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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016







Lastwagen Veteranen






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Stille Leidenschaft

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Peters kompletter Fuhrpark

In der ständig wachsenden Nutzfahrzeug-Oldtimer-Szene gibt es einige Kandidaten, die dadurch glänzen, dass sie auf jedem Treffen vertreten sind, dort immer in der ersten Reihe stehen und auch sonst erst zufrieden sind, wenn sie sich regelmäßig in der einschlägigen Fachpresse und im Fernsehen präsentieren können. Natürlich geben sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihr Fachwissen zum Besten, lassen dabei außer Zweifel, dass nur sie den vollen Durchblick haben und dass die Restaurationsqualität der Fahrzeuge Gleichgesinnter natürlich nicht an die der eigenen herankommt. Diese PR-geilen "Kollegen" sind die negative Seite unseres Hobbys, die so hinzunehmen und nicht zu ändern sind. Die wesentlich angenehmeren Sammler und Restaurierer sind die ruhigen, bescheidenen und im Hintergrund arbeitenden Kollegen. Ein Vertreter dieser Spezies ist Peter Michels aus Schmallenberg, der im Laufe der letzten Jahrzehnte eine Reihe von Fahrzeugen restauriert hat und unter Fachleuten als ausgewiesener Borgward-Experte gilt. Auf sein Konto gehen auch einige Bücher zum Thema Borgward.


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Wirklich ein Schnell-Laster - der Borgward B 1250 fährt tatsächlich 80 km/h

Nachdem Peter in der Vergangenheit bereits etliche PKW restauriert hatte, erstand er bereits 1972 einen Borgward B 1250. Dieser sogenannte Schnelllaster, der mit dem 48 PS starken Motor aus dem Borgward Hansa 1500 ausgerüstet ist, macht seinem Namen auch heute noch alle Ehre. Er fährt eine Spitzengeschwindigkeit von 80 km/h. Der 1 ¼-Tonner wurde ständig in der Land- und Forstwirtschaft eingesetzt, die Peter neben seiner Tätigkeit als Lehrer betrieb. Im letzten Jahr wurde der schnuckelige kleine Laster noch einmal einer Komplettrestauration unterzogen. Das Fahrgestell wurde gestrahlt und neu lackiert. Das Fahrerhaus erhielt ebenfalls eine Auffrischung. Die Pritsche wurde von einem Schreiner neu angefertigt und ebenfalls lackiert. Heute zeigt sich der Borgward wieder wie neu und soll demnächst etwas kürzer treten und den wohlverdienten Ruhestand genießen.


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Mit seinen 24 Zoll-Rädern eine wuchtige Erscheinung - Saurer S4C-Kipper von 1953

Peters Interesse galt schon immer den Fahrzeugen der Schweiz. Besonders angetan hatten es ihm die dort noch sehr lange verkehrenden Schnauzenbusse. Zunächst ergab sich aber 1983 die Gelegenheit, einen wunderbar unhandlichen Saurer LKW zu erstehen. Das Chassis des Kippers ist ein S4C. Der Motor hört lt. Typenschild auf den Namen CR2D und leistet 125 PS. Fahrgestell, Motor und Antriebstrang wurden im Jahr 1953 vereinigt. Der auf 24 Zoll-Rädern daherkommende Veteran gehört zu einem Baulos, das als letztes von der C-Serie gebaut wurde. Diese Serie basierte noch auf einer Vorkriegskonstruktion. Lediglich die Türen wurden bei der Nachkriegsausführung vorne angeschlagen. Die Riesenräder hatte der Vorbesitzer in der Schweiz geordert, da das Fahrzeug für den Schneeräumdienst mit einem Spitzpflug eingesetzt wurde und er sich von dem großen Raddurchmesser ein besseres Vorwärtskommen versprach. Gewaltig sind nicht nur die Räder. Auch die Zuladung des relativ schmalen Kippers ist enorm. Bei einem garantierten Gesamtgewicht von 16 to und einem Leergewicht total von 6.980 kg darf der graue Riese gut neun Tonnen zuladen. Die letzten zwanzig Jahre seines aktiven Einsatzes in der Schweiz wurde der Laster von einer Frau chauffiert und bestens gepflegt. Bereits in den Fünfziger Jahren wurden als Zugeständnis an die Fahrerin die Stahlbordwände des Kippers durch solche aus Aluminium ersetzt. Auch die sonst mächtige Oberarme voraussetzende Lenkung wurde hydraulisch unterstützt ausgeführt. Peter erstand den Laster in der Schweiz, überführte ihn ins Sauerland und restaurierte ihn im Winter 1983/84. Dazu wurde er entrostet und neu lackiert. Diverse Anbauteile wurden demontiert, aufgearbeitet und wieder angebaut. Mehr als zwanzig Jahre sind seitdem vergangen. Der LKW sieht nach wie vor aus, als wäre die Restaurierung erst gestern abgeschlossen worden. 


