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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016







Lastwagen Veteranen






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Komfort aus Braunschweig

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mit Büssing & Sohn-Fahrerhaus - Büssing BS 16 L Koffer

Wie bei vielen LKW-Interessierten hat auch bei Henk Jan Mengerink aus dem niederländischen Eibergen die Begeisterung für „Vrachtwagen“ schon in früher Kindheit begonnen. Bereits im Alter von fünf Jahren entschloss er sich spontan, das Elternhaus zu verlassen und sich die LKW in der näheren Umgebung näher anzusehen. Der benachbarte Metzger konnte ihn mit einem Stück Wurst überreden, seinen Entschluss noch einmal zu überdenken. Er brachte ihn mit dem Lieferfahrrad im Fleischerkorb wieder zu den Eltern. Solche Vorkommnisse wiederholten sich in schöner Regelmäßigkeit in den folgenden Jahren. Gelegentlich nahmen ihn die Fahrer des elterlichen Baustoffhandels mit in den damals vorhandenen 90er Mercedes-Benz. Mit 16 Jahren ging es dann auch schon einmal mit einem Mercedes-Benz 1413 auf Fahrt, bei dem er hin und wieder auch einmal selbst das Steuer in die Hand nehmen durfte. Später übernahm er den Betrieb der Eltern und baute ihn zu einem leistungsfähigen, mittelständischen Handelsunternehmen aus. Wurden zunächst überwiegend LKW von Scania eingesetzt, so kamen später DAF und in den letzten Jahren MAN zum Einsatz. Die Logistik und der Fuhrpark waren natürlich immer die Sache von Henk Jan.


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Henk Jans Erstlingswerk - Scania-Vabis LS 76 mit Steinlader-Auflieger

Er hatte irgendwann die Idee, sich einen LKW aus den Anfängen wieder zu beschaffen und herzurichten. Seine Wahl fiel auf einen Scania-Vabis L 76, wie er früher vorhanden war. Das Fahrzeug hatte schon eine lange und bewegte Geschichte hinter sich, als es in Eibergen auf den Hof rollte. Ursprünglich war es als LS 76, also mit einer nicht angetriebenen Schleppachse über den deutschen Importeur Erdmann & Co. aus Hamburg an die Spedition Kube & Kubenz geliefert worden. Nach dem ersten Leben gelangte die Sattelzugmaschine in die Niederlande und landete dort schließlich bei einem Schrotthändler. Vor dem Schneidbrenner wurde der Hauber gerettet von einem Käufer, der ihn für Truck-Race-Veranstaltungen herrichtete und auch bei Rennen einsetzte. Nach einem Motorschaden übernahm ihn ein Hersteller von Sattelaufliegern. Der spendierte ihm ein neues Herz und lieferte mit ihm neue Auflieger aus. Danach gelangte er zu einer Straßenmeisterei, die auf das Fahrzeug eine große Warntafel baute, um auf Baustellen auf Autobahnen hinzuweisen. Irgendwann während der abwechslungsreichen Karriere des Scania wurde das ursprüngliche Standardfahrerhaus durch eine Kabine der Firma Mulder ersetzt, einer niederländischen Fahrzeug- und Karosseriebaufirma. Henk Jan Mengerink erwarb den immer noch LS 76 genannten Zweiachser im Jahr 1987 und zerlegte ihn zunächst einmal komplett. 1990 nahm er mit dem frisch restaurierten Fahrzeug erstmals an einer Veranstaltung teil. Er fuhr zum Truck Star Treffen nach Assen. Anschließend beschäftigte er sich mit dem passenden Auflieger. Im eigenen Betrieb waren auch früher schon Pritschenauflieger mit Rollkran eingesetzt worden, die von GS Meppel gebaut wurden. Einen solchen Auflieger baute er innerhalb eines Jahres auf. Dazu wurde neben einem Derks-Auflieger, der zu einem GS-Auflieger wurde fünf Krane beschafft und aus den Fragmenten eine funktionsfähige Ladehilfe rekonstruiert.


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war im ersten Leben ein Muldenkipper - Büssing Commodore SS in Exportausführung

