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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016












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Wollis Brot- und Butter-Laster

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Wolli in seinem Element: Kistenverladung im Hamburger Hafen

Beim Hafentreffen im Jahr 2005 in Hamburg fand der damals frisch restaurierte Mercedes-Benz LP 328 von Rolf Lerch aus der Hansestadt viel Beachtung. Der damals noch ohne Spriegel und Plane vorgestellte Frontlenker glänzte durch Schlichtheit und eine Restaurierung, die das Fahrzeug in den Zustand versetzt hatte, wie es in den Sechziger und Siebziger Jahren im Einsatz gewesen sein könnte. Wie kommt jemand dazu, ein solches Brot- und Butterauto zu restaurieren? Gab es keine 8000er Büssing oder 6600er Mercedes mehr?


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Wollis Frühwerk: Bevor er auf den Laster kam, restaurierte er diesen Dodge Sportsman B 100

Angefangen hatte die Begeisterung für ausgefallene Autos bei Rolf Lerch, der unter Freunden nur als Wolli bekannt ist, mit amerikanischen Vans. 1988 kaufte er einen Dodge Sportsman B 100. 1989 begann er mit der Restaurierung, indem er ihn total zerlegte. Anschließend wurde der Lieferwagen komplett neu aufgebaut und 1992 den Freunden vorgestellt. Doch in der „Amiszene“ im Norden der Republik war keine Bewegung mehr. Wolli orientierte sich um. Selbst jeden Tag als LKW-Fahrer unterwegs, interessierte er sich für alte Laster. 1999 besuchte er mit einigen Freunden das Treffen in Wörnitz und konnte sich dort sofort für einen Mercedes-Benz LK 312 mit Meiller-Dreiseitenkipper begeistern, den die Spedition Kick u. a. mit dorthin gebracht hatte. „Wir waren mal schnuppern bei den Oldtimer-LKW und haben uns schon einmal leicht einen ausgesucht“, erinnert sich Wolli an den Spätsommer 1999. Aus Spaß wurde Ernst. Mit den Kicks wurde er schnell handelseinig. „Gesehen, verhandelt, gekauft“, bringt Wolli die Geschehnisse an dem Wochenende auf den Punkt.


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Wie vor 40 Jahren: Mercedes-Benz LK 312 im Hamburger Hafen

Nachdem er den Kipper zu seiner Schrauberwerkstatt nach Burg in Ditmarschen gebracht hatte, machte er zunächst einmal eine Bestandsaufnahme. Unter dem Lack verbargen sich doch einige Schwachstellen, die gemacht werden mussten. In den nächsten Monaten demontierte er das Fahrerhaus und den kompletten Vorbau. Der Boden des Hauses wurde neu angefertigt und andere Holzteile wurden ausgebessert. Nachdem auch diverse marode Blechstücke ausgetauscht worden waren, konnte das Fahrerhaus wieder montiert werden. Die Pritsche wurde inzwischen im ursprünglichen grün lackiert. Auf diversen Treffen war er danach mit seinem LK 312 zu sehen.


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Vor der Vollendung: Die Pritsche wurde komplett neu gebaut

Zu dem 312er kam dann im Jahr 2002 noch ein weiteres Fahrzeug, der LP 328. Er fand den 110 PS starken Frontlenker bei einem Händler in Heide. Der Mercedes befand sich in einem relativ guten Zustand. 1963 vom Band gelaufen wurde er zunächst bei einer Tischlerei eingesetzt. Als Gebrauchtwagen gelangte er zur Werkfeuerwehr einer Raffinerie der Firma Elf in Speyer. Dort legte er naturgemäß nur wenige Kilometer zurück. Doch auch bei der Werkfeuerwehr war im Alter von fast vierzig Jahren das Ende gekommen. Wolli konnte die Technik komplett übernehmen. Der Austauschmotor hatte erst 150.000 km zurückgelegt. Die notwendigen Verschleißteile wurden ersetzt. Das Blech des Lasters war noch sehr gut beieinander. Lediglich die Kotflügelaufnahmen mussten erneuert werden. Der Aufbau und die Pritsche waren jedoch nicht mehr zu gebrauchen. Die Pritsche wurde komplett neu angefertigt. Nur die Stirnwand konnte übernommen werden. Zwei Jahre lang arbeitete Wolli in jeder freien Minute an dem Laster. Nachdem die Blecharbeiten abgeschlossen waren und auch die Pritsche fertig gestellt war, konnte der Mercedes lackiert werden. Er entschied sich für eine Zweifarblackierung, die es vor vierzig Jahren so oder so ähnlich gegeben haben könnte.


