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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016







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Alt-68er

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Timos Krupp AK 360 in seinem Element

Die Sammelleidenschaft von Timo Pistorius aus dem Westerwald ist allgemein bekannt. In der Vergangenheit hat er immer wieder durch spektakuläre Neuerwerbungen, aber auch gelungene Restaurationen von sich reden gemacht. Schon zu Beginn seiner Begeisterung für alte Laster träumte er nicht nur von den berühmten Krupp-Kippern mit Zweitakt-Dieselmotoren, sondern auch von den Nachfolgemodellen mit Cummins-Motoren. Solch einen Krupp wollte er irgendwann auch einmal restaurieren und fahren. So sammelte er auf seinen ausführlichen Erkundungszügen über diverse Teilemärkte schon einmal fleißig Blech- und Restaurationsteile für den Tag X.


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Wie einst im Jahre 1968 - frisch restaurierter Krupp Dreiachser

In der Familie Pistorius ist Timo nicht der Einzige, der sich für altes Blech interessiert. Neben seinem Vater Kurt war auch sein Onkel schon sehr früh vom Dieselbazillus infiziert worden. Der Onkel hatte bereits 1986 ein schon angefressenes Exemplar der Spezies Krupp AK 360 vor der Grießheim-Säge und damit vor der endgültigen Verschrottung gerettet und die traurigen Reste in seinem Garten abgestellt. Zu einer Wiederbelebung ist es bei ihm aber nie gekommen. 1993 konnte Timo seine Verwandtschaft davon überzeugen, dass das Fahrzeug bei ihm besser aufgehoben sei als im Garten zu Blumenerde zu kompostieren. Bei dem überlebenden Exemplar handelt es sich um einen der letzten Krupp AK 360 mit 210 PS V6 Motor, der in Essen vom Band gelaufen ist. Der noch vorhandene Brief weist den 01.08.1968 als Erstzulassungsdatum aus. Zu diesem Zeitpunkt war die Produktionseinstellung und Abwicklung durch die neuen schwäbischen Eigner schon in vollem Gange.


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So hart wie in seinem ersten Leben wird der AK 360 heute nicht mehr rangenommen

Das Fahrzeug wurde damals von einem Frankfurter Fuhrunternehmen erworben und hat in den Folgejahren erheblich beim Bau des Frankfurter Flughafens mitgewirkt. Der Krupp musste in dieser Zeit sehr hart arbeiten. Im abgeschlossenen Flughafengelände ist er sicher häufig mit weitaus mehr als den erlaubten 12 Tonnen Nutzlast unterwegs gewesen, denn bereits im Jahre 1976 war er so aufgebraucht, dass er stillgelegt wurde. In einer Ecke des Betriebshofs wurde er abgestellt und sein Schicksal als Teileträger und Kinder-Abenteuerspielplatz war damit besiegelt. 10 Jahre später beschloss der Unternehmer, ihn endgültig dem Recycling-Kreislauf zuzuführen. Nachdem schon einige lebenswichtige Komponenten und Karosserieteile auf Nimmerwiedersehen verschwunden waren, konnte Timos Onkel dem schändlichen Treiben ein Ende bereiten und den arg zerfledderten Krupp zu sich nehmen. Gut sieben Jahre lang musste das Krupp-Wrack dort auf seinen endgültigen Retter aus dem Westerwald warten.


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Die Meiller-Kippbrücke wurde von Heinz Kempf wieder in Form gebracht

Die meisten Sammler und Restauratoren hätten beim Anblick des nur noch teilweise vorhandenen Fahrzeuges traurig abgewunken. Timo ging jedoch vor seinem geistigen Auge die in jahrelanger Kleinarbeit gesammelten Ersatzteilbestände seines Lagers durch und sah eine realistische Chance, den Kipper wieder zu komplettieren. In den nächsten Jahren verbrachten Timo und sein Vater Kurt dann die eine oder andere Stunde auf, unter und im Krupp und mussten hierbei so manche Herausforderung annehmen. So besteht die druckluftunterstützte Hydraulische Bremsanlage des AK 360 aus sage und schreibe acht Radbremszylindern und zwei Hauptbremszylindern (an der Vorderachse pro Seite zwei und an der Hinterachse einen pro Rad). Diese mussten natürlich alle wieder aufbereitet werden. Die einzigen Bauteile, die nicht übermäßig bearbeitet werden mussten, waren das Getriebe mit der Vorschaltgruppe sowie der kurz vor der Stillegung noch gewechselte Werkstauschmotor. Diese waren nach dem üblichen Wechsel der Öle und Austausch diverser Dichtungen und Leitungen noch funktionsfähig. 


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Hoher Spassfaktor - mit Allrad durch den Steinbruch in Enspel

Sandstrahlarbeiten und der Wiederaufbau der Meiller-Kippbrücke mit Holzbordwänden und Stahlrückwand wurden durch den Reparatur-Betrieb von Heinz Kempf in Bad Marienberg erledigt. Aufbau und Lackierung des Fahrerhauses erledigte wie bei dem 2004 restaurierten Faun L 8 wieder Theo Eichenauer. Die auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftige aber letztendlich stimmige Lackierung entstammt der Erinnerung von Timo. Kipper in solchen oder ähnlichen Farben beobachtete der junge Timo als Schüler in den Westerwälder Basalt- und Schottergruben und blieben so in seinem LKW-Gedächtnis bis heute hängen. Wobei er sich auch nicht ganz sicher ist, ob nicht doch die original Farbe unter der anthrazitschwarzen Staubschicht des Westerwälder Basalts eine andere war. Auf jeden Fall darf der nun restaurierte Krupp sich bei schönem Wetter darauf freuen, von Timo durch die alten stillgelegten Basaltgruben chauffiert zu werden und auch mal mit einer Spaßfuhre Schotter so zu tun, als sei er wieder zum Flughafen Frankfurt unterwegs, um dort den alten Propellermaschinen eine ordentliche Landebahn zu unterbauen. 

Text: Florian Dasenbrock
Fotos: Florian Dasenbrock


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