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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016







Lastwagen Veteranen






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Neckermann macht´s möglich

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gewohntes Bild in der Hausergasse: Magirus an der Rampe

Mittwochs 09.00 Uhr in Wetzlar – Müller Jörg Wieler fährt den Magirus-Deutz Sirius 90 L neben seine Mühle in der Hausergasse. Er öffnet die rechte Bracke und legt sie auf die etwas tiefer liegende Rampe. Über eine Bohle, die er zusätzlich anlegt, fährt er nun mit einer Sackkarre 50 kg-Mehlsäcke auf die Ladefläche. Dabei muss er bei jeder Fahrt den Kopf einziehen, da der Aufbau keine Stehhöhe hat. Sorgfältig verlädt er die Säcke nach Kunden sortiert auf der Ladefläche. An diesem 17. Mai sind es zwei Bäckereien, die beliefert werden müssen. Schnell sind die Bracke und die Plane anschließend wieder geschlossen. Nachdem die Papiere im Kontor der alten Mühle zusammengestellt worden sind, kann die Fahrt losgehen. Zügig geht es nun durch die Innenstadt in Richtung Braunfels. Nach etwa 15 Minuten ist der erste Bäcker in Solms-Albshausen erreicht. Rückwärts fährt Wieler den Magirus möglichst nah an die Tür der Backstube. Er öffnet die hintere Bracke des LKW und schleppt nun die Säcke einzeln auf der Schulter in den Lagerraum des Bäckers.


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nach Abladestellen sortiert: die Mehlsäcke auf der Ladefläche des Veteranen

Beim Schleppen der 25 Säcke kommen ihm Erinnerungen an die Erzählungen seines Vaters. Bis in die Fünfziger Jahre wurde das Mehl noch in 100 kg-Säcken abgepackt. Die Auslieferungsfahrer oder Helfer mussten auch damals schon die Säcke bis in die Backstuben oder in andere Lagerräume tragen. Da konnte es auch schon einmal vorkommen, dass das Lager nur über eine steile Treppe im ersten Stockwerk erreicht werden konnte. Zur Motivation der Träger gab es damals ein so genanntes Sackgeld in Höhe von 10 Pfennig pro Sack. Den Betrag hatte der Bäcker gleich vor Ort an den Träger zu zahlen. Es soll damals auch geizige Bäcker gegeben haben, die dieses Sackgeld sparen wollten. Sie beauftragten einfach ihre Lehrlinge, die Säcke abzuladen und in das Lager zu schaffen. Die Stifte murrten nicht. 


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gewohnter Anblick in Solms-Albshausen: der Sirius beim ersten Kunden

Nachdem die Säcke beim ersten Bäcker abgeladen sind und auch der Papierkram erledigt ist, geht es wieder in Richtung Wetzlar. Dort befindet sich ein weiterer Bäcker, der regelmäßig Mehl von Müller Wieler erhält. Hier sind heute nur sieben Säcke abzuladen. Schnell ist die Ladung in der Backstube verstaut und es kann wieder zurück zur Mühle gehen. Der Magirus wird auf seinem Parkplatz abgestellt bis zur nächsten Woche. Dann geht es wieder auf Tour in Sachen Mehlauslieferung.


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"neues" Triebwerk: seit 2005 arbeitet ein 120 PS starker Motor im Sirius

Dies alles ist keineswegs eine Rückblende in das Jahr 1968 sondern Realität im Jahr 2006! Wieler fährt auch heute noch den Pritschenwagen, der am 28.06.1962 erstmals zum Straßenverkehr zugelassen worden war. Er wurde zunächst von einem Spediteur eingesetzt, der mit zuletzt fünfzehn Lastern für das Versandhaus Neckermann fuhr. Dazu wurde der ursprünglich grüne Magirus in das typische "Neckermann-rotbraun" umlackiert. 1968 meldete der Fuhrunternehmer Konkurs an und die Familie Wieler konnte den Rundhauber als Ersatz für den betagten Magirus-Deutz S 3000 erwerben. 38 Jahre später rollt der Magirus immer noch zur Auslieferung der Produkte der Hausermühle durch Wetzlar. Im Jahr 2005 musste der 90 PS-Motor allerdings ersetzt werden. An seiner Stelle arbeitet jetzt ein 120 PS starker Kollege, der zuvor in einer Baumaschine seinen Dienst versah. Da bei den jährlichen TÜV-Abnahmen die Prüfer immer heftiger darauf bestanden, dass die maroden Kotflügel ersetzt werden mussten, spendierte Wieler seinem LKW zwei neue Blechteile. In nächster Zeit soll der Laster noch einmal etwas aufgehübscht werden. Ein wenig Sandstrahlen und neuer Lack sind angedacht


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keine ernsthafte Konkurrenz: Mercedes-Benz LP 1628 NG mit Wechselaufbau

Die Wielers betreiben mittlerweile in der fünften Generation eine Mühle in der Altstadt von Wetzlar, die Hausermühle. Das Gebäude wurde zwar im Zweiten Weltkrieg ausgebombt, anschließend aber wieder aufgebaut. Wieler kauft bei den Landwirten aus der Umgebung bzw. beim Landhandel Getreide, das er zu Roggen- oder Weizenmehl verarbeitet. Das Mehl liefert er an ausgesuchte Bäckereien im Raum Wetzlar. Die Auslieferungsfahrten werden nach wie vor mit dem Magirus vorgenommen. Für größere Touren bzw. längere Strecken ist ein weiterer LKW vorhanden. Dabei handelt es sich um einen Mercedes-Benz LP 1628 NG, der mit einem Wechselsystem zur Aufnahme einer festen Pritsche und eines Silos ausgerüstet ist. Ob dieser LKW so alt wird wie sein luftgekühlter Arbeitskollege, bleibt abzuwarten.

Text: Manfred Koch
Fotos: Manfred Koch


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fuhr einst für Neckermann: Magirus-Deutz