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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016












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Magirus im Doppelpack

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Mit Stromaggregat - so fand Hans-Günter Diederich den 120 AK

Viele Freunde alter Nutzfahrzeuge erinnern sich noch genau an Szenen aus ihrer Kindheit, in denen der LKW eine Rolle spielte. Der eine hat in der Nachbarschaft einer großen Spedition gewohnt und wurde dort unmerklich vom Laster-Bazillus befallen. Der andere ist jahrelang mit einem bestimmten Bus zur Schule gefahren und muss nun unbedingt einen solches Fahrzeug besitzen und es restaurieren. In den Kindheitserinnerungen von Hans-Günter Diederich aus der Eifel müssen Magirus-Kipper eine große Rolle gespielt haben. Sie haben ihn bis heute nicht losgelassen.


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wieder mit Kipperbrücke - der restauriete Mercur 120 AK am 9. September 2006 in Hillesheim

Im März 2003 fand er im Internet eher zufällig einen Magirus-Deutz Mercur 120 AK, der ihn an seine Kindheit erinnerte. Der angebotene LKW war 1959 gebaut und zunächst als Kipper eingesetzt worden. Bereits in den Sechziger Jahren wurde er umgebaut und bekam ein Notstromaggregat aufgesetzt. Das 5,5 Tonnen schwere Aggregat wurde von einem separaten 8 Zylinder-Deutz-Motor angetrieben. Bis Mitte der Neunziger Jahre wurde der Mercur so auf dem Frankfurter Flughafen als Notstromfahrzeug eingesetzt. Nachdem Herr Diederich sich mit dem Verkäufer geeinigt hatte, überführte er den LKW auf eigener Achse in die Eifel. Bevor die umfangreichen Umbauarbeiten an dem Fahrzeug beginnen konnten, inserierte er den Generator im Internet. Dort fand sich sehr schnell ein neuer Besitzer, der den Stromgenerator in Richtung Afrika exportierte. Nachdem der Generator mit Hilfe eines Krans abgehoben worden war, konnten die weiteren Überlegungen und Planungen zur Restaurierung beginnen.


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Blick aus dem Fenster - so sieht Diederich den Allrad-Magirus täglich vor seiner Haustür

Beim Umbau des Fahrzeugs 1966 von einem Kipper zum Notstromfahrzeug wurden umfangreiche Arbeiten am Fahrgestell durchgeführt, wie z. B. die Versetzung der Hinterachse. Der Kipperradstand von 3,7 Meter war auf 4 Meter verlängert worden. Als erste Maßnahme wurde die Achse wieder in die ursprüngliche Position gebracht, so dass der originale Radstand wieder hergestellt war. Im Anschluss daran begannen die Arbeiten am Fahrerhaus. Um den Rost auch an schlecht zugänglichen Stellen entfernen zu können, wurde kurzerhand die komplette Kabine demontiert und gesandstrahlt. Danach konnten die eigentlichen Blecharbeiten in Angriff genommen werden. Parallel dazu wurden die Anbauteile des Fahrgestells demontiert und ebenfalls gesandstrahlt. Nachdem das Fahrgestell sowie das Fahrerhaus wieder grundiert waren, stand Hans-Günter Diederich vor der Herausforderung, den ursprünglichen Lack wieder zu besorgen. Das Fahrzeug war 1959 vom Werk aus mit dem Farbton „Magirus M5“ lackiert worden.


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im Originalfarbton: Magirus-Deutz Mercur 120 AK in Hillesheim