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Bus Nr. 1 - ein Saurer S4C von 1946

Seit drei Jahren ist Peter nun im verdienten Ruhestand. Doch er ist nicht der Pensionär, der mit dem Erreichen der Altersgrenze von heute auf morgen abschaltet. Im Gegenteil. Er drehte erst einmal voll auf und erfüllte sich von seinen Ersparnissen einen Traum, der in den Jahren zuvor herangereift war. Lange schon hatte er bei vielen Schweiz-Besuchen Kontakt zu den Besitzern besonders schöner Schnauzenbusse aufgenommen und sie mehr oder wenig intensiv bearbeitet. 2002 war es dann soweit. Seine Bemühungen um ein ganz seltenes Stück waren erfolgreich. Er konnte einen 1946 bei Saurer gebauten S4C erwerben. Von dem Bus, für dessen Karosserie ebenfalls die Firma Saurer verantwortlich zeichnet, wurden insgesamt nur acht Stück gebaut. Weltweit existieren davon heute nur noch zwei Exemplare. Der Bus ist mit dem 130 PS leistenden Motor Type CT1DL ausgerüstet. Das "L" in der Typenbezeichnung steht dabei für Lader. Dieser durch einen BBC-Lader aufgeladene Motor mit 8,9 Liter Hubraum war aber auch nötig bei dem Einsatz, für den der Saurer beschafft worden war. Der mit 2,40 Meter Breite nicht für Pässe geeignete Großraumwagen lief in den ersten Jahren kombiniert mit einem Busanhänger und einem weiteren einachsigen Gepäckanhänger zwischen Chur und Lenzerheide. Bis 1959 war er für die Schweizerische Post PTT auch in anderen Teilen der Schweiz unterwegs. Danach kam er zu den Verkehrsbetreiben Alstätten am Bodensee. Der bisher postgelbe Lack wurde rot überlackiert. Das Fahrzeug wurde fortan im Werkverkehr eingesetzt. Peter entdeckte ihn dort und konnte ihn ins Sauerland holen. Der Bus wurde von ihm und seiner Frau Bärbel teilrestauriert. Die Inneneinrichtung wurde komplett überholt und teilweise erneuert. Die Beblechung wurde in einigen Bereichen erneuert und ausgebessert. Dazu hatte Peter die Möglichkeit, den Bus mehr als ein halbes Jahr lang in der Lackiererei seines Vertrauens abzustellen und dort nach Belieben zu arbeiten und jederzeit fachmännischen Rat einzuholen. Heute steht der fast 60 Jahre alte Haubenbus, der noch immer vom Original-Motor angetrieben wird, in der Oldtimerhalle von Peter in Winterberg-Siedlinghausen und wird für gelegentliche Lustfahrten mit dem Luftstarter (Nova-Starter) angelassen.


