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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016







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Die Frankreich-Spezialisten

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Heinrich Otte noch als angestellter Fahrer in einem NAG

Als der 1902 geborene Heinrich Otte im Jahr 1927 mit einem gebrauchten NAG den Start in die Selbständigkeit als Fuhrunternehmer wagte, verfügte er bereits über einige Jahre Erfahrung auf einem dieser vollgummibereiften Laster. Als angestellter Fahrer fuhr er für ein Zementwerk in der Nähe seines Heimatortes Bad Laer am Teutoburger Wald. Ab dem 21. April 1927 war er auf eigene Rechnung unterwegs. Das Geschäft lief zufrieden stellend. Weitere, modernere Laster konnten beschafft werden. Doch dann machte der Zweite Weltkrieg alles zunichte. Die Aktivitäten des Unternehmers wurden stark eingeschränkt. Mehrfach wurden seine LKW eingezogen. Er beschaffte immer wieder andere Fahrzeuge, um das Geschäft aufrecht zu erhalten. Zuletzt wurde er 1943 dann noch mit einem Magirus selbst eingezogen. Das Kriegsende erlebte er in französischer Gefangenschaft.


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Wochenendruhe in Bad Laer ca. 1950

Der Fuhrbetrieb ruhte in dieser Zeit. Erst 1947 kehrte er aus Reims in Frankreich zurück. Da er Fuhrmann aus Überzeugung war, baute er seinen Betrieb sofort wieder auf. Auf Bezugsschein erhielt er einen gebrauchten 16 to-Renault-Laster, mit dem er fortan wieder für die alte Kundschaft unterwegs war. Zu einem seiner wichtigsten Auftraggeber zählte damals die Margarinefabrik Homann in Dissen. Für diese Firma fuhr er Margarine in Kofferwagen in alle Richtungen Deutschlands. Schon bald gab es die ersten Neufahrzeuge auf dem Hof in Bad Laer. Der erste LKW, der neu beschafft werden konnte, war ein 105er Büssing, der mit Homann-Beschriftung auf den Koffern des Motorwagens und des passenden Anhängers mit roter Fernverkehrskonzession eingesetzt wurde. Ihm folgte kurze Zeit später ein 85 PS starker Magirus Hauber. Bald schon stand ein zweiter Hauben-Büssing und ein Magirus-Deutz S 6500 mit großem Fernverkehrshaus neben den beiden auf dem geräumigen Speditionshof in Bad Laer. Kombiniert wurden die Fahrzeuge fast ausschließlich mit Anhängern der Fahrzeugbaufirma Heinrich Wellmeyer, die ebenfalls in Bad Laer ansässig ist.


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Büssing 5000 unterwegs mit Homann Margarine

Heinrichs Sohn, der am 21. Februar 1934 geboren wurde und ebenfalls Heinrich heißt, stieg sofort nach seiner Schulzeit in das väterliche Unternehmen ein. Er absolvierte eine „praxisnahe Ausbildung“ wie er heute schmunzelnd im Rückblick feststellt. Für ihn bedeutete dies, dass er mit 16 Jahren bereits den Führerschein Klasse 2 machte, um dann mit seinem Vater gemeinsam auf Ferntour zu gehen. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm dabei die Fahrten mit dem Büssing 5000 im Winter. Vom blanken Blechdach der Fahrerkabine hingen nachts die Eiszapfen herunter. Um schlafen zu können, kroch ein Fahrer in das Schwalbennest. Der zweite machte es sich auf der Sitzbank „bequem“. Heinrich Otte erinnert sich, dass das Bettzeug im Winter ständig klamm war vor Kälte und nie richtig trocken wurde.