Hier stellte sich sehr schnell heraus, dass eine genaue Rekonstruktion des Farbtons, auch mit Hilfe den Kollegen von Oldtimer Club Magirus Deutz, nicht möglich war. Deshalb wurde anhand von vielen Farbkarten ein vergleichbarer Ton des ursprünglichen „M5“ ermittelt, so dass dann die Lackierarbeiten beginnen konnten. Nachdem das Fahrgestell und die „Hütte“ wieder lackiert waren, folgte die so genannte Hochzeit. Parallel zu diesen Arbeiten wurde Ausschau nach einem brauchbaren Kipperaufbau gehalten. Eine Anzeige in einer Oldtimerzeitschrift beendete die Suche. Er konnte einen kompletten Ersatzteilträger gleichen Typs vom Baujahr 1958 erwerben, der jedoch keine Kabine mehr besaß. Das Fahrzeug und die Kipperbrücke waren nach langem Einsatzleben und im darauf folgenden internen Einsatz in einer Kiesgrube noch mehr als überholungsbedürftig, stellten aber grundsätzlich eine gute Basis für einen Neuaufbau dar. Im Winter 2004 wurde die Kipperbrücke komplett neu aufgebaut und konnte im Frühjahr 2005 auf das Fahrgestell montiert werden konnte. Die Premiere und der erste öffentliche Auftritt des 120 AK fand beim LKW-Oldtimertreffen in Hillesheim im September 2004 statt.


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Nachbar Felix zog den 230 D 16 K mit seinem Allrad-Eicher aus dem Dornröschenschlaf

Bei der Suche nach einer Kipperbrücke entdeckte er im Sommer 2003 rein zufällig seinen zweiten Magirus-Kipper, einen 230 D 16 K. Während einer Sonntagsfahrt mit der Familie sah er einen LKW, der in einem kleinen Eifeldorf vorwärts in einer engen Hofeinfahrt abgestellt war. Das Fahrzeug war beim ersten Blick nur von hinten zu begutachten, da sich allerlei Hecken und Sträucher in den vergangenen acht Jahren über das Fahrerhaus und die Kipperbrücke breit gemacht hatten. In tiefster Gangart konnte er zum Fahrerhaus vordringen und einen Blick ins Innere werfen. Dort hatten sich viele Bewohner verschiedenster Kleintierarten ein Zuhause eingerichtet. Die Kabine befand sich in einem sehr miserablen Zustand. Trotzdem war sein Interesse geweckt, die Herausforderung der Restaurierung des Fahrzeugs anzunehmen. Nachdem er den Eigentümer ausfindig gemacht hatte, waren sich die beiden über die Verkaufbedingungen relativ schnell einig. Kurzfristig begannen die Vorbereitungen, das Fahrzeug aus seinem jahrelangen Versteck zu befreien.


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In Wartestellung: bis zum Abschluss der Arbeiten am Mercur musste der 230 D 16 K rund 14 Monate warten

Felix, ein ehemaliger Landwirt aus der Nachbarschaft half ihm mit seinem Allrad Eicher, das gute Stück aus dem Versteck herauszuziehen. Die Bremsen des Fahrzeugs waren auch nach achtjähriger Standzeit nicht fest gerostet. Das Motoröl des Magirus wurde kontrolliert und der Keilriemen des Kompressors erneuert. Nach dem Motorcheck musste Felix mit seinem Eicher wieder ran, um den 8 Zylinder aus seinem Schlaf zu wecken. Ein kurzes Anziehen war erforderlich, bevor der Motor wieder die ersten Töne von sich gab. Danach stand einer Überführung per Achse nichts mehr im Wege. Zuhause angekommen erfolgte eine Reinigung von außen sowie im Innern des Fahrerhauses. Außerdem wurden die Grünabfälle der letzten Jahre von der Kipperpritsche entfernt. Da zur gleichen Zeit die Restaurierung des 120 AK im vollen Gange war, musste der 230er für die nächsten vierzehn Monate erst einmal untergestellt werden.


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Hochzeit - Aufsetzen des lackierten Fahrerhauses auf das Fahrgestell

Im November 2004 wagte Diederich sich an die Restaurierung des Fahrzeugs. Nach der Demontage und dem anschließendem Sandstrahlen von Kotflügeln, Haube, Türen, Kipperbrücke und der Kabine konnte er sich ein Bild vom zu erwartenden Aufwand machen. Während sich in der Eifel Eis und Schnee breit machten, konnte er die Schweißarbeiten an den oben genannten Teilen durchführen. Das Fahrzeug konnte ursprünglich mit einem Heckkran ausgestattet werden. Hierzu wurde in der „aktiven“ Dienstzeit des LKW der Hilfsrahmen umgebaut. Während der Restaurierung wurde der Hilfsrahmen wieder in den ursprünglichen Zustand zurückgebaut. Im Frühjahr wurden Fahrgestell, Hilfsrahmen und Kabine einschließlich sämtlicher Anbauteile lackiert. Hier wurde besonders Wert darauf gelegt, dass ein originaler Farbton aus den Magirus Farbpalette gewählt wurde. Nachdem die Kabine und die dazugehörenden Anbauteile moniert waren, konnte er sich die Kipperbrücke vornehmen. Sie befand sich bis auf den schlechten Holzboden in einem relativ ordentlichen Zustand, so dass sich der Aufwand im Verhältnis zur Kabine in Grenzen hielt. 


