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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016












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Unterwegs im Auftrag der Bahn

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Paul und Peter Brockerhoff im Jahr 1947 vor einem Vorkriegs-Buessing

Paul Brockerhoff gründete am 1. Dezember 1928 zusammen mit seinem Vater Peter ein Autofuhrgeschäft. Das Unternehmen mit Sitz in Kaiserswerth erhielt den Namen P. & P. Brockerhoff. Bereits ein Jahr später wurde der Firmensitz nach Duisburg-Neudorf verlegt. In Duisburg-Hochfeld an der Heerstrasse wurde 1932 eine Werkstatt angemietet, die bis 1944 in Betrieb war. In den ersten Jahren wurden bis zu vier Lastzüge eingesetzt. Drei gebrauchte LKW mit Anhänger und ein neuer Büssing, ebenfalls mit Anhänger ausgerüstet, waren vorhanden. Es handelte sich um 5- bis 8-Tonner, die z.T. noch mit Elastikbereifung gefahren wurden. Befördert wurde hauptsächlich Kies und Sand im Raum Duisburg und Essen. Gelegentlich wurden auch damals schon Fernfahrten durchgeführt. Alle Lastzüge waren immer mit Fahrer und Beifahrer besetzt. 1933 wurde ein Vertrag mit der Deutschen Reichsbahn abgeschlossen, der für die Zukunft des Unternehmens sehr wichtig sein sollte. Fortan fuhr Brockerhoff "Im Auftrage der Deutschen Reichsbahn", ab 1936 auch im Fernverkehr.


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Brockerhoff-Vomag im Krieg

Die ersten Jahre zählten gleich zu den schwierigsten der jungen Firma. Durch die große Weltwirtschaftskrise gingen die Aufträge ab 1930 stark zurück. Die Fahrzeuge wurden zeitweilig stillgelegt. Fahrer mussten entlassen werden. Die Firma arbeitete vier Jahre lang mit Verlust. Nach der Wirtschaftskrise wurde bei Brockerhoff jedoch ab etwa 1934 auch wieder mit Gewinn gearbeitet. Der Fahrzeugbestand erhöhte sich auf acht Lastzüge. Darunter gab es modernste Vomag-Dreiachser. Doch der von den Braunhemden angezettelte Krieg warf das aufstrebende Unternehmen wieder zurück. 1939 und 1940 wurden insgesamt drei komplette Lastzüge von der Wehrmacht aufgekauft. Drei weitere Lastzüge wurden während des Krieges im Nachschubverkehr der Wehrmacht über die Reichsbahn eingesetzt. Alle diese Fahrzeuge gingen 1944 durch Feindeinwirkung verloren. Lediglich zwei im Nahverkehr eingesetzte Fahrzeuge überstanden den Krieg.


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Vier der neuen Büssing 8000 im Jahr 1953

Nach dem Krieg wurde mit zwei alten LKW und drei Anhängern neu begonnen. Ein Büssing LKW von 1929 sowie ein Büssing-NAG-Dreiachser wurden mit verschiedenen alten Anhängern kombiniert eingesetzt. Mit Gelegenheitsfahrten, bei denen meistens Baustoffe transportiert wurden, wagten die Brockerhoffs einen Neuanfang. Die Söhne von Paul Brockerhoff mit Namen Peter und Paul fuhren bereits fleißig mit. Ab Ende 1948 liefen die Fahrzeuge wieder vertraglich "Im Auftrage der Bundesbahn". Die ersten beiden Lastzüge wurden im Schienenersatzverkehr eingesetzt mit den Standorten Duisburg und Wanne-Eickel. Diese Verkehre endeten 1963. 1949 kamen zwei weitere Büssing-LKW sowie ein neuer Anhänger hinzu, die im DB-Fernverkehr eingesetzt wurden. Anfang der fünfziger Jahre lief das Geschäft so gut, das nacheinander mehrere Büssing 8000 angeschafft werden konnten. Der Fahrzeugbestand erhöhte sich bis Ende 1951 auf zehn Lastzüge. Acht davon wurden im Fernverkehr eingesetzt. Ab 1955 wurden auch Sattelzugmaschinen mit Tankaufliegern beschafft. Der Fahrzeugbestand erhöhte sich erneut. 1959 waren zehn Gliederzüge und zehn Tanklastzüge vorhanden.