Obwohl im eigenen Betrieb nie Fahrzeuge der Marke Büssing eingesetzt worden waren, faszinierten Henk Jan die großen Schnauzenwagen mit den markanten Chromspinnen schon immer. Schon als Kind fuhr er gerne mit dem Vater nach Bocholt, um dort die imposanten Büssing-Laster der Spedition Klein-Wiele anzusehen. Die Kultserie „Fernfahrer“, die in der ersten Hälfte der 1960er Jahre auch in den Niederlanden zu sehen war, vertiefte die Vorliebe für Büssing-LKW bei ihm noch weiter. Doch ein eigener Büssing blieb lange Zeit nur ein Traum. Doch manche Träume werden plötzlich wahr. Zufällig sah er, wie ein ihm bekannter Spediteur, der auch alte LKW sammelte, mit einem Tieflader aus Frankreich heim kam. Auf dem Auflieger stand ein Büssing Commodore SS in Exportausführung. Henk Jan verliebte sich ernsthaft in diese Sattelzugmaschine, die zuvor in einem Steinbruch in Frankreich eingesetzt worden war. Der 210 PS-Motor hatte gerade einmal 250.000 Kilometer geleistet. Allerdings war der Büssing vor einem Kippauflieger im Einsatz gewesen und hatte ständig schwere Brocken aus einem Bruch zum Brecher transportieren müssen. Die Gewichte, die er hatte befördern müssen, waren sicherlich enorm gewesen. Davon zeugten auch die an einigen Stellen gebrochenen Federpakete der 13 to-Hinterachse. Henk Jan konnte den Spediteur überreden, ihm das Fahrzeug zu überlassen und ein halbes Jahr später begann die Restaurierung. Die Spinne an der Front des Haubers war glücklicherweise noch komplett vorhanden. Auch sonst machte der Büssing, der nur einen Vorbesitzer hatte, einen noch recht guten Eindruck. Da es sich um die Exportausführung handelte, war die Kabine rundherum verglast und das Fahrzeug war komplett blattgefedert. Nach der Komplettrestaurierung bekam der schwere Büssing-Hauber einen Kögel Kofferauflieger spendiert, mit dem nun er seit einigen Jahren regelmäßig auf Treffen hauptsächlich in den Niederlanden zu sehen ist. Oft ist er gemeinsam mit dem Scania LS 76 mit dem Rolllader-Auflieger zu sehen.


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machte auch mit Apfelmosttanks eine gute Figur - Büssing BS 16 L in Friedrichshafen

Demnächst wird ein dritter LKW in den Farben des Bouw Center ECB, der Firma von Henk Jan Mengerink das Duo zum Trio machen. Seit einigen Monaten gehört ein restaurierter Büssing BS 16 L zum Fuhrpark. Bei dem mit einem 240 PS Unterflur-Motor ausgerüsteten LKW handelt es sich um eine Rarität, da das Fahrerhaus von der Braunschweiger Firma Büssing & Sohn in Holz-/Stahlbauweise erstellt worden ist. Bekannt sind von diesem noch mit der kompletten Büssing-Spinne versehenen Fahrzeug keine weiteren restaurierten Exemplare. Lediglich von der späteren Ausführung mit dem sparsamen Lametta an der Front sind die beiden Fahrzeuge einer Spedition aus Ladbergen bekannt. Das nun von Henk Jan restaurierte Fahrzeug wurde ursprünglich 1968 an die Spedition Ludwig Feist in Singen ausgeliefert. Der mit einem Pritsche/Plane-Aufbau versehene Fernlaster war mit einem passenden Dreiachsanhänger von da an regelmäßig zweimal wöchentlich auf der Strecke von Singen nach Wolfsburg im Einsatz. Nach rund sechs Jahren harten Fernverkehrseinsatz wurde der Lastzug verkauft an einen Betrieb in der Nähe von Friedrichshafen, der ihn zum Transport von Apfelmost einsetzte. Dazu wurden auf den Pritschen mehrere Edelstahltanks installiert. Mit dem „Tanklastzug“ wurden Fahrten im Umkreis von maximal 200 Kilometern um Friedrichshafen durchgeführt. Eingesetzt wurde der LKW jedoch nicht über das gesamte Jahr, sondern nur in der Saison, die von August bis Dezember dauerte. Irgendwann während der Apfelmostfahrten musste der defekte Unterflurmotor durch ein Austauschaggregat ersetzt werden. Nach vier Einsatzjahren bei der Getränkefirma wurde der LKW schließlich aus dem Fahrbetrieb genommen. Glücklicherweise erbarmte sich Rudi Dasen, selbstfahrender Unternehmer mit Wohnsitz in der Schweiz und Büssing-begeistert des seltenen Büssing. Doch zu einer Restaurierung kam es bei ihm nicht. 1991 verkaufte er den Unterflur-Laster an Arie Spaansen, der ihn restaurieren wollte. Doch Arie hatte kein Glück mit dem Fahrzeug. Zunächst gab es einen kleinen Brand im Fahrerhaus des Büssing. Der Schaden konnte behoben werden. Als jedoch später ein Balken auf das Fahrzeug fiel und das Fahrerhaus erneut erheblich beschädigte, hatte er die Lust an dem Unglückslaster verloren. Als Henk Jan sich um das Fahrzeug bemühte, trat Arie es gerne an ihn ab.