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So müssen Kipper aussehen - der Magirus-Deutz 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim

Der erste öffentliche Auftritt des Fahrzeugs erfolgte beim Truck Grand Prix 2005 auf dem Nürburgring. Seitdem sind beide Magirus Kipper auf dem ein oder anderen Treffen zu sehen. Sie fallen dadurch auf, das sie nicht im staubfreien Bereich am Eingang des Steinbruchs abgestellt werden und als Pseudo-Wohnmobil herhalten müssen, sondern auch einmal eine Ladung Kies oder Sand laden und durch die Grube fahren – wie in alten Zeiten.

Text:  Hans-Günter Diederich/Manfred Koch
Fotos:  Hans-Günter Diederich/Florian Dasenbrock


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Mit verlängertem Radstand - der Mercur als Notstromaggregat am Frankfurter Flughafen auffällig unauffällig - der Mercur in Hillesheim optimal restauriert - Mercur von 1959 mit hohem Spassfaktor - Mercur in der Grube von Hillesheim
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traut sich in den Dreck - Hans-Günter Diederich ist mit seinem Mecur 120 AK ein gern gesehener Gast in diversen Sand- und Kiesgruben fotogen - Magirus-Deutz Mercur 120 AK Kindheitstraum erfüllt - mittlerweile steht der Mercur 120 AK auf dem Grundstück von Hans-Günter Diederich zugewachsen - der Magirus-Deutz 230 D 16 K wuchs acht Jahre lang zu
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vor der Restaurierung - die Rückwand des Fahrerhauses des 120er vor der Restaurierung - Innenansicht der Rückwand des 230er Fahrerhauses Gestrahlt - das Fahrerhaus des 230er gestrahlt - das Fahrerhaus vor dem Wiederaufbau
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Lochblech - auch die Kotflügel erforderten viel Arbeit Wiederaufbau - die lackierte Kipperbrücke Bruderhilfe - der Mercur transportiert das Fahrerhaus des 230 D 16 K erste gemeinsame Vorstellung - die beiden Magirus Kipper beim Truck Grandprix 2005
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Spielzeuge für Erwachsene - die beiden Kipper am 09.09.2006 im Sandkasten von Hillesheim Magirus im Doppelpack - die beiden Diederich-Kipper beim Treffen in Hillesheim Magirus im Doppelpack - die beiden Diederich-Kipper beim Treffen in Hillesheim heimischer Stellplatz - nun hat auch der 230 D 16 K seinen Abstellplatz auf dem Grundstück von Hans-Günter Diederich
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230 D 16 K im Einsatz - Sandkastenspiele in Herschbach zwei Generationen - Iveco 260-34 und Magirus-Deutz 230 D 16 K fremdes Terrain - Magirus-Deutz 230 D 16 K auf dem Nürburgring fremdes Terrain - Magirus-Deutz 230 D 16 K auf dem Nürburgring
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gern gesehener Gast bei Kippertreffen - Magirus-Deutz 230 D 16 K beim Beladen eingespieltes Team - Hanomag B 8 belädt Magirus-Deutz 230 D 16 K Baubulle - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim starker Auftritt - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim
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fotogen - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim hoher Spassfaktor - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim Arbeitstier - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim keine Angst vor Ladung - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim
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keine Angst vor Ladung - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim heftig unterwegs - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim keine Angst vor Ladung - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim breit und kräftig - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim
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auch ohne Allrad flott unterwegs - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim keine Angst vor Ladung - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim aus allen Blickwinkeln fotogen - 230 D 16 K am 9. September 2006 in Hillesheim das nächste Projekt - ein passender Tieflader konnte Anfang 2006 von Diederich übernommen werden