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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016












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75 Jahre Himmelreich

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1930: Chevrolet 3-Tonner des Wirtschaftsvereins Gleidorf

Im Mai 1931 gründete der 1906 geborene Franz Himmelreich im sauerländischen Schmallenberg einen Fuhrbetrieb, der in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen feiern kann. Bevor er den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit wagte, war er als angestellter Fahrer für den Wirtschaftsverein, die spätere bäuerliche Absatz-Genossenschaft des Nachbarortes Gleidorf mit einem 3-Tonner Chevrolet unterwegs. Sein erstes eigenes Fahrzeug war ebenfalls ein Chevrolet. Aufträge erhielt er hauptsächlich von seinem früheren Arbeitgeber. So transportierte er auch weiterhin landwirtschaftliche Produkte zwischen dem Kornhaus Gleidorf und dem dortigen Bahnhof, nun jedoch auf eigene Rechnung.


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1937: Hansa-LLoyd als Hochzeitswagen in Niedersorpe

Dem Chevrolet folgte bald schon ein stärkerer LKW, ein Büssing–NAG mit 90 PS-Motor. Mit diesem LKW transportierte er Milch aus dem Sauerland zur Molkerei ins siegerländische Geisweid. Diese Fahrten wurden bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges durchgeführt. In dieser Zeit wurden Himmelreich-Fahrzeuge auch für außergewöhnliche Ereignisse eingesetzt. So diente der Büssing, der 1937 auf Holzvergaser umgebaut wurde, auch als Brautwagen. Die Fahrt mit dem geschmückten Laster führte von Oberkirchen nach Niedersorpe. Bei Schützenfesten wurde die Musikkapelle auf der Ladefläche transportiert. Kurz nach Ausbruch des Krieges wurde der LKW zur Wehrmacht eingezogen. Natürlich wurde versprochen, ihn später zurück zu geben. Auch Franz Himmelreich wurde zu den Waffen gerufen. Das Kriegsende erlebte er in italienischer Gefangenschaft. Als er wieder ins Sauerland zurückkam, war kein LKW mehr vorhanden. Nach langem Kampf mit den Behörden bekam Himmelreich einen defekten Daimler-Benz LK 4500 zugewiesen, der 1939 gebaut worden war. Dies war jedoch ein schlechter Ersatz für den requirierten Büssing, musste er doch erst einmal wieder fahrbereit gemacht werden. Dies erledigten Franz und sein Schwager Josef Spiekermann auf Schütten Fabrik.


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1951: Der Mercedes-Benz LK 4500 wird im Steinbruch der Firma Wilh. König & Söhne beladen

Der Daimler wurde kombiniert mit einem zweiachsigen Anhänger eingesetzt, um Schotter aus dem Steinbruch der Firma Wilhelm König & Söhne in Westfeld zu diversen Baustellen zu fahren. Dieser erste Anhänger musste noch von Hand hochgekurbelt und entladen werden. Auftraggeber waren dabei verschiedene Bauunternehmer im Bereich Straßen- und Hochbau aus dem Sauerland, aber auch aus Berleburg und Siegen. Für die Firma Anton Feldhaus & Söhne aus Schmallenberg wurden die ersten Planierraupen auf der Pritsche des LKW zu den Baustellen gefahren. Neben Schotter wurden aber auch andere Produkte des täglichen Lebens befördert. So war Himmelreichs LKW auch für die Bäckerei Blanke unterwegs und schaffte Mehl heran. Ab 1964 wurden aus dem Steinbruch Westenfeld und etwas später aus dem Diabaswerk Berge sämtliche Materialien für den Straßenbau und diverse Mischanlagen gefahren. 


