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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016












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Sternenwechsel

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105er Buessing-NAG mit dem heutigen Inhaber Eugen Jung auf dem Kotfluegel

1911 gründete der Großvater des heutigen Inhabers der Kasseler Spedition Jung in Zwickau in Sachsen ein Fuhrunternehmen. Mit Pferd und Wagen war er fortan unterwegs, hauptsächlich im Nahbereich. Dem Fuhrbetrieb angegliedert war eine Kohlen- und Bierhandlung. Der Fortschritt des kleinen Unternehmens wurde unterbrochen durch den Ersten Weltkrieg, den Jung aber unbeschadet überstand. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen wuchs das Unternehmen. Es wurden erste LKW beschafft, über die aber nichts überliefert ist. Auch der Zweite Weltkrieg wurde heil überstanden. Paul Jung, Sohn des Firmengründers führte das Geschäft nun fort. 1946 war u. a. ein aus ehemaligen Wehrmachtsbeständen stammender Büssing-NAG mit 105 PS für diverse Kunden unterwegs. Der Büssing wurde oft mit zwei Anhängern eingesetzt. Da Reifen Mangelware waren, wurden sogar die Räder von Flugzeugen, die um Zwickau herum gestrandet waren, demontiert und für die Anhänger hergerichtet. Die Hauptsache war, dass die Räder rollten.


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der Fuhrpark 1954: Magirus-Deutz 3500 und zwei Henschel HS 140

Die Geschäfte in der SBZ (sozialistisch besetzen Zone) entwickelten sich nicht wie gewünscht. So zog Jung es vor, sich in den Westen zu orientieren. In Kassel lebten Verwandte, zu denen er im Jahr 1950 zog. Lediglich den 105er Büssing konnte er mit bringen. Der Rest seines Eigentums verblieb im Osten und wurde beschlagnahmt. Am 01.01.1950 wurde eine neue Firma in Kassel unter dem Namen Paul Jung Spedition eingetragen. Von nun an fuhr Jung mit dem 105er auf Ferntouren, z.B. von Kassel ins Ruhrgebiet. Aufträge erhielt er von anderen Spediteuren aus dem Kasseler Raum. Da damals noch keine Autobahn bestand, ging es über Bundesstraßen, die keinen Berg und keinen Hügel ausließen.  Die Bundesstrasse von Kassel Richtung Westen verlief über Warburg und Scherfede und wies dort einige extreme Steigungen auf. Hier war es dann notwendig, den zweiten Anhänger erst einmal unten am Berg stehen zu lassen, den ersten Anhänger auf oder über den Berg zu transportieren, zu wenden und dann den zweiten Anhänger nachzuholen. Da dieses "Anhängertreideln" oft die gesamte Nacht in Anspruch nahm, hießen die Berge um Scherfede "Lange Nacht".


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war selten solo unterwegs: Krupp Mustang

1953 gehörte Paul Jung neben der Spedition Rettberg zu den Mitbegründern des KSK Kasseler Speditions-Kontor. Diese an sich gute Kooperation hielt jedoch nicht lange. Sowohl Rettberg als auch Jung waren eigenständige Unternehmer, die die neu gegründete Vereinigung kurze Zeit später wieder aufkündigten, da beide erkannt hatten, dass das Schwimmen alleine schneller geht als gemeinsam. Ebenfalls 1953 wurde der Betriebshof in der Sternbergstrasse bezogen. Hier hatten alle vorhandenen Lastzüge Platz. Bereits 1960 wurde dann erneut umgezogen. Da der Fuhrpark gewachsen war, wurde ein Neubau in der Kohlenstrasse bezogen, wo die Spedition auch heute noch ansässig ist.


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bis heute ungeklärt: Tankwagenunfall in Lichtenau

Im Laufe der Jahre wurden Fahrzeuge verschiedener Hersteller gefahren. Kam Paul Jung zunächst mit einem Büssing in den Westen, so beschaffte er später aus naheliegenden Gründen LKW der Kasseler Firma Henschel. Neben HS 140 waren später Frontlenker mit Tram-Fahrerhäusern im Einsatz. Neben Lastzügen mit Planen hatte Jung auch Tankwagen im Einsatz. Dieser Geschäftszweig wurde jedoch nach einem tödlichen Unfall aufgegeben. Nach der Übernahme der Firma Henschel durch Daimler-Benz wurde dann auch der Sternenwechsel bei Jung vollzogen. In der Zeit, als Mercedes Fahrzeuge nur noch zuwies, wechselte Jung dann auch einmal zu MAN. Im Einsatz waren in den Siebziger Jahren F 8-Modelle, dabei sogar einige Unterflurfahrzeuge. Mit dem Einritt von Eugen Jung in die Geschäftsführung ging es dann ab er wieder in Richtung Mercedes. Der Diplom-Kaufmann ist seit 1972 in der Firma, seit 1975 ist er Prokurist und seit 1985 Geschäftsführer der GmbH. Er rechnete nach, dass Daimler-Benz-Fahrzeuge die wirtschaftlichsten sind.


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Fuhr Werbung für einen guten Kunden: Krupp Frontlenker

Wurde in den 50er und 60er Jahren auch internationaler Fernverkehr betrieben, so wird heute nur noch national gefahren. 16 Lastzüge mit dem Mercedes-Stern auf dem Kühlergrill sind heute für das Kasseler Traditionsunternehmen auf Deutschlands Strassen unterwegs. Gefahren wird hauptsächlich nach Norddeutschland, zu den Seehäfen und in die Gebiete Rhein/Ruhr und Rhein/Main. Die Kunden kommen aus der Automobil-, der Landmaschinen- sowie der  Lebensmittelindustrie sowie der chemische Industrie. Jung ist Gefahrgutspediteur. Am Standort Kassel wird ein Lager für diverse Kunden betrieben.

Text:    Manfred Koch

Fotos:    Archiv Jung


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