH & Co. KG. Das Schmuckstück hat in der Zeit von 1956 bis 1959 in Stuttgart manchen Spitzbuben transportiert. Der Gefangenentransporter wurde danach in Südfrankreich als Linienbus eingesetzt bevor er 1999 zu TRD kam. Das Highlight des Treffens  war aber der Brennabor AST von 1929, dessen Restaurierung erst kurz vor dem Termin in Halle abgeschlossen werden konnte. Der Bus lief zunächst als Hotelbus in Bad Rothenfelde, wo er auch heute wieder als Werbeträger eingesetzt wird. Der besondere Bezug zur Stadt Halle besteht dadurch, dass die Karosserie des Busses damals bei der Firma Kathe in Halle entstand. Neu in der Szene war auch der Büssing mit Emmelmann-Aufbau, den die AG Nahverkehr Dortmund vorstellte. Der den Klauen eines Busdealers entrissene 11 Ü 210 R 15 mit Büssing-Motor U 11 D (240 PS) ist noch unrestauriert. Eine Menge Arbeit steht seinen Besitzern bevor. Weitere interessante Busse sind auf den folgenden Fotos zu sehen. Da die Veranstaltung bei den Teilnehmern durchweg gut ankam wird es wohl im Jahr 2004 die 7. Auflage des Treffens geben.