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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016












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Georg Solle Fernkraftverkehr

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1936 ein imposanntes Gespann: Büssing-NAG 802 mit passendem Dreiachsanhänger

Als der Spediteur Georg Solle 1893 in Schwelentrup an der Lippe geboren wurde, dachte noch niemand an die massive Motorisierung, die im kommenden 20. Jahrhundert über Deutschland hereinbrechen sollte. Und doch prägte das Kraftfahrzeug das ausgefüllte Leben des Unternehmers. Nach der Schule und einer Ausbildung zum Autoschlosser trat er am 1. April 1912 im Alter von 19 Jahren in die Dienste eines Automobilhauses in Gütersloh. Als er nach etwas mehr als zwei Jahren dort kündigte, um als Soldat in den Ersten Weltkrieg zu ziehen, schrieb ihm sein Chef August Jehneke, Inhaber des Automobilhaus Aug. Jehneke, erstklassig eingerichtete Reparaturwerkstatt mit Kraftbetrieb, Vulkanisieranstalt, Garage für ca. 30 Wagen mit Zentralheizung, Continental Stock und Fahrschule am 27. Juni 1914 folgende Worte in sein Zeugnis: „Inhaber dieses Herr Georg Solle Gütersloh, trat am 1. April 1912 bei mir als Reparatur Schlosser und Fahrer bei mir in Stellung. Ich war mit seinen Leistungen in jeder Hinsicht zufrieden, und kann ich p. Solle jeden als einen tüchtigen gewissenhaften Arbeiter und Fahrer empfehlen. Als Wagenführer war er mir besonders lieb, da ich ihm rückhaltlos vertrauen konnte, und seinen Wagen so behandelte, wie man es von einem Chauffeur verlangt. Seine ihm aufgetragenen Arbeiten führte er stets gewissenhaft und gut aus. Da sein Austritt eigener Wunsch ist sehe ich ihn nur ungern scheiden, und wünsche ich ihm zu seinen ferneren Fortkommen nur das Beste.“ Während seiner Tätigkeit bei Meister Jehneke machte Solle 1913 seinen Führerschein.


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Traumlaster für jeden Fernfahrer: Büssing 8000 mit Fahrerhaus der Karosseriefabrik Hall im Jahr 1949

Den Ersten Weltkrieg überstand Solle unbeschadet. Zurück in Schwelentrup begann er 1919 damit, Kohle von den Hammer Zechen in das Umland zu fahren. Dafür setzte er damals bereits einen eigenen LKW ein. Das Geschäft entwickelte sich prächtig in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. 1939 setzte Solle insgesamt acht Fahrzeuge ein. Der Krieg warf das Transport-Unternehmen um Jahre zurück. Nur ein einziger LKW konnte über den Krieg gerettet werden. Am folgenden wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands nahm Solle aktiv teil. Alles was Räder hatte, wurde für den Transport von Kohle aus dem Hammer Hafen in das Umland eingesetzt. Die Kohle – bereits damals Importware aus den USA - wurde per Schiff bis nach Hamm transportiert. Dort übernahmen dann Solle-Kipperzüge die Ladung und belieferten diverse Kohlenhändler. Georg Solle stellte bald auch Kontakte zu den Zementwerken im Beckumer Raum und in Erwitte her, um von dort Zementprodukte abzufahren. Schnell war der Fahrzeugbestand der Vorkriegszeit wieder erreicht und der Betrieb expandierte weiter. Neben den Zementtransporten wurden auch Bimssteine aus dem Raum Andernach abtransportiert. Zu den Kippern kamen Silozüge, die Zement und andere staubförmige Produkte transportieren konnten.


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Kraftpaket: 115 PS mussten 1959 ausreichen, um einen MAN 415 F samt Ackermann-Aufbau und Tandemachsanhänger sowie 11 NSU Prinz II zu bewegen

