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Alte Laster in historischer Umgebung

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Büssing-NAG, 135 PS, GD 6-Motor, Baujahr 1936

Am letzten Augustwochenende des Jahres 2003 fanden sich im Hagener Freilichtmuseum im Mäckingerbachtal etwa fünfzig alte Nutzfahrzeuge mit ihren Besatzungen ein. Nach dem erfolgreichen Treffen im Jahr 2001, das auch bei den Museumsbesuchern gut ankam, gab es in diesem Jahr eine Neuauflage. Für die Organisation zeichneten wieder verantwortlich der Hagener Automobil-Club 1905 e.V. im ADAC sowie das Team des Museums um den Direktor Dr. Michael Dauskardt.


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Krupp von 1931, Besitzer Fehrenkötter

Für den Hardcore-Nutzfahrzeugfan, der jeden restaurierten alten Laster persönlich kennt, war diese Veranstaltung natürlich keine Alternative zum Großtreffen in Wörnitz. Gerd Brinker, der Vorsitzende des Hagener Automobil-Club (HAC) hatte es auf solche Besucher aber auch gar nicht abgesehen. Der normale Museumsbesucher sollte einfach einmal alte Nutzfahrzeuge in historischer Umgebung erleben. So waren dann auch immer wieder ältere Besucher zu hören, die ihren Kinder und Enkelkindern, aber auch ihren Frauen beim Anblick bestimmter Fahrzeuge aus der eigenen Vergangenheit erzählten.


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Opel Blitz Mannschaftswagen der Polizei, Baujahr 1948

Das Konzept der Veranstalter ging wieder einmal auf. Im Mäckingerbachtal im Landesmuseum für Handwerk und Technik sind in den letzten Jahrzehnten viele alte Häuser neu aufgebaut worden, die sich über eine große Fläche verteilen. Dort finden sich viele kleine Industrie- und Handwerksbetriebe, die an den alten Standorten dem Fortschritt weichen mussten und in Hagen eine neue Heimat fanden. Vom Hammerwerk über eine Seilerei bis zur Brauerei und Bäckerei ist so ziemlich alles vertreten, was in der Vergangenheit als Vorgänger der heute total durchgestylten Gewerbegebiete und großen Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese in den Dörfern und Kleinstädten die einzigartige Atmosphäre ausmachte, von der wir heute nur noch träumen können. In Hagen ist diese Vergangenheit noch Realität. Vor, zwischen und hinter den Gebäuden waren die alten Laster verteilt. Fotografen kamen voll auf ihre Kosten. Die Oldtimer standen nicht in Reih und Glied nebeneinander, sondern meistens einzeln verteilt über das ausgedehnte Gelände.


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Brot- und Butterauto der Fünfziger Jahre: Mercedes-Benz LK 312

Das Teilnehmerfeld war nahezu identisch mit dem des Jahres 2001. Neben den allgemein bekannten und sehr aufwendig restaurierten Fahrzeugen der Speditionen Fehrenkötter, Höhlschen und Alborn gab es jedoch auch LKW, die bisher nur selten zu sehen waren. Hier ist der Borgward B 4500 von 1957 der Spedition Schmidt-Gevelsberg aus Schwelm zu erwähnen sowie der Klöckner-Humboldt-Deutz S 330 von 1941 und der Borgward B 622 von 1960 aus dem Fahrzeugbestand von Karl-Ulrich Turck aus Halver, die sonst auf Treffen eher selten zu sehen sind. Beachtenswert ist, dass trotz der allgemein schlechten Wirtschaftslage immer noch "neue" Fahrzeuge vorgestellt werden. So war in diesem Jahr der Scania LS 140 von Uwe Grillmayer aus Bad Vilbel erstmalig restauriert zu sehen sowie ein 1972 gebauter Volvo F 89 Dreiachser mit Kran der Firma Dewender aus Bochum.


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Sicherlich wird es nach dieser erfolgreichen Veranstaltung eine Wiederholung in zwei Jahren geben. Die "Macher" der Veranstaltung (neben Gerd Brinker und Dr. Dauskardt gab es eine große Anzahl freiwilliger ungenannter Helfer) können stolz sein auf das reibungslos abgelaufene Wochenende. Für ein evtl. stattfindendes nächstes Treffen gibt es Wünsche von Besuchern und Teilnehmern. Auf den ersten Blick ist die Kombination alter Laster mit alten Gemäuern als Kulisse sehr interessant. Bei kritischer Betrachtung fällt jedoch auf, dass viele der großen Fahrzeuge nur sehr selten zwischen solch kleinen alten Häusern unterwegs waren. Ein Büssing 8000 mit zwillingsbereiftem Dreiachsanhänger auf dem kleinen Vorplatz eines Handwerkbetriebs war wohl eher die Ausnahme. Eine Dreikantpfeile von Tempo oder Goli oder ein Hanomag L 28 ist hier passender. Kleine Lieferwagen bzw. Laster bis 7,5 to Gesamtgewicht kommen hier wesentlich besser zur Geltung.


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Super: historische LKW in der richtigen Kulisse.

Die Museumsmacher haben beim Wiederaufbau der Gebäude sehr viel Zeit und Geduld investiert, um möglichst den Zustand einer bestimmten Epoche darzustellen. Da werden passende Fenster und Türen besorgt. Die Schilder an den Hauswänden sind original und auf die dargestellte Zeit abgestimmt. Vor einem solchen mit viel Liebe zum Detail gestalteten Gebäude macht sich nun bei einem Oldtimer-Treffen ein chromblitzender metallicfarben lackierter Truck mit in aktueller Farbgebung des Spediteurs gehaltener Plane breit, der außer dem Baujahr nichts Altes mehr zu bieten hat. Vor das Auto werden dann noch große Tafeln gestellt, auf denen möglichst viele technische Daten über das Fahrzeug zu lesen sind. Im Fahrzeug hängen nach Möglichkeit Schilder mit Startnummern vergangener Treffen oder die aktuellen Verkaufsangebote aus dem Alteisenfundus des Fahrzeugbesitzers. Da ist schon ein Stilbruch zu spüren, auf den die Organisatoren mehr Augenmerk legen sollten. Das gleiche gilt auch für die Angewohnheit einiger Oldtimerfreunde, die zu Treffen fahren und dort als erstes sämtliche Planen und Türen an den Aufbauten bzw. Anhängern und Aufliegern öffnen und ihre Wohnzimmer lüften müssen (Zitat eines Teilnehmers: "Möbel- und Modenschau") oder aber ihre Gartengarnituren hinter den Fahrzeugen aufbauen, um dann kurze Zeit später die Grill- und Zapfsaison zu eröffnen. Natürlich kann jeder Fahrzeugbesitzer nach eigenem Gutdünken diese Dinge handhaben. Fährt er aber zu einem Treffen in dieser historischen Kulisse, so sollte etwas mehr Fingerspitzengefühl angesagt sein.


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111 PS-Krupp im Dorfkern

Diese kleinen Kritikpunkte können den positiven Gesamteindruck des Treffens jedoch nicht stören. Es konnten an diesem Wochenende viele Menschen unserem gemeinsamen Hobby nähergebracht werden. Vielleicht hat der ein oder andere Besucher ja Blut geleckt und ist demnächst regelmäßiger Gast auch bei anderen Treffen in Deutschland.

Manfred Koch