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Besitzerstolz: Wolli mit seinem Frontlenker

So wurde der LP 328 im September 2005 beim Hafentreffen vorgestellt. Erst später wurden eine passende Plane und das dazugehörige Spriegelgestell montiert. Die Plane ist mit dem Logo der Hamburger Spedition Bursped versehen. Auch die Türen zieren jetzt Logos der Spedition, die sich an den Kosten für die Beschaffung der Plane beteiligte. Wolli kann nun auswählen, mit welchem alten Laster er am Wochenende spazieren fährt oder mit welchem seiner beiden Sternträger er zum nächsten Treffen kommt. Er sollte also zufrieden sein mit seinem Fuhrpark. Doch in seiner Halle steht schon das nächste Restaurationsobjekt. Bei dem Mercedes-Benz Möbelwagen auf O 3500-Fahrgestell wird eine Restaurierung aber nicht so schnell durchgeführt werden können wie bei den beiden ersten Veteranen. Der komplette Vorbau des Lasters ist nur noch in Fragmenten vorhanden. Kotflügel und Kühlermaske existieren nicht mehr. Vielleicht gibt es ja einen Hobbykollegen, der die fehlenden Teile abzugeben hat. Wolli freut sich über jeden Hinweis. Den  Mercedes-Benz LK 312 mit dem Zweiseiten-Luftkipper will er übrigens abgeben. Hinweise und Gebote bitte an wolli3500@web.de

Text: Manfred Koch
Fotos:  Archiv Rolf Lerch, Manfred Koch
 


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Aufarbeitung des Dodge Sportsman B 100 Rückblick: Wolli mit Dodge vor 15 Jahren Keine halben Sachen: Restaurierung des LK 312 Der Zahn der Zeit: diverse Blechpartien mussten ersetzt werden
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Abgehoben: Das komplette Fahrerhaus wird mit Hilfe eines Gabelstaplers angehoben Ansichtssache: Begutachtung der Unterseite des 312er Fahrerhauses Verladen des Hauses Fachwerkhaus: die neu gefertigte Unterseite des Fahrerhauses
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Fachwerkhaus: die neu gefertigte Unterseite des Fahrerhauses Entkernt: das ale Holz wurde zuvor komplett entfernt Im neuen Lack: Pritsche mit Durchblick Unverkennbare Vergangenheit: LP 328 beim Eintreffen in Burg
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Gammelnester: die Kotflügelaufnahmen mussten am LP 328 erneuert werden Arbeitsplatz: Blick in das Innere des LP 328 während der Aufarbeitung Abgehoben: Demontage der alten Pritsche Fleissarbeit: Bau der neuen Pritsche
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Fleissarbeit: Bau der neuen Pritsche Fleissarbeit: Bau der neuen Pritsche Lackierfertig: LP 328 vor dem Transport zum Lackierer Transport mit dem Dienstwagen: Den LP 328 holte Wolli mit dem Laster seines Chefs vom Lackierer ab
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Fast fertig: die neue Pritsche ist montiert Vorsicht frisch lackiert: LP 328 vor der Montage der Pritsche Finanzhilfe: Bursped steuerte die Plane bei und wurde auf den Türen verewigt Wie neu: erster Fototermin mit Plane
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Versuchsanhängsel: der kleine Pritschenanhänger passt noch nicht wirklich Wie neu: erster Fototermin mit Plane Fertig: der sauber restaurierte LP 328 am 23.04.2006 in Burg Wie vor 40 Jahren: LP 328 fertig zur Abfahrt
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Wie vor 40 Jahren: LP 328 fertig zur Abfahrt Wie vor 40 Jahren: LP 328 fertig zur Abfahrt stimmiges Bild: Aufbau und Plane präsentieren sich wie beim Neufahrzeug 1963 ohne Genehmigung lief nichts: vorbildgerechtes Konzessionsschild
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Das waren noch Lenkräder: Wollis historischer Arbeitsplatz Das waren noch Lenkräder: Wollis historischer Arbeitsplatz Fertig: der sauber restaurierte LP 328 am 23.04.2006 in Burg Fertig: der sauber restaurierte LP 328 am 23.04.2006 in Burg
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Fertig: der sauber restaurierte LP 328 am 23.04.2006 in Burg Fertig: der sauber restaurierte LP 328 am 23.04.2006 in Burg Hafentreffen 2005: Kistenverladung in Hamburg Zukunftsprojekt: Mercedes-Benz O 3500 Möbelwagen
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Saubere Arbeit: Beschriftung der Beifahrertür Blick in das Fahrerhaus des restaurierten LP 328 Saubere Arbeit: Beschriftung der Beifahrertür Wie vor 40 Jahren: LP 328 fertig zur Abfahrt