Im Jahr 1954 erschloss Solle einen neuen Markt für sein Unternehmen. Bis dahin war es üblich gewesen, dass Kunden ihre neuen PKW beim Hersteller abholten oder diese auf eigener Achse zum Händler vor Ort gebracht wurden. Solle schloss einen Vertrag mit einem Düsseldorfer Unternehmer, der für die Firma NSU als Großhändler für die Bereiche Niederrhein und Westfalen zuständig war. Ab sofort hatte er mit PKW-Transportern NSU-Fahrzeuge aus Neckarsulm zu holen und nach Düsseldorf zu transportieren. Auch dieser Geschäftszweig entwickelte sich gut. Solle und seine engagierten Mitarbeiter leisteten gute Arbeit. Anfang der Sechziger Jahre übernahm Solle außerdem die Lagerung von Neufahrzeugen. In Spitzenzeiten standen auf diversen angemieteten Plätzen, die über das Stadtgebiet von Hamm verteilt waren, bis zu 1000 Neufahrzeuge von NSU. Um seine Fahrzeuge auszulasten, ging Solle eine Kooperation ein mit der Spedition Erik Strasser aus München. Wurden NSU aus dem Süden in den Raum Nordrhein-Westfalen gefahren, so transportierte er auf dem Rückweg Fahrzeuge von Opel aus Bochum im Auftrag von Strasser in den Süden. 1968 wurde dieser Geschäftszweig dann jedoch wieder eingestellt. Der Grund hierfür war eine grundsätzliche Neuorganisation der PKW-Transporte. Waren bisher die Großhändler Frachtzahler und konnten sich „ihre“ Spediteure aussuchen, so zog jetzt die Automobilindustrie die Frachthoheit an sich und bestimmte fortan, wer die Neufahrzeuge zu den Händlern brachte. Solle war mit zuletzt 12 PKW-Transportfahrzeugen zu klein, um direkt mit den Automobilwerken zu sprechen. Aus dem Grund verkaufte er diesen Teil seines Fuhrparks mit dem noch bestehenden Vertrag an die Firma Strasser.


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Ruß-Laster: Fabrikneuer Büssing BS 16 mit Aufbau und Anhänger von Schmitz, Altenberge mit eingeklappten Spiegeln beim Fototermin 1969

Immer auf der Suche nach neuen Märkten ergab sich 1964 ein neues Geschäftsfeld, das die weitere Geschichte der Spedition prägen sollte. Solle begann mit dem Transport von Ruß. Dabei handelt es sich um eine Spezialchemikalie, die z. B. bei der Reifenherstellung für die Verstärkung von Kautschuk aber auch als Pigmentruß bei der Herstellung von Druckfarben Verwendung findet. Für den Transport dieser Produkte, die bis dahin als Sackware oder in „Bomben“, d. h. in großen Gummibehältern transportiert wurden, beschaffte Solle spezielle Silofahrzeuge. Bei der Konstruktion und dem Bau dieser Aufbauten musste die besondere Problematik dieser Produkte, wie die niedrige Schüttdichte berücksichtigt werden. In enger Zusammenarbeit mit den Kunden wurden hier Lösungen entwickelt, die auch heute noch in leicht modifizierter Form eingesetzt werden. Solle sollte einer der Großen auf dem Gebiet der Russtransporte werden. Trotzdem oder gerade deswegen wurde die Spedition 1983 verkauft. Georg Solle hatte sich, nachdem er in der Nachkriegszeit den Unternehmensaufbau zunächst mit seinem Sohn Georg Wilhelm Solle betrieben hatte, schon früh aus dem Tagesgeschäft zurückziehen müssen, da er herzkrank war. Sein Sohn hatte diese Krankheit geerbt. Außerdem gab es bei der Übergabe der Firma an die nächste Generation ein kleines Problem. Zwei Ölkrisen hatten die Ertragssituation geschwächt und Georg Solle hatte sechs Kinder, von denen jeder seinen Anteil am Kuchen „Spedition Solle“ abhaben wollte. Der Familienrat tagte und beschloss, den kompletten Betrieb an die Spedition Altmann Automobillogistik zu verkaufen. Unter dem alten Namen „Solle Spedition GmbH“ wird der Betrieb auch heute noch mit Sitz in Hamm als GmbH geführt. Waren beim Verkauf der Spedition 38 Fahrzeuge im Einsatz, so sind es heute (Stand 2005) 49 Sattelzugmaschinen sowie 40 Silo- und 28 Planenauflieger.


