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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016







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Potz Blitz

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Am 17.06.1988 noch neu in der Szene: Büssing LU 5/10 M in Castrop-Rauxel

Gerd Schlotmann aus Werdohl ist in der Oldtimer-Szene eine bekannte Groesse. Bereits Mitte der Achtziger Jahre erschien er mit einem restaurierten Büssing LU 5/10 M Möbelwagen auf Nutzfahrzeugtreffen. Dieser 1963 bei Ackermann aufgebaute Unterflur-Büssing mit U 5 Motor und einer Leistung von 125 PS war jahrelang die Stütze des Geschäftszweigs Möbeltransporte und Umzüge seines Unternehmens, das er im sauerländischen Werdohl betreibt. Gerd hatte den Möbelwagen 1982 auf einem Schrottplatz in Frankfurt gefunden, wo er bereits fast völlig zugewachsen war. Mit Hilfe von Freunden und Bekannten wurde er komplett restauriert und fortan im Unternehmen eingesetzt.


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MAN 19.281 FK Abroller am 10.02.1995 in Dresel

Der Büssing war jedoch nicht der einzige "gut gebrauchte" LKW, der täglich seine Kilometer abspulte im Dienst der Firma Transporte Schlotmann. Gerd legte nie besonderen Wert darauf, mit Neufahrzeugen zu glänzen, auf die zwar sein Name geschrieben stand, die aber irgendeiner Bank gehörten. So fuhr er im Geschäftszweig Containerdienst lange einen MAN 19.281 FK Abroller, der später auch für den Möbelfernverkehr eingesezt wurde. Dazu mußte auf das Dach ein Topslepper gebaut werden, da im Möbelfernverkehr entsprechende Unterbringungsmöglichkeiten vorhanden sein mußten. Ein weiterer Abroller auf MAN 16.280 FK-Fahrgestell und ein Absetzer auf MAN 15.158 FK ergänzten den Fuhrpark. Im Juli 1994 kam ein MAN 15.220 FS hinzu, der zuvor seine Kilometer im Werkverkehr der Lüdenscheider Firma Busch-Jäger Elektro abgespult hatte. Er wurde umgebaut und mit einem Absetzer versehen. Natürlich erhielt auch er die typischen Schlotmann-Farben mit dem orangenen Streifen am Fahrerhaus.


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Mogelpackung: Unter dem 1620 steckt ein L 1519 - 11.07.1992 in Altena

Neben MAN setzt Gerd auf Mercedes. Ein Mercedes-Benz L 1519, auf dessen Seiten die Typenschilder "1620" prangen, ist ein Rundhauber, den noch sein verstorbener Vater Anton gekauft hatte. Anfänglich wurde er mit einem festen Aufbau und kombiniert mit einem zweiachsigen Anhänger zum Transport von Stahlcoils eingesetzt. Später wurde er mit einem Mechanismus für Abrollcontainer ausgerüstet. Ein weiterer Rundhauber, dessen Typenbezeichnung "1620" sicherlich auch übertrieben ist, wurde ebenfalls zum Transport von Absetzcontainern eingesetzt.


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Alter Schwede mit schweizer Vergangenheit - Scania L 110 mit Georg-Absetzer am 23.04.1996 in Dresel

1993 weilte Gerd mit einigen Kollegen anlässlich einer Kegeltour in Bern. Dort staunte er
nicht schlecht, als er bei einem Entsorgungsunternehmen einen ausgemusterten Scania L 110 entdeckte, der in seinen Hausfarben lackiert war. Der musste nach Werdohl! Gesagt - getan. Es gelang ihm, den Berner Unternehmer davon zu überzeugen, dass der Scania in Werdohl noch gebraucht würde. Die Herren wurden sich handelseinig und der im Jahr 1968 gebaute 310 PS leistende Schwede wurde ins Sauerland überführt. Dort erhielt er einen Georg-Absetzer verpasst und fährt seitdem Container in und um Werdohl spazieren - meistens vom Chauffeur Paul Grote gesteuert.


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Ackermann Möbelkoffer als Werbeanhänger in Werdohl am 24.12.2000

Da Gerd bereits sehr früh vom Oldtimerbazillus befallen war, sammelte sich auf seinem recht großzügig angelegten Firmengelände im Werdohler Ortsteil Dresel einiges an altem Blech an.  Neben PKW der Marke Mercedes-Benz (170er und 180er) gelangten einige Ackermann Möbelkofferanhänger in Gerds Hände. Zwei davon sind mittlerweile restauriert. Gerd setzt auch sie im Unternehmen ein. Sie werden als Anhängsel an den Büssing oder den im Jahr 1997 von Wolgang Esser aus Mönchenglachbach erstandenen Mercedes-Benz LP 1313 mit Ackermann Kofferaufbau genutzt. Wenn Sie nicht benötigt werden, stehen sie nicht auf dem Grundstück sondern werden werbewirksam im Stadtgebiet von Werdohl oder angrenzenden Städten geparkt und fungieren dort als sympatische Werbeträger.


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So stand der kleine Blitz jahrelang in Dresel (03.07.1996)

Nicht nur altem Blech hat Gerd im Laufe der letzten zwanzig Jahre Asyl in Dresel geboten. Seine Vorliebe für alte Dinge beschränkt sich nicht nur auf motorisierte Schätze. In seinem Büro, seinem Haus und seiner Werkstatt finden sich überall alte Dinge, die ihm über den Weg liefen und die er irgendwie und irgendwo gebrauchen konnte. Als Betreiber eines Containerdienstes sitzt er da natürlich auch an der Quelle. Ist ein Mensch wie er einmal bekannt dafür, dass er alles irgendwie gebrauchen kann, so werden ihm ständig neue Schätze angeboten. So kann er sich gar nicht mehr so genau erinnern, wann der kleine Opel Blitz als Gelegenheitskauf zu ihm kam. Das muss irgendwann in den Siebziger Jahren gewesen sein. An eine Restaurierung dachte er damals noch nicht. Der Opel verschwand erst einmal in einer Scheune und wurde gut konserviert. Auch in den nächsten Jahren war an eine Aufarbeitung noch nicht gedacht, da Gerds restaurierte LKW alle auch eingesetzt werden mussten. Doch wozu sollte ein kleiner 1,5 to Opel genutzt werden?