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Traktoren-Transport à la Otte

Doch auch diese Zeiten änderten sich. Die Fahrzeuge wurden bequemer und moderner. Die Haubenfahrzeuge wurden durch Frontlenker ersetzt. Ein Büssing LU 11 mit 192 PS Unterflurmotor wurde neu beschafft; ein zweiter konnte gebraucht erstanden werden. Zu Seebohms Zeiten wurde ein schwindsüchtiger Mercedes-Frontlenker gekauft, der einige Jahre später ebenso wie das Konzept des ungeliebten Verkehrsministers als Totalschaden endete. Die Palette der transportierten Güter wurde ständig erweitert. Da Otte oft in Richtung Bodensee unterwegs war, suchte er geeignete Rückfrachten. Die fand er in Traktoren der Firmen Fahr, Porsche und Lanz Aulendorf. Manch abenteuerliche Fuhre bewegte sich so in Richtung Norden, denn die Traktoren wurden auf den normalen Pritschenfahrzeugen verladen. Dem Transport von landwirtschaftlichen Fahrzeugen blieb Otte treu. Ab 1980 gehörten auch Landmaschinen und Ersatzteile der Firma Claas zu den regelmäßigen Frachten, die dann hauptsächlich in Richtung Frankreich befördert wurden.


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Mercedes-Benz LPS 2020 mit Wellmeyer Kühlkoffer auf Schenk-Fahrgestell

Für Lebensmitteltransporte beschaffte Otte in den Sechziger Jahren einen Mercedes-Benz mit kubischem Haus und einer gelenkten Vorlaufachse. Dieser LPS 2020 wurde kombiniert mit einem Kühlkofferauflieger. Dazu baute Heinrich Wellmeyer auf ein Schenk-Fahrgestell einen Kühlkoffer. 1965 kam ein für damalige Zeiten exotischer Lastwagen zum Fuhrpark. Otte kaufte bei Geier in Münster einen Scania LB 76, mit dem er aber absolut nicht zufrieden war. Die Sattelzugmaschine stand oft in der Werkstatt und wurde schließlich wieder verkauft. Danach hat Scania es nie wieder geschafft, mit den Ottes ins Geschäft zu kommen. Zufriedener war Otte dagegen mit Lastern aus Braunschweig. Nach den beiden LU 11 kam der Nachfolgetype BS 16 in zwei Exemplaren in den Fuhrpark, gefolgt von den mit MAN-Häusern versehenen 16.320 U und 16.321 U. Stärker vertreten waren dann jedoch Fahrzeuge mit dem Stern auf dem Kühlergrill. Nach einem LP 1624 gab es eine Reihe Fahrzeuge der neuen Generation, z. B. LP 1632. Fast alle Fahrzeuge waren zweiachsig und mit Dreiachsanhängern kombiniert.


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TurboStar-Parade in Bad Laer zu Beginn der Neunziger Jahre

Zu Beginn der Achtziger Jahr gelang es einem Verkäufer der Firma Iveco, Heinrich Otte von den Vorzügen seiner Produkte zu überzeugen. Bald schon bestand der Fuhrpark lupenrein aus Iveco-Fahrzeugen. An den Wochenenden standen dann an der Bielefelder Strasse in Bad Laer oft mehr als zehn Iveco TurboStar-Anhängerzüge nebeneinander. Heinrich Otte ist noch heute begeistert von den kräftigen Fahrzeugen, die nach seiner Information technisch einwandfrei waren. So hat ein TurboStar 190-36 seine Karriere, zuletzt in den Nahverkehr degradiert, mit einer Laufleistung von mehr als zwei Millionen Kilometern beendet, ohne dass der Motor je geöffnet worden war. Lediglich Verschleißteile wurden ersetzt. Das imposante Bild der TurboStars wurde erst gestört durch die Nachfolger vom Typ EuroStar, die auch heute noch in einigen Exemplaren vorhanden sind. Der Fuhrpark besteht heute je zur Hälfte aus Mercedes-Benz und Iveco-Fahrzeugen. Actrosen mit Megaspace-Häusern sowie Iveco Stralis Active Space kombiniert mit Krone Sattelaufliegern haben die Gliederzüge fast komplett verdrängt.