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Bus Nr. 2 - Saurer 2C mit Hess-Karosserie von 1951

Nach dem Motto "Ein Bus ist kein Bus" kam dann im Jahr 2003 ein weiterer Schnauzer hinzu. Wieder war es ein Saurer, diesmal jedoch ein 2C, für dessen Karosserie die Firma Hess verantwortlich zeichnete. Der 65 PS starke Motor vom Typ CR1D treibt den mit einem Voll-Schiebedach ausgerüsteten Bus an. 1951 wurde der kleine Bus erstmalig für den Straßenverkehr zugelassen. Stationiert war er bei den Postautobetrieben Lugano. Bis 1976 war er mit dem Kennzeichen P - 22038 für die PTT im Einsatz. Zunächst fuhr er regelmäßig in der Gegend von Lugano. Später war er hauptsächlich im Raum Graubünden unterwegs. Sein zweites Leben war das eines Wohnmobils. Dazu wurde er von einem Weltenbummler umgebaut und für Fernreisen fit gemacht. Seine Fahrten führten ihn ab 1979 bis in den Nahen Osten. Er sah Länder wie Syrien, den Irak, Afghanistan, Ägypten sowie Indien und Pakistan. Während der Ferntouren machte der kleine 4-Zylinder-Motor nie Probleme. Der Bus wurde zwar öfter im Dreck versenkt, kam aber dank einer Seilwinde immer wieder in Fahrt. Mitte der Achtziger Jahre war dann die Wohnmobilkarriere des Busses auch Geschichte. Er verschwand in einem Schopf, um dort für fünfzehn Jahre in einen Dornröschenschlaf zu verfallen. Ein busbegeisterter Sammler küsste ihn wieder wach. Nach anderthalb Jahrzehnten Standzeit wurde eine Batterie eingebaut und nach zwei Minuten Startversuchen lief der Motor wieder. Besagter Sammler restaurierte den Bus anschließend komplett. Dazu gehörte auch die Anfertigung neuer Sitze. Irgendwie hat er dann aber die Lust an seinem Fahrzeug doch verloren und verkaufte ihn im Jahr 2003 an Peter. Der war mit den vorgenommenen Arbeiten nicht unbedingt einverstanden, entsprachen sie doch nicht seinen hohen Anforderungen an die Originalität und Vorbildtreue. Er benötigte ein weiteres halbes Jahr, um den Bus in den heutigen Zustand zu versetzen. Dazu demontierte er die Bestuhlung, legte den Bus komplett mit Korkboden aus und verkleidete die Wände mit Postleder, was dem Originalzustand entspricht. Nachdem die Sitze erneut eingebaut waren, entsprach der Bus wieder dem Auslieferungszustand und gesellte sich zu seinem großen Bruder in die Halle in Siedlinghausen.


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Bus Nr. 3 - FBW Alpenwagen IIIa von 1955

"Aller guten Dinge sind drei" dachte sich Peter und fand 2004 einen weiteren Schweizer Haubenbus für seine Sammlung. Dieser 1955 gebaute FBW Alpenwagen IIIa ist ein Vertreter der letzten Haubenbusgeneration bei FBW und unmittelbarer Vorgänger des genauso berühmten Haifisches. Für die Karosserie des Fahrzeugs ist die Firma Ramseier + Jenzer verantwortlich. Angetrieben wird er durch einen 130 PS leistenden 6 Zylinder-Motor des Typs DDA. Auch er ist mit einem BBC-Lader ausgerüstet. Der Alpenwagen verbrachte den Großteil seines aktiven Einsatzes bei der PTT. 1975 ging er an die Polizei in Bern, die ihn später an einen privaten Busunternehmer verkaufte, der ihn für Hochzeitsfahrten einsetzte. Von diesem Unternehmer erwarb Peter den Bus und restaurierte ihn äußerlich. Die Inneneinrichtung, die sich in einem guten Zustand befand, blieb original erhalten. Seit einem Jahr bekommt der FBW nun im Hochsauerland seinen Gnadendiesel. Ganz so fremd ist ihm die Landschaft dort nicht. Die Berge sind nicht ganz so steil wie in der Schweiz. Er kann jedoch beim Befahren der Straßen des Mittelgebirges zeigen, was er noch drauf hat. Heimweh wird er nicht bekommen, stehen doch links und rechts neben ihm in der Garage seine beiden gelben ehemaligen Arbeitskollegen.