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restaurierter Opel Blitz am 30.12.2003 in Werdohl-Dresel

Jahre später nahm sich Gerd des Opels dann doch an. 1996 wurde er aus der Scheune hervorgeholt. Eine Bestandsaufnahme erfolgte. Was sollte aus dem etwa 1932 gebauten Benziner werden? Versuche, die Geschichte des Kleinlasters zurückzuverfolgen verliefen negativ. Das Typenschild verriet lediglich, dass er auf den Namen "Type 3,5-34" hörte. Als Hubraum des Motors wurde 3.417 ccm angegeben. Das Fahrgestell, das für ein Gesamtgewicht von 4.300 kg ausgelegt sein sollte, hatte die Nummer 4 V - 1477. Wahrscheinlich war der Opel zunächst als ziviler Pritschenwagen auf den Straßen unterwegs, bevor er für die Feuerwehr rekrutiert wurde. Zuletzt war er bei der Betriebsfeuerwehr der Raffiniere Deurag-Nerag in Hannover-Misburg versehen mit einem kleinen Wasserfass im Einsatz. Nachdem er dort überflüssig geworden war gelangte er ins Sauerland, nahm dort auch an einem Festumzug teil und wurde danach Gerd angeboten. Im Jahr 1989, zu Gerds vierzigsten Geburtstag wurden dem Blitz neue Reifen spendiert. Das war dann aber auch für lange Zeit die letzte Aktivität in Sachen Opel Blitz. 1996 wurde er wieder aus der Scheune geholt und sollte nun endgültig restauriert werden. Das zog sich dann aber noch einige Zeit hin. Aktuelle Oldtimer, die täglich noch ihr Geld verdienen mußten, waren immer wichtiger. Ende 2000 war es dann aber soweit. Nach sehr umfangreichen Arbeiten stand der kleine Opel frisch lackiert zur ersten Probefahrt bereit.


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Blitz während der Restaurierung

In den knapp vier Jahren der Restaurierung war der Opel komplett demontiert und neu aufgebaut worden. Die Pritsche wurde komplett neu erstellt. Der nicht mehr wiederzubelebende Benzinmotor wurde einfach durch ein Dieselaggreat aus einem neueren Mercedes ersetzt. Optisch fällt das nicht auf. Lediglich beim Starten des Motors fehlt das typische Benzinmotor-Geräusch. Bevor nun ewige Nörgler, Besserwisser und Nietenzähler reklamieren, dass es ein solches Auto nicht gegeben hat, sei der Hinweis erlaubt, dass es solch einen Pritschenwagen ab Werk nicht gegeben haben wird. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kann ein solcher Eigen- bzw. Umbau jedoch mit Sicherheit auch auf den Straßen des Sauerlandes unterwegs gewesen sein - mit Ausnahme der Funkantenne auf dem Dach.
(Manfred Koch)


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Gerd Schlotmann als stolzer Besitzer neben seinem Blitz der gewaltige Aufbau wurde komplett neu erstellt es muß nicht immer ein Titan sein - auch ein kleiner Blitz erregt Aufmerksamkeit 30.12.2003 - Werdohl-Dresel - Wagen 11 von Gerd Schlotmann
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Blitz mit dunkler Vergangenheit Demontage und erste Bestandsaufnahme Teilansicht des Fuhrparks am 28.09.1996 alt - aber bezahlt - Fuhrpark am 18.06.1996
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Fuhrpark ohne Büssing am 18.06.1996 Teilnehmer am Schützenfest-Umzug 2001 in Werdohl - Gerds Oldtimer - vorne weg der L 110 kam von einer Feuerwehr - Mercedes-Benz L 1519 am 19.07.1996 in Dresel Werbewirksam: LP 1313/Ackermann im Werdohler Schützenfest-Umzug 2001
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kam von Wolfgang Esser aus Mönchengladbach nach Werdohl: Mercedes-Benz LP 1313 mit Ackermann Aufbau Baujahr 1969 - Rundhauber-Mercedes am 25.04.1992 in Dresel bewegtes Leben: Mercedes-Benz L 1519 am 08.07.1995 in Altena mit wechselnden Aufbauten unterwegs: Mercedes-Benz L 1519 am 29.03.1996 in Dresel
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war lange Zeit Chefwagen - Mercedes-Benz L 406 D am 25.04.1992 in Dresel zweites Leben bei Schlotmann: MAN 15.220 F Absetzer am 06.07.1997 in Lüdenscheid lange Zeit stärkstes Fahrzeug im Fuhrpark: MAN 16.280 FK am 23.12.1994 in Dresel mit Lizenz für Möbelfernverkehr: MAN 19.281 FK am 22.04.1995 in Dresel
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Heute Möbel, Morgen Container: MAN 19.281 FK am 10.02.1995 in Dresel "Möbi Dick" mit passendem Ackermann-Anhänger während des Schützenfest-Umzugs in Werdohl am 01.07.2001 Büssing LU 5/10/Ackermann am 30.04.2000 in Schlechtbach Tagesgeschäft: Umzug mit LU 5/10 in Altena am 01.09.19949