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Auslaufmodell: Iveco EuroStar 190 E 42 mit Wellmeyer Anhänger am 15.12.2005 in Bad Laer

Mittlerweile ist die dritte Generation in der Geschäftsleitung vertreten. Der Enkel des Firmengründers, in dessen Geburtsurkunde auch wieder der Name Heinrich steht, der aber Heino genannt wird, ist seit 1985 im Unternehmen tätig. Er ist im väterlichen Betrieb groß geworden. Bereits im Alter von 12 Jahren war es seine Aufgabe, am Wochenende die auf dem Hof geparkten Lastzüge zu waschen. Später hat er dann auch Reparaturen und Lackierarbeiten durchgeführt. Nach der Ausbildung bei einer Mercedes-Benz-Vertretung in Osnabrück ist er dann 1985 offiziell in die Firma eingetreten. Im Gegensatz zu vielen anderen Speditionsleitern hat er aber zunächst einige Jahre auf dem „Bock“ gesessen und Erfahrungen als Fahrer gesammelt. Noch heute denkt er gerne zurück an Touren mit dem MAN F 8 mit 240 PS kombiniert mit einem Dreiachsanhänger nach Frankreich. Später durfte er dann einen Mercedes-Benz LP 1632 NG fahren, von dem er noch heute schwärmt. Heute leitet er das traditionsreiche Speditionsunternehmen, das derzeit fünfzehn Fernverkehrslastzüge einsetzt. Fällt heute ein Fahrer aus, so steigt er auch schon einmal wieder selbst hinter das Lenkrad eines der modernen LKW und träumt dabei von längst vergangenen Zeiten im LP 1632.

Text: Manfred Koch
Fotos: © Archiv Otte, Didier Florentin, Manfred Koch


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Fernverkehr um 1950: schwerer Magirus Rundhauber in der Nähe von Sigmaringen Büssing 5000 und Magirus in Bad Laer Mit den "Chefwagen" unterwegs: Opel Kapitän 1952 Fuhrpark am 24.04.1962
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Fuhrpark ca. 1963 Büssing LU 11 Büssing LU 11 Exot: Scania LB 76 im September 1965
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Exot: Scania LB 76 im September 1965 1966: Mercedes-Benz LP 338 am Ende Noch nicht zugelassen: Mercedes-Benz LP 1624 mit Werbung für einen guten Kunden Noch nicht zugelassen: Mercedes-Benz LP 1624 mit Werbung für einen guten Kunden
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Noch nicht zugelassen: Mercedes-Benz LP 1624 mit Werbung für einen guten Kunden Gebrauchtwagenkauf: Mercedes-Benz LPS 2020 in Hamburg Mercedes-Benz LPS 2020 mit interessantem Hintergrund Umlackiert: Mercedes-Benz LPS 2020 mit Kühlauflieger
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Ein neuer Auflieger auf dem LPS 2020 BS 16 mit Namen MAN-Büssing 16.320 Büssing-Nachfolger: MAN-Büssing 16.320 U War auch mit Plane unterwegs: MAN-Büssing 16.320 U
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Fuhrpark ca. 1975 Fuhrpark ca. 1975 Fuhrpark ca. 1975 Fuhrpark ca. 1975
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TurboStar-Parade in Bad Laer Hochzeitskutsche: Heino Otte fuhr natürlich im TurboStar zur Kirche und gab seiner Frau dort das Ja-Wort TurboStar-Parade in Bad Laer TurboStar-Aufstellung mit Fremdkörpern
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Das Ende eines TurboStars: 190-33 nach Unfall am 14.06.1989 Noch mit Magirus-Schriftzug: Iveco TurboStar Typischer Otte-Zug: Iveco TurboStar 190-36 mit Wellmeyer Anhänger Iveco TurboStar 190-36 mit Wellmeyer Anhänger
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Gliederzüge verdrängt: Iveco EuroStar mit Sattelauflieger am 17.12.2005 in Bad Laer Laden für Frankreich: Iveco EuroStar 190 E 42 am 14.02.2005 in Erwitte Iveco EuroStar 190 E 42 am 15.12.2005 in Bad Laer Wellmeyer Dreiachsanhänger am 15.12.2005 in Bad Laer
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Aktuelles Design: Iveco Stralis 480 Active Space am 17.12.2005 in Bad Laer Aktuelles Design: Mercedes-Benz LS 1844 Actros MP 2 Megaspace am 17.12.2005 in Bad Laer MP 1 und MP 2 am 17.12.2005 in Bad Laer Power aus Ulm: EuroStars am 17.12.2005 in Bad Laer
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EuroStars am 17.12.2005 in Bad Laer Fuhrpark am 17.12.2005 Unschönes Ende eines schönen LKW: MAN-Büssing 16.320 U Unschönes Ende eines schönen LKW: MAN-Büssing 16.320 U