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1952: Mercedes-Benz LK 6600 im Winterdienst

Im Winter war im Hauptbetätigungsfeld Straßenbau nicht viel zu tun. Um das Fahrzeug auszulasten, wurde es im Winterdienst eingesetzt. Dazu wurde in den Wintermonaten ein Schneeräumschild vorne an das Fahrzeug angebaut. Die Verstellung des Schildes erfolgte dabei über Handräder aus dem Fahrerhaus. Dafür war neben dem Fahrer ein Beifahrer als Bediener nötig. Der Winterdienst sollte auch für die Zukunft ein wichtiges Standbein für Himmelreich werden. Für den Landschaftsverband (heute Straßen NRW) mit zunächst eigener Straßenmeisterei in Fredeburg, die später nach Winterberg verlegt wurde, fuhr und fährt die Firma Himmelreich vom Hochsauerland bis an die hessische Grenze. Beim Kreis Meschede, der später zum Hochsauerlandkreis wurde, ist die Firma Himmelreich seit 1969 Vertragspartner für den Winterdienst auf Kreisstrassen.


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1964: am Rosenmontag für DM 49.000,-- gelieferter Mercedes-Benz LK 1620

Gefahren wurden im Laufe der Jahre eine Menge interessanter Fahrzeuge, die hauptsächlich mit dem Mercedes-Stern versehen waren. Dem zugeteilten LK 4500 mit 120 PS folgte 1952 ein 145 PS starker Mercedes-Benz LK 6600 zum damaligen Preis von DM 39.900,--. 1960 fand dann auch ein Magirus-Deutz den Weg nach Winkhausen. Ein 150 PS starker Allrad-Hauber bewährte sich bis 1965 auch im Winterdienst. Ebenfalls 1960 beschafft wurde ein Henschel HS 100 K. Er wurde 1963 abgelöst durch einen Mercedes-Benz LK 322 mit 130 PS-Motor. Dieser Kipper war das letzte Fahrzeug, das der Firmengründer selbst kaufte. Es wurde von der Firma Bald aus Siegen geliefert, nach einem Jahr aber schon wieder durch einen stärkeren Kipper, einen LK 1620 ersetzt. Die Firma Hövel aus Arnsberg lieferte das Fahrzeug am Rosenmontag 1964 für DM 49.000,--. Der schwere Rundhauber bewährte sich sehr gut, so dass bereits 1965 ein weiterer Kipper des gleichen Typs zusätzlich beschafft wurde. Der erste LK 1620 wurde dann 1969 durch einen LAK 1623 ersetzt, der bis 1978 für die Himmelreichs unterwegs war. Speziell für den Winterdienst beschafft und nur in den Wintermonaten eingesetzt wurde 1970 ein 150 PS starker Allrad-Kipper von MAN. Der letzte schwere Hauber im Himmelreich-Fuhrpark war der 1974 beschaffte Mercedes-Benz LAK 1624. Franz Himmelreich war sehr zufrieden mit diesem LKW, der auch im Winterdienst sein Geld wert war. Mit einem kubischen Mercedes-Benz LPK 2232 kam dann 1975 der erste Frontlenker in den Fuhrpark. Er stellte wegen der Einzelradaufhängung an der Hinterachse den Firmeninhaber nicht so sehr zufrieden, wurde aber trotzdem bis 1978 eingesetzt.


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Mercedes-Benz L 321 und LK 312 von Franz und Martin Himmelreich

Das Transportunternehmen wird heute in der dritten Generation als Familienbetrieb geführt. Dem Firmengründer Franz Himmelreich, der 1963 viel zu früh verstarb, folgte sein Sohn, der ebenfalls Franz heißt. Er übergab 1998 die Geschäftsleitung an seinen Sohn Jörg, der als gelernter Kfz-Mechaniker heute dafür sorgt, dass die Fahrzeuge ausgelastet sind. Jörg zur Seite stehen seine Brüder Thomas und Bernd sowie sein Onkel Martin, die durch ihre erlernten  Berufe zur Instandhaltung des Fuhrparks beitragen. Die vierte Generation steht in Person des heute sechsjährigen Philip schon in den Startlöchern. Franz Himmelreich hat die „guten alten Zeiten“ wieder aufleben lassen, indem er sich einen Mercedes-Benz L 321 zulegte. Dieser im Jahr 1958 gebaute LKW erinnert ihn an die Sechziger Jahre, in denen er hart arbeiten musste, um den Betrieb zur heutigen Größe zu führen. Sein Bruder Martin legte sich kurze Zeit später ebenfalls einen „Neunziger“ zu. Er entschied sich jedoch für die Ausführung als Kipper. Sein LK 312 wurde 1955 gebaut und zeigt sich zum Firmenjubiläum in den Hausfarben des Familienunternehmens. Am 20. Mai 2006 feierten die Himmelreichs mit Freunden und Geschäftspartnern ihr Jubiläum mit einem kleinen Treffen. 