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Sonntagsruhe: 8000er am Bahndamm

Paul Brockerhoff sen. hatte bereits 1941 in Duisburg-Neudorf an der Krautstrasse ein Grundstück gekauft. Dort sollte ein Wohnhaus mit Garagen und Werkstatt entstehen. Bedingt durch den Krieg wurden diese Pläne aber erst einmal zu den Akten gelegt. 1947 wurden die Pläne wieder ausgegraben und das Projekt realisiert. Zunächst wurde ein Einfamilienhaus auf das Grundstück gebaut. 1948 begann dann der Bau einer Fahrzeughalle, die 1951 fertiggestellt und bis zuletzt genutzt wurde. In den nächsten Jahren wurde der Hof von Mitarbeitern der Spedition betoniert; zwei Tankanlagen wurden eingebaut und das betrieblich genutzte Grundstück durch Zukäufe von Nachbarn nach und nach vergrößert. 1956 wurden die bis zum Verkauf der Spedition genutzten Büroräume in der Krautstrasse 52 bezogen. Eine neue Reparaturhalle mit Sozialräumen wurde 1964 fertiggestellt.


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Büssing LS 11 F mit Tankauflieger von Schmitz, Altenberge

1949 starb der Mitbegründer Peter Brockerhoff (senior). Hermann Brockerhoff, der zwanzig Jahre lang als Fahrer tätig gewesen war, wurde mit einem neuen Lastzug und einer Fernverkehrskonzession abgefunden und machte sich selbständig. 1950 wurde der Sitz der Firma von Düsseldorf-Kaiserswerth nach Duisburg verlegt. Gleichzeitig wurde die Firma in das Handelsregister eingetragen. Die bisherige Gesellschaft bürgerlichen Rechts wurde im gleichen Jahr in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt. Paul Brockerhoff sen. nahm die Söhne Paul, jun. und Peter Brockerhoff als Mitgesellschafter in die Firma. 1958 wurden deren Geschwister Gerda Spiekenheier, Herbert und Marlies Brockerhoff stille Gesellschafter.


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Büssing LU mit Aurepa Kofferaufbau

1955 wurde die erste Sattelzugmaschine gekauft, die mit einem Tankauflieger für die ESSO Heizöltransporte im Nahverkehr durchführte. Weitere Tankzüge folgten in den nächsten Jahren, so dass sich der Fahrzeugbestand erheblich vergrößerte. 1959 waren zehn Gliederzüge und zehn Tankzüge im Einsatz. Später wurden auch für andere Mineralölgesellschaften (hauptsächlich BP) und für andere Speditionen gefahren. Ab 1957 fuhr zunächst ein Tankzug im Fernverkehr. Es war vertraglich festgelegt, dass alle Fernfahrten über die Bundesbahn abgerechnet wurden. In den Nachkriegsjahren erhielt Brockerhoff insgesamt neun neue Konzessionen für den Fernverkehr. 1959 konnten durch den vorübergehenden Zusammenschluss mit einer Mönchengladbacher Firma zwei Fernverkehrskonzessionen hinzu gekauft werden. 1970 erhielt Brockerhoff eine Genehmigung für den Bezirksfernverkehr, so dass die Firma dann insgesamt über zwölf Konsessionen verfügen konnte. Es bestanden zwei Niederlassungen, seit 1958 die in Düsseldorf-Kaiserswerth und seit 1959 eine in Mönchenglachbach-Rheindahlen. 1958
wurde erstmalig ein Kofferzug gekauft und für die chemischen Werke Hüls eingesetzt. Der erste Planenauflieger, der übrigens ein Umbau aus einem Dreiachsanhänger war, kam ab 1961 zunächst nur gelegentlich zum Einsatz. 1966 begann die Umstellung der Zugmaschinen auf Daimler-Benz, 1973 wurde der erste Daimler-Benz Pritschen-LKW gekauft.