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Peter Michels mit seinem "schweizlastigen" Oldtimer-Fuhrpark

Peter Michels hat für seine Oldtimer eine optimale Unterstellmöglichkeit gefunden. Die offene Abstell- und Lagerhalle eines Bauunternehmers, der die Segel streichen musste, konnte von ihm sehr langfristig angemietet werden. Er baute diese Halle nach seinen Bedürfnissen um, versah die Öffnungen mit vier schönen Holztoren, verputzte die Halle innen komplett und strich sie. Die Wände zieren heute die unterschiedlichsten Utensilien rund um den Oldtimer. In einem gemütlich eingerichteten Teil der Halle gibt es eine Sitzecke. Hier trifft er sich gelegentlich mit Gleichgesinnten und genießt einfach sein Rentnerdasein. Wenn er das Bedürfnis hat, fährt er alleine oder mit seiner Frau einen der Busse in die nähere Umgebung oder auch zu entfernteren Zielen. Auf Oldtimertreffen werden wir ihn jedoch wahrscheinlich nie sehen. Er erhält seine Busse zu seiner eigenen Erbauung und Freude und nicht, um damit bei Veranstaltungen zu glänzen.


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Macht auch heute im Steinbruch noch ein gute Figur - Saurer S4C mit 125 PS CR2D-Motor Der Inhalt einer Radladerschaufel reicht aus, um den Kipper des Oldtimers zu füllen Zum gewaltigen Erscheinungsbild tragen auch die 24 Zoll-Räder bei Auch in der Seitenansicht einfach nur gewaltig - schweizer Rechtslenker von 1953
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Ausgerüstet mit einem Ganzschiebedach - Saurer S4C mit Saurer-Karosserie Blick auf den Arbeitsplatz des Saurer-Chauffeurs Die Inneneinrichtung des großen Saurer wurde von Peter und seiner Frau komplett überarbeitet 130 PS aus 8,9 Litern Hubraum, das waren für 1946 beachtliche Werte
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Zweimal Saurer - S4C-Kipper und 2C-Bus mit 4 Zylindermotor Blick in den Innenraum des kleinen Saurer 2C Auch der kleine Saurer 2C ist rechtsgesteuert Peters LKW-Fraktion - Saurer S4C-Kipper und Borgward B 1250
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Unterwegs im Hochsauerland - FBW Alpenwagen IIIa Fordert den ganzen Mann - Arbeitsplatz im FBW ohne Lenkhilfe und mit unsynchronisiertem Getriebe Auch dicke Menschen dürfen am Fenster sitzen - die Sitze lassen sich im FBW über die Hebel zur Gangmitte hin verstellen Die Dachrandverglasung des FBW sorgt im Sommer für eine unangenehmen Aufheizung des Fahrgastraums
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Ü 50-Busse - alle Busse von Peter Michels sind älter als 50 Jahre Haben den Umzug von der Schweiz ins Sauerland gut überstanden: Saurer S4C, FBW Alpenwagen IIIa und Saurer 2C Die Qual der Wahl - möchte Peter am Wochenende eine Ausfahrt mit seiner Frau machen, so stehen im drei fahrbereite und zugelassene Busse zur Auswahl Die Einsatzfahrzeuge der Postautobetriebe Siedlinghausen
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Der komplette Fuhrpark aufgefahren für den Fotografen Der komplette Fuhrpark aufgefahren für den Fotografen Alle schweizer Fahrzeuge aus der Sammlung von Peter Michels Alle schweizer Fahrzeuge aus der Sammlung von Peter Michels