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Für Träumer und Individualisten - Uwe Zimmermanns Mercedes-Benz O 321 H

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2007 fertiggestellt - Mercedes-Benz O 321 H von Uwe Zimmermann

Mittlerweile gibt es in Deutschland eine stattliche Anzahl von restaurierten Omnibussen. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Reisebusse. Sie stehen in den Hallen von Busunternehmern, die mit ihnen die Tradition der Unternehmen dokumentieren und die Fahrzeuge z. T. auch noch zu besonderen Anlässen einsetzen. Selten befinden sich Busse in Privatbesitz. Eine solche Ausnahme ist der Mercedes-Benz O 321 H von Uwe Zimmermann aus dem saarländischen St. Wendel, dessen Restaurierung 2007 abgeschlossen wurde.


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Erstbesitzer Bundeswehr - Uwe Zimmermanns O 321 H am 12.09.2010 in Hillesheim

Die Konsequenz, mit der Uwe Zimmermann die Restaurierung seines Reisebusses durchführte, ist beachtlich und erwähnenswert. Innerhalb von drei Jahren verwandelte er den abgehalfterten ehemaligen Bundeswehrbus in einen ansehnlichen Reisebus, der bei Veranstaltungen stets positiv auffällt und gerne für die unterschiedlichsten Anlässe angemietet wird. Bei dem Restaurationsobjekt handelt es sich um ein 1961 gebautes Exemplar, das am 05.02.1962 bei der Bundeswehr in olivgrüner Farbe und mit einfachster Ausstattung zugelassen wurde. Im Heck des Frontlenkers arbeitet ein 6 Zylinder Vorkammer-Dieselmotor des Typs OM 321 mit einem Hubraum von 5,2 Litern. Die Leistung von 110 PS des stehend im Heck eingebauten Motors reichte für damalige Verhältnisse vollkommen aus. Das Vorgängermodell, der O 3500 musste noch mit 90 bzw. 100 PS auskommen. Zimmermanns Exemplar verblieb bis 1975 in Diensten von Y-Tours, dem größten deutschen Anbieter von Abenteuer-Reisen. Danach wurde er an die Deutsche Bundesbahn abgegeben und zum „So Kfz Bautruppwagen“ umgeschrieben. Weitere zehn Jahre später ging er erstmals in private Hände und wurde zum Wohnmobil umfunktioniert. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel gelangte er 2004 endlich in die Hände von Zimmermann.


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einsteigen und losfahren - O 321 H am 12.09.2010 in Birgel

Wie kommt jedoch ein gelernter Architekt, der im Denkmalschutz tätig ist und beruflich mit Bussen oder der Fahrzeugaufarbeitung nichts zu tun hat, auf den Gedanken, einen Reisebus zu restaurieren? Zimmermann erklärt das mit seiner Liebe zu Oldtimerfahrzeugen und einem bereits in frühen Jahren sehr ausgeprägten technischen Interesse. Schon mit 14 Jahren nahm er den ersten Motor auseinander, um zu sehen, wie er funktioniert. Seit seinem 18. Lebensjahr sammelte er englische Motorräder und kam dann über historische PKW zu alten Nutzfahrzeugen. 2002 erstand er mit einen Mercedes-Benz O 319 einen kleinen Reisebus, den er mit seinen bescheidenen Mitteln wieder herrichtete. Sein Bestreben, nach der Fertigstellung des Kleinbusses einen weiteren und dann natürlich größeren Bus zu besitzen, ist typisch menschlich. Sein Wunschbus war ein O 321 H, den er sehr offensiv über Anzeigen etc. suchte. 2004 wurde er fündig, nachdem er bereits 2002 Kontakt zum Anbieter seines Busses gehabt hatte. Damals war er aber noch unschlüssig und sah sich noch weitere Modelle an, die aber alle für ihn unbrauchbar waren. Er nahm dann noch einmal Kontakt mit dem damaligen Besitzer seines Busses auf und kaufte ihn schließlich, obwohl er in einem sehr schlechten Zustand war. Es fehlten diverse Teile, wie z. B. die komplette Bestuhlung und viele Details der Inneneinrichtung. Das verwundert nicht, setzte der letzte Besitzer das Fahrzeug doch als rollenden und begehbaren Flohmarktstand ein. Die Karosserie des Busses war total verrostet. Die Technik schien jedoch noch in einem guten Zustand zu sein. Die Laufleistung betrug vermutlich erst rund 120.000 km, so dass Uwe Zimmermann sich nach einer positiv verlaufenen Probefahrt zum Kauf des Fahrzeugs entschloss. Bedingung für den Kauf war allerdings, dass der Vorbesitzer den Bus in St. Wendel anliefern musste. Am Tag nach dem Kauf machte sich der Verkäufer vom Ruhrgebiet aus auf den Weg ins Saarland und lieferte den Bus dort an.