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Nach ihm verschwand der Name Büssing im Solle-Fuhrpark: MAN-Büssing 16.320 U

Der Fuhrpark der Spedition war fast immer lupenrein. In den Anfängen setzte Solle auf Büssing-Fahrzeuge. In den dreißiger Jahren wurden im Fernverkehr u. a. Büssing-NAG Typ 802 eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg griff Solle zunächst auf allradgetriebene ehemalige Wehrmachtsfahrzeuge zurück - natürlich mit dem Büssing-Spinne auf der Front. 1946 quälte sich dazu außerdem ein betagter dreiachsiger Büssing-NAG 900 mit einem Dreiachsanhänger und einem weiteren zweiachsigen Anhänger über die notdürftig zusammengeflickten Straßen Westdeutschlands. 1948 waren schon wieder vier 105er Büssing sowie ein Opel Blitz und ein leichter Mercedes LKW mit wechselnden Anhängern für Solle auf Tour. 1949 stand dann das Flaggschiff aus dem Hause Büssing auf dem Hof in Hamm, ein 180 PS starker Büssing 8000 mit passendem Dreiachsanhänger. Weitere 8000er folgten, z. T. als Pritschenwagen, aber auch mit Kühlkofferaufbauten und mit stehenden Silos zum Zementtransport. Erst mit dem Aufkommen der PKW-Transportfahrzeuge hatten auch andere LKW-Hersteller eine Chance, Laster an Solle zu verkaufen. Zunächst kamen MAN 415 F mit Aufbauten und Anhängern von Ackermann zum Einsatz. Später liefen in dieser Sparte Mercedes-Benz LP 322 bzw. deren toastscheibene Nachfolger. Für den Russtransport wurden zunächst Büssing-Frontlenker der Typen BS 16 eingesetzt. Nach der Übernahme von Büssing durch MAN wurden bevorzugt MAN Unterflur-Fahrzeuge eingesetzt. Doch auch Laster mit dem Stern kamen zum Einsatz. Solle führte mittlerweile auch Coiltransporte durch und fuhr regelmäßig Mercedes-Werke an. Da lag es nahe, dass er genötigt wurde, auch Mercedes-Benz-Laster zu fahren. Er tat dies in Form von kubischen LPS 1632. Doch sowohl MAN als auch Mercedes sind inzwischen Geschichte. Z. Zt. ist der Fuhrpark wieder einmal lupenrein. Es stehen ausschließlich Iveco Stralis Active Space auf der Fahrzeugliste. Aktuelle Informationen zur Spedition Solle finden sich auf der Internetseite www.solle-spedition.de.

Text:    Manfred Koch

Fotos:        (c) Archive Solle, Nessel und Koch


 


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NAG aus den Anfängen: 1920 waren Vollgummibereifung und Kettenantrieb noch üblich Hammer "Roadtrain": Büssing-NAG 900 mit passenden Anhängern im Jahr 1946 Unhandliches Gespann: In der unmittelbaren Nachkriegszeit gab es auch solche Gespanne auf Deutschlands Straßen zu sehen Solle-Büssing im Schnee
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Es geht bergauf: 1948 stand schon wieder ein beachtlicher Fuhrpark auf dem Hof in Hamm Wochenende: 1953 bestand der Fuhrpark reinrassig aus Büssing-Haubern Große Schnauzen: lange Hauben und Chrom-Zierrat waren 1953 noch üblich Große Schnauzen: lange Hauben und Chrom-Zierrat waren 1953 noch üblich
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Gab es in zwei Exemplaren: Büssing 8000 S 13 mit Kühlkofferaufbau und -Anhänger von Schmitz im Jahr 1953 Büssing 8000 mit Silo-Aufbau und passendem Anhänger 1953 in Hamm Wochenendaufstellung: Der Fuhrpark im Jahr 1953 Wochenendaufstellung: Der Fuhrpark im Jahr 1953
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PKW-Transporter: Ein Teil der Transporter-Flotte 1968 in Bad Friedrichshall Lange Zeit typisch für Solle: MAN-Büssing 16.320 U im Jahr 1979 Neue Generation: Mercedes-Benz LPS 1632 NG mit Coilauflieger MAN-Dominanz: Ende der Siebziger Jahre fährt Solle fast nur noch MAN
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BS 16: Trotz MAN-Schriftzug der letzte wahre Büssing Unterflur-Ruß-Kipper: MAN-Büssing 16.320 U MAN 16.280 FS mit Krone Dreiachs-Pritschenauflieger MAN-Büssing 16.320 U Pritschenwagen
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Totalschaden: Auf der B 1 in der Nähe von Soest verunglückte vor 45 Jahren ein Solle Silo-Lastzug Kaspar Lutter schleppte den havarierten Solle-Büssing ab Aktuelles Design: Iveco Stralis 430 Active Space am 05.05.2005 in Bad Waldliesborn Auch schon wieder Geschichte: Iveco 440 E 38 EuroStar am 07.09.2001 in Hamm