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Mercedes-Benz LPS 1624 mit Schmitz Tankauflieger

1973 wurde aus der oHG die Firma P. + P. Brockerhoff GmbH & Co. KG. Herbert Brockerhoff trat als Kommanditist ein. Sein Vater schied aus der Geschäftsleitung und der aktiven Mitarbeit aus. Die drei Brüder Herbert, Paul und Peter übernahmen die Geschäftsführung. 1978 wurde das 50-jährige Firmenjubiläum gefeiert. Eingesetzt wurden damals neun Gliederzüge, davon ein Kofferzug, fünfzehn Sattelzugmaschinen mit zwölf Tankaufliegern und drei Planenaufliegern. Die Belegschaft bestand aus 26 Fahrern, vier Monteuren und fünf Personen in der Verwaltung. Beim Fahrzeugeinsatz erfolgte in den Achtziger Jahren eine immer stärkere Verlagerung von Planen- zu Tankzügen und innerhalb der Tankzüge weg von Bitumen, Heizöl und Treibstoffen hin zu chemischen Produkten und Gefahrgütern. Der grenzüberschreitende Verkehr wurde immer stärker, besonders mit Nord-Frankreich und den Benelux-Staaten, aber auch mit Schweden und der DDR. Beim 60-jährigen Bestehen 1988 wurden sechs Planen-Gliederzüge, ein Planen-Sattelzug und fünfzehn Tanksattelzüge eingesetzt.


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MAN 19.372 U zu Beginn der Neunziger Jahre

Durch die Wirtschaftskrise Anfang der Neunziger Jahre und durch fehlende Nachfolger in der Inhaber-Familie entschlossen sich Herbert und Paul Brockerhoff zum Verkauf des Unternehmens. Nach erstem Kontakt 1993 einigten sich die Herren Ende 1994 mit dem holländischen Familienunternehmen Den Hartogh auf eine Übernahme von Material und Personal zum 01.03.1995. Das neue Unternehmen firmierte zunächst als Brockerhoff, den Hartogh & Co. GmbH. Herr Pieter den Hartogh wurde neuer Geschäftsführer. Alle blauen Fahrzeuge wurden schnell in rote Volvos umgetauscht. Die Auflieger wurden umgespritzt und die Gliederzüge nach einer Übergangszeit abgeschafft. Mitte 1996 wurde der komplette Betrieb umgesiedelt nach Duisburg-Neumühl auf das wesentlich größere Gelände der Friedrich Maas Spedition GmbH, die ebenfalls von der Den Hartogh-Gruppe übernommen worden war. Am 01.01.1998  stellte auch Brockerhoff, den Hartogh alle Aktivitäten ein. Belegschaft, Fahrer und Kunden wurden übernommen von der neuen Firma Den Hartogh, Int. Tanktransporte GmbH, wie sich die ehemalige Maas-Spedition jetzt nannte. An diesem Tag verschwand wieder eine der alt eingesessenen Speditionen endgültig von den deutschen Straßen. Zum Glück für uns hat Herbert Brockerhoff die Geschichte seiner Spedition dokumentiert und stellte uns eine Menge schöner und interessanter Fotos zur Verfügung.

Text:    Manfred Koch

Fotos:    Copyright Herbert Brockerhoff


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Brockerhoff-Fahrzeuge im Krieg Brockerhoff-Vomag 5 LR 648 als Fahrschulwagen Dreiachs-Vomag 8 LR 652 in den Dreißiger Jahren Brockerhoff-Vomag in Diensten der Militärs
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Günter Homes in seinem BS 16 Vomag der Spedition Brockerhoff unter Bäumen "Fernfahrer wie wir!" - 29.08.1937 Büssing 8000 im Schnee
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Mercedes-Benz Tankzüge ca. 1990 Scania LB 92 M MAN 19.362 FS zu Beginn der Neunziger Jahre MAN 19.372 U zu Beginn der Neunziger Jahre
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MAN 19.372 U und Mercedes NG zu Beginn der Neunziger Jahre Mercedes-Benz NG und SK zu Beginn der Neunziger Jahre Fuhrpark zu Beginn der Neunziger Jahre Fuhrpark zu Beginn der Neunziger Jahre
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Fuhrpark zu Beginn der Neunziger Jahre Mercedes-Benz LP 1735 SK MAN 19.372 U zu Beginn der Neunziger Jahre MAN 19.372 U zu Beginn der Neunziger Jahre
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Scania LB 113 M/360 zu Beginn der Neunziger Jahre Nach der Übernahme durch den Hartogh: rote Volvos an der Krautstrasse Farbwechsel: rote Volvos ersetzen die blauen MAN BS 16 Kofferzug 1983 in Altena (Foto Koch)