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Bestuhlung aus einem O 302 - der komplett restaurierte Fahrgastraum

Nachdem der O 321 H im St. Wendeler Ortsteil Remmesweiler angekommen war, begann Uwe Zimmermann alsbald mit den umfangreichen Restaurierungsarbeiten. Auf seinem Anwesen baute  er zunächst einen passenden Unterstand auf ein bereits vorhandenes Fundament. Danach ging er daran, den Bus zu demontieren, zu entrosten und fehlerhafte oder fehlende Teile zu ersetzen. Teile des Gerippes wurden von ihm ausgetauscht und die Bleche der Außenhaut erneuert. Für ihn war das Bearbeiten von Blechen in diesen Dimensionen eine neue Erfahrung. Er hatte jedoch irgendwann einmal gelesen, dass Blech sich wie Kuchenteig formen lässt. So schwer konnte das also doch nicht sein. Zunächst kaufte er eine gebrauchte Kantbank sowie eine Sickenmaschine und machte sich mit diesen für ihn bisher unbekannten Maschinen vertraut. Bald hatte er den Bogen heraus und baute den Bus komplett neu auf. Vorteilhaft war dabei seiner Meinung nach die Tatsache, dass am Bus hauptsächlich relativ gerade Flächen vorkommen. Verbaut wurden etliche Quadratmeter verzinktes, 1 mm starkes Blech. Der Bus war bei der Bundeswehr ohne Dachrandverglasung eingesetzt worden. Beim Entfernen der Dachbeplankung stellte Zimmermann fest, dass darunter die Öffnungen für die Scheiben der Dachrandverglasung vorhanden waren und er nur noch Scheiben einsetzen musste. Die Technik ließ er nahezu unberührt. Der Motor wurde gereinigt und neu lackiert. Die Einspritzpumpe wurde überholt und arbeitet wieder einwandfrei. Bei den Lackierarbeiten vertraute er auf die Dienstleistung eines Fachbetriebs. Schwierig war die Beschaffung der Inneneinrichtung. Ersatzteile für seinen O 321 H hat Zimmermann überall in Deutschland und Europa besorgt. So stammen die Fenstergummis aus der Schweiz und die Radkappen aus Luxemburg. Andere Teile stammen von Märkten in Holland. Zimmermann hat manchen Teilemarkt besucht. Geholfen hat ihm aber auch das Internet. Dort ist es heute möglich, sich über Foren auszutauschen und Suchanzeigen aufzugeben. Da viele ehemalige Reisebusse zu Wohnmobilen umfunktioniert wurden, ist es heute einfacher, einen kompletten Bus zu finden als eine Bestuhlung. Bei der Beschaffung der Sitze half ihm dann aber das Schicksal. Ein Bekannter besaß noch die Bestuhlung aus dem geschlachteten Mercedes-Benz O 302 seines Vaters. Die überließ er Uwe. Das Aufpolstern der Sitze wurde dann wieder einem Fachmann überlassen.


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kann sich sehen lassen - Uwe Zimmermanns O 321 H

Uwe Zimmermann hat konsequent über einen Zeitraum von ungefähr drei Jahren etwa 20 Stunden pro Woche an dem Bus gearbeitet. Sein Kraftakt, aber auch die Geduld und das Verständnis seiner Familie verdienen Anerkennung und Respekt. Im Jahr 2007 konnte der Bus fertig gestellt werden. Parallel dazu musste er sich schon einmal Gedanken machen, wie er das Fahrzeug nutzen würde. Einen Reisebus nur zum Hobby zu unterhalten erschien ihm zu aufwändig und teuer. Der Bus sollte auch einen Teil der entstandenen und laufend entstehenden Kosten wieder einfahren. So entschied er sich, den Bus anzubieten für Hochzeitsfahrten, Betriebsausflüge, Ausflugsfahrten etc. Doch dazu mussten erst einmal einige Voraussetzungen geschaffen werden. Den Bus-Führerschein zu erwerben, war eine leichte aber auch sehr kostenintensive Angelegenheit. Zusätzlich musste er ein Gewerbe anmelden, seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen sowie eine EU-Lizenz erwerben. Die war nötig, da er grenznah ansässig ist und auch schon einmal mit einer Reisegruppe nach Frankreich fahren wollte.


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Heckmotor - 110 PS leistet der OM 321 im historischen Reisebus

Seit 2007 steht der 9,23 Meter lange Reisebus nun für „Träumer und Individualisten“ zur Verfügung, wie es in Zimmermanns Prospekt steht. Und der Veteran kommt an. Regelmäßig ist Uwe Zimmermann mit den unterschiedlichsten Reisegruppen unterwegs und bietet seinen Fahrgästen ein Fahrerlebnis wie vor 50 Jahren. Wer den historischen Reisebus anmieten möchte, der findet dazu weitere Informationen auf den Internetseiten www.kraftomnibusse-zimmermann.de und http://oldtimerbus-mieten.eu.
In gedruckter Version gibt es die Geschichte über Uwe Zimmermanns O 321 H auch in der Ausgabe 2/2010 der Zeitschrift "Fahrtenschreiber".

Text: Manfred Koch
Fotos: Archiv Zimmermann und Manfred Koch


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