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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016












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Peter Sacher und seine „Dicke Berta“

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Büssing 8000 S 13 nach einem Vorbild der Firma Seiling Holz aus Ahlen

Vor fast 10 Jahren erschienen bei der Firma Revell LKW-Modelle als Bausatz im Maßstab 1:24. Viele Oldtimerfreunde legten sich diese Bausätze zu, um dann festzustellen, dass es gar nicht so einfach ist, ein derartiges Modell zusammenzubauen. So werden wohl viele Bausätze auch heute noch ungebaut in diversen Sammlungen vor sich hin schlummern. Keine Probleme mit derartigen Aufgaben hatte Peter Sacher aus Drensteinfurt. Schon lange bevor die Bünder Modellbauer mit ihrem Büssing 8000 und dem Krupp Titan auf den Markt kamen, baute er LKW-Modelle im Maßstab 1:24.


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MAN 415 H nach einem Vorbild der Spedition Edmund Försterling aus Rinkerode

Begonnen hatte seine Leidenschaft schon im Kindesalter. Bereits als Schüler baute er Modelle von Lastwagen und Motorrädern aus Pappe. Dazu malte er auf Schuhkartonpappe die Umrisse der Fahrzeuge auf, schnitt sie mit der Schere aus, falzte die Rundungen und klebte die Einzelteile mit Alleskleber zusammen. Die Gesamtkomposition wurde dann mit Wasserfarbe angemalt. So entstanden im Laufe der Zeit viele interessante Modelle. Doch keins dieser Fahrzeuge hat überlebt. Nach seiner Hochzeit hat Peter im Garten seines Elternhauses ein tiefes Loch gegraben, die Modelle darin versenkt und sie anschließend angesteckt. Heute ist ihm klar, dass er mit dieser Aktion einen Lebensabschnitt beendete und in eine neue Phase eintrat. Verstehen kann er jedoch nicht, dass er damals einzigartige Unikate vernichtete. Doch auch während seiner Ehe konnte er von seinem Laster, den Lastern, nicht lassen. Kindheitserinnerungen an LKW und Lieferwagen aus Drensteinfurt und Umgebung kamen immer wieder hoch. So begann er bald wieder mit dem Bau von Modellen nach Vorbildern aus seiner Heimat. 


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Dicke Berta: Mercedes-Benz O 6600 mit Aufbau der Firma Stauffen

Vor mehr als 20 Jahren entstanden die ersten Lastwagen-Modelle aus einer Serie, die mittlerweile aus über fünfzig Fahrzeugen besteht. Bei diesen Eigenbauten setzte er erstmalig als Werkstoff Polysterol ein. Nach Vorbildern der Spedition Hans Große Rövekamp aus Drensteinfurt-Rinkerode baute er zunächst einen Büssing LS 11 mit Tankauflieger von Schmitz, Altenberge, dann einen Büssing 8000 mit Fahrerhaus von Kiffe, einen 105er Büssing mit der Nachkriegssparspinne an der Front, einen MAN MK mit Kofferaufbau und einen Büssing 7500 U mit passendem Kässbohrer Dreiachsanhänger mit Ausgleichsnaben. Diese Fahrzeuge hatte Peter aus seiner Kindheit noch in Erinnerung und baute sie anhand von Fotos nach. Aus der gleichen Epoche stammt der Büssing 8000 S 13 der Firma Seiling Holz aus Ahlen. Dieser Kultlaster, der ein Fahrerhaus von Schmitz hat, war nach seiner aktiven Fernverkehrszeit, die ihn u. a. nach Österreich zum Heranschaffen von Schnittholz führte, in den Nahverkehr degradiert worden. In dieser Eigenschaft erschien er einmal pro Woche in der Strasse vor Peters Elternhaus. Peter kann sich heute noch gut daran erinnern, wie das mächtige Schlachtschiff sich über die unbefestigte Strasse mit den vielen Schlaglöchern bewegte. Es schaukelte im Schritttempo zu der kleinen Schreinerei, die mit Holz beliefert wurde. Für Peter war das Auftauchen des Büssing immer ein Grund, andächtig stehen zu bleiben und das Geschehen zu beobachten. In seinem Gedächtnis prägte sich das imposante grüne Gefährt ein. Er baute es detailgetreu nach. Der Seiling 8000er entstand lange vor dem Erscheinen des entsprechenden Revell-Modells. Peter tauschte nachträglich nur die Räder gegen die des Serienmodells aus.