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Oldtimer-Trio - Scania-Vabis LS 76, Büssing BS 16 L und Büssing Commodore SS am 09.10.2010 in Beltrum

In Henk Jans Oldtimerhalle eingetroffen wurde gemeinsam mit den Kollegen Arnold v/d Visch, Wim Bentsink, Hemmie Scholten und Herman Smees die Restaurierung des LKW begonnen. Das Fahrerhaus, das aus einem Holzgerippe besteht, das mit Blech bespannt ist, wies an einigen Stellen statt des Holzes nur jede Menge Spachtelmasse oder Blech auf. Hier war in der Vergangenheit gehörig gefuscht worden. Also wurde die Kabine komplett demontiert und das Gerippe von einem Holzfachmann komplett neu aufgebaut. Die meisten Bleche wurden neu zugeschnitten, in Form gebracht und auf das Holz aufgebracht. Die Türen wurden komplett neu gebaut. Parallel dazu wurde der Motor überholt. Neue Büchsen, Lager und Kolbenringe waren nötig. Kraftstoff- und Ölpumpe wurden revidiert. Das ZF-Getriebe wurde komplett überholt. Während der letzten Jahre wurde konsequent an fast jedem Wochenende an dem Laster gearbeitet. Irgendwann stand er dann fast fertig vor den Restauratoren. Henk Jan hatte sich inzwischen Gedanken gemacht, welchen Aufbau er auf das Fahrgestell setzen wollte. Eine Pritsche, wie sie ursprünglich montiert war, kam für ihn nicht infrage. Er beschaffte einen Kofferaufbau des Herstellers Heiwo, der zum Baujahr des Fahrzeugs passte. Der Aufbau wurde auf einem Hilfsrahmen montiert und dem Büssing angepasst. Natürlich sollte nun noch ein passender Anhänger den Fernverkehrszug komplettieren. Henk Jan beschaffte zunächst einen zweiachsigen Kofferanhänger. Sein „Opa“ Franz (Lipperts), zu dem er nicht zuletzt wegen seiner Vorliebe für Büssing ein sehr gutes Verhältnis hatte, sagte ihm klipp und klar, dass ein Zweiachser hinter dem Büssing nicht aussah und forderte ihn auf, einen dreiachsigen Kofferanhänger zu beschaffen. Henk Jan hörte auf den Rat des väterlichen Freundes und kaufte schließlich einen im Jahr 1967 gebauten 24 to Ackermann Kofferanhänger, der bei einem Getränkehändler in Südlohn überlebt hatte. Der Aufbau des Anhängers war so schlecht, dass er sofort entsorgt wurde. Lediglich das Fahrgestell sowie die Achsen, Bremsen und die Anhängertriangel wurden aufgearbeitet. Im Anschluss daran wurde ein neuer Koffer auf das Fahrgestell gebaut. Verwendet wurden dazu Heiwo-Profile, die denen des Aufbaus am Motorwagen entsprachen. Die abschließende Lackierung des kompletten Lastzugs und die Montage der neu erstellten Inneneinrichtung der Fahrerkabine waren dann die letzten Arbeiten, die durchgeführt werden mussten. Heute steht ein erstklassig restaurierter Büssing BS 16 L mit Komfortfahrerhaus der Firma Büssing & Sohn in der Fahrzeughalle von Henk Jan Mengerink. Wer den Büssing, aber auch die beiden anderen Veteranen von Henk Jan einmal sehen möchte, der hat während einer der Veranstaltungen in diesem Jahr Gelegenheit dazu. Mehr Informationen gibt es übrigens auf www.oldtransport.nl. Wer den Büssing BS 16 L einmal persönlich in Augenschein nehmen möchte, der ist jederzeit gerne bei Henk Jan Mengerink willkommen.


Nachtrag: die obigen Informationen stammen aus dem Jahr 2000. 2016 wurde der BS 16 L in einer Fachzeitschrift zum Kauf angeboten. Was aus ihm geworden ist, ist mir nicht bekannt.

Fotos:    Archiv Henk Jan Mengerink, Manfred Koch
Text:    Manfred Koch
  


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Büssing BS 16 L während seines zweiten Lebens als "Tanklastzug" in Friedrichshafen Abtransport in die Schweiz - Hans-Rudi Dasen erbarmte sich zunächst des Büssing Büssing BS 16 L während seines zweiten Lebens als "Tanklastzug" in Friedrichshafen Büssing BS 16 L während seines zweiten Lebens als "Tanklastzug" in Friedrichshafen
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Abtransport in die Schweiz - Hans-Rudi Dasen erbarmte sich zunächst des Büssing Abtransport in die Schweiz - Hans-Rudi Dasen erbarmte sich zunächst des Büssing während der Restaurierung des BS 16 - die Türen wurden komplett neu angefertigt ganze Arbeit - die Wiederherstellung des Büssing & Sohn-Fahrerhauses
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Restaurierung des BS 16 L Restaurierung des BS 16 L ein imposantes Gespann - BS 16 L in holländischer Optik mit Kofferaufbau aus Heiwo-Profilen - Büssing BS 16 L in der Seitenansicht
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Wim Bentsink vor dem Büssing BS 16 L-240 mit Büssing & Sohn-Fahrerhaus Henk Jan Mengerink vor dem Büssing BS 16 L-240 mit Büssing & Sohn-Fahrerhaus stilvolle Unterbringung - Büssing BS 16 L in der Oldtimer-Garage stilvolle Unterbringung - Büssing BS 16 L in der Oldtimer-Garage
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passend für einen Baustoffhändler - GS-Hiab Steinlader-Auflieger auf Scania-Vabis LS 76 Scania L 141 am 22.06.2013 in Holten Henk Jans Erstlingswerk - Scania-Vabis LS 76 mit Steinlader-Auflieger