Text: Manfred Koch
Fotos: Archiv Himmelreich, Manfred Koch


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Firmengründer Franz Himmelreich, geb. 08.07.1906 - gest. 12.10.1963 Im Einsatz von 1974 bis 1983: Mercedes-Benz LAK 1624 Im Einsatz von 1965 bis 1974: Mercedes-Benz LK 1620 Frühjahr 1952: Magirus-Deutz Allradkipper mit 150 PS
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90 PS Büssing-NAG Als Bundesstraßen noch gepflastert waren: Büssing-NAG auf der B 236 in Winkhausen auf dem Rückweg von der Molkerei in Siegen-Geisweid Winkhausen 1938: Büssing Milchwagen mit Fahrer Josef Hennemann und Theodor Henderkes Winter 1952: 145 PS starker Mercedes-Benz LK 6600 im Winterdienst unterhalb von Altastenberg
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1952: Abfahrbereiter Mercedes-Benz LK 6600 Winterdienstler 1952: Franz Himmelreich (im Mercedes) und Felix Schulte Stillgestanden: Fahrer Theodor Henderkes im Sommer 1952 vor seinem Mercedes-Benz LK 6600 in Oberkirchen Daimler versenkt: Beim Neubau der Wasserleitung in der Kirchstrasse in Oberkirchen hat Theodor Henderkes seinen Kipperzug festgefahren
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War nur von 1960 bis 1963 bei Himmelreich im Einsatz: Henschel HS 100 K Mercedes-Benz LK 322 von 1963 150 PS Magirus-Deutz Allradkipper 1960 im Winterdienst Von 1969 bis 1978 bei Himmelreich: Mercedes-Benz LK 1623
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Erster Frontlenker: Mercedes-Benz LPK 2232, der von 1975 bis 1978 für Himmelreich unterwegs war Von 1978 bis 1984 bei Himmelreich: Mercedes-Benz LPK 1626 NG Schlaglochsuchgerät: Franz Himmelreich war mit dem Mercedes-Benz LPK 1625 absolut nicht zufrieden und gab ihn schnell wieder ab 1985: Mercedes-Benz LPK 1628 mit Kässbohrer Anhänger im Diabaswerk Berge
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1975: 65 PS starker Unimog 406, der im Winterdienst eingesetzt wurde 2006: Restaurierter Mercedes-Benz L 321 von Franz Himmelreich 2006: Mercedes-Benz LK 312 von Martin Himmelreich Nostalgie-Abteilung im Himmelreich-Fuhrpark: Mercedes-Benz LK 312 und L 321
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Franz und Martin Himmelreich vor ihren Lastern Oldi im aktuellen Fuhrpark: Mercedes-Benz LPK 1844 SK MAN 19.464 FAK aus dem aktuellen Fuhrpark MAN 26.464 DFK aus dem aktuellen Fuhrpark
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Noch nicht zugelassen: MAN TGA 26.430 DFK Fuhrpark im Jubiläumsjahr Fuhrpark im Jubiläumsjahr Fuhrpark im Jubiläumsjahr
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"Henschel"-Gäste bei der Jubiläumsfeier am 20.05.2006 Besucher der Jubiläumsfeier am 20.05.2006 Mercedes-Benz L 312 und L 321 am Jubiläumstag Henschel waren in der Mehrzahl am 20.05.2006