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Lief im Original bei Josef Mussenbrock in Drensteinfurt: Tempo Matador mit Aufsetztank

Peters Modelle sind grundsätzlich Eigenbau. Er verwendet jedoch Einzelteile aus handelsüblichen Bausätzen. Alle Teile, die er kaufen kann und nicht selber fertigen muss, entnimmt er den Sets. So finden sich an den Schwerlastwagen seiner Sammlung mittlerweile Reifen und Felgen von Revell. Auch einige Pritschen entstanden aus Revell-Teilen. Dabei übernahm er jedoch nicht einfach den vorgefertigten Aufbau, sondern passte ihn exakt dem Vorbild an. Dazu trennte er die Pritsche mitunter mehrmals und klebte sie vorbildgerecht wieder zusammen. Auch abweichende Beschlagteile wurden geändert. Peter setzt übrigens keine Spezialwerkzeuge ein. Er arbeitet ausschließlich mit Bastelmesser, Laubsäge, Schmirgelpapier, Spachtelmasse und Schere. Alles wird manuell ohne elektrische Werkzeuge oder Maschinen wie Bohrer oder Schleifer hergestellt. Peter verbaut fast ausschließlich Polysterolplatten für seine Modelle. Metall setzt er nicht ein. Holz und Pappe werden minimal verwendet. Die Fahrzeugplanen stellt er aus Stoff her.


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Fuhr Deputatkohle für die Zeche Radbod in Bockum-Hövel: Ford Ruhr

Das Anstreichen und Beschriften erfolgt ebenfalls von Hand. Dazu wird das Fahrzeug, wie z. B. der Mercedes-Benz O 6600 mit Stauffen-Möbelwagenaufbau zunächst komplett in den Hausfarben der Spedition Neuhaus aus Hamm gestrichen. Danach überträgt Peter vorsichtig die Eckmaße der Beschriftung, die er zuvor auf ein Blatt Papier aufgetragen hat, auf das Modell. Anschließend wird freihändig die Beschriftung aufgebracht. Dazu bedarf es einer ruhigen Hand und viel Geschick. Gelingt die Beschriftung nicht, so muss das Fahrzeug komplett neu gestrichen werden. Das kommt jedoch so gut wie nie vor. Alle Modelle sind nicht hochglanzlackiert, sondern mit Seidenmattfarben mit Hilfe eines Pinsels gestrichen. Sie sollen so dem Betrachter das Flair der Fünfziger und Sechziger Jahre rüberbringen. Peter bringt sogar vorsichtig Gebrauchsspuren an. Die LKW sehen dadurch so aus, wie sie im wirklichen Leben auf den Strassen unterwegs waren und wie sie sich dem Betrachter eingeprägt haben. Er baut seine 1:24-Modelle in erster Linie für sich selber. In seiner Wohnung in Drensteinfurt stehen die Modelle in diversen Vitrinen. Er hält sich so seine Erinnerungen an die eigene Kindheit wach. Dabei kommt es ihm nicht auf die Korrektheit bis zur letzten Schraube an. Er versucht vielmehr, mit den einzelnen Modellen die Stimmung der damaligen Zeit rüber zu bringen. Für uns hat er einen Teil seiner Eigenbauten vor einer ebenfalls selbst gebauten Fotokulisse aufgestellt.

Text: Manfred Koch
Fotos: Manfred Koch


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Nachts auf den Strassen: Hilde und Hans vor MAN F 8 im Jahr 1951 Dem Film nachempfunden: Hildegard Knef und Hans Albers mit Schlüters MAN F 8 in den Nahverkehr degradiert: Seilings Büssing 8000 S 13 handbemalt: Türbeschriftung des Seiling-Büssing
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vor passender Kulisse: Büssing 8000 S 13 mit Dreiachsanhänger mit vorbildgerechter Ladung: Seiling Schnittholzzug das Vorbild fuhr bei Kaspar Lutter: Kaelble mit Bilstein-Bergekran Peter baute den Lutter Kaelble nach Fotos aus dem HiK
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detailgetreuer Nachbau: auch der Bilstein-Kran ist ein Eigenbau von Peter vorbildgerechte Beschriftung am Kaelble vorbildgerechte Beschriftung am Kaelble vorbildgerechte Beschriftung am Kaelble
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Fuhr in Peters Nachbarschaft: Büssing 7500 U der Spedition Große Rövekamp eins von Peters Frühwerken: Büssing 7500 U Büssing 7500 U der Spedition Hans Große Rövekamp aus Drensteinfurt-Rinkerode Büssing 7500 U mit Kässbohrer Dreiachsanhänger
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Nach Große Rövekamp-Vorbild: Kässbohrer Ausgleichsnabenanhänger lief ebenfalls bei Große Rövekamp: Büssing 5000 S Große Rövekamp Tanker: Büssing LS 11 mit Schmitz-Auflieger Große Rövekamp Tanker: Büssing LS 11 mit Schmitz-Auflieger
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MAN 415 F mit Ackermann-Aufbau nach einem Vorbild der Spedition Solle aus Hamm MAN 415 F mit Ackermann-Aufbau nach einem Vorbild der Spedition Solle aus Hamm Kompletter Eigenbau: kleines Pausbacken-Fahrerhaus Ackermann PKW-Transportanhänger
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Ackermann PKW-Transportanhänger entstand 2006: MAN 415 H nach Vorbild der Spedition Försterling fuhr einst Viehfutter für die WCG: MAN 415 H MAN 415 H der Spedition Edmund Försterling, Rinkerode
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MAN 415 H der Spedition Edmund Försterling, Rinkerode MAN 415 H der Spedition Edmund Försterling, Rinkerode MAN 415 H der Spedition Edmund Försterling, Rinkerode Details des MAN 415 H
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das Vorbild fuhr bei Neuhaus in Hamm: Mercedes-Benz O 6600 mit Stauffen-Aufbau auf Omnibusfahrgestell: 145 PS Mercedes-Möbelwagen Magirus-Deutz O 3000 Magirus-Deutz O 3000
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ehemalige Luftwaffenzugmaschine: Hanomag SS 100 das Vorbild fuhr Bauschutt in Münster: Hanomag SS 100 in Diensten der Spedition Franke aus Drensteinfurt: Hanomag SS 100 war im Krieg auf dem Flugplatz Münster-Handorf im Einsatz: Hanomag SS 100
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mit Ballastpritsche nachgerüstet: Hanomag SS 100 des Spediteurs Franke mit Fernverkehrshaus: Magirus-Deutz S 6500 der Schultheiss-Brauerei ausnahmsweise nach Berliner Vorbild: Magirus-Deutz S 6500 Fernlastzug mit Fernverkehrshaus: Magirus-Deutz S 6500 der Schultheiss-Brauerei
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mit Fernverkehrshaus: Magirus-Deutz S 6500 der Schultheiss-Brauerei Schultheiss-Tankanhänger Tempo Matador mit Aufsetztank Tempo Matador mit Aufsetztank
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"Weichblitz" von Pöttgen-Krüger aus Drensteinfurt stand auch auf Wochenmärkten: Opel Blitz 1,75 to der Familie Krüger im typischen Opel-blau: 1,75 Tonner der Familie Krüger Tempo Matador und Opel Blitz 1,75 to
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Tempo Matador und Opel Blitz 1,75 to Dreiräder unter sich: Goli und Tempo vor Peters Fotokulisse Tempo Tiefpritsche Goliath GD 750 des Kleinspediteurs Knepper aus Drensteinfurt
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beladen mit Deputatkohle: Ford Ruhr war in Münster zuhause: Ford FK 3500 in Cola-Farben auch die Colakästen entstanden im Eigenbau: Ford FK 3500 Heckbeschriftung des Ford FK 3500
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war in Münster zuhause: Ford FK 3500 in Cola-Farben war in Münster zuhause: Ford FK 3500 in Cola-Farben war in Münster zuhause: Ford FK 3500 in Cola-Farben war in Münster zuhause: Ford FK 3500 in Cola-Farben
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das Vorbild des Borgward B 1500 fuhr bei der Schreinerei Hansmeier-Lenz in Drensteinfurt das Vorbild des Borgward B 1500 fuhr bei der Schreinerei Hansmeier-Lenz in Drensteinfurt Lieferwagentreffen in Drensteinfurt Peters Kleinlaster-Sammlung
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Blick auf das Modell von Kasper Lutters Kaelble Große Rövekamps Büssing 7500 U freihändig gemalt: Heck des Schultheiss-Anhängers Der Meister: Peter Sacher mit seinem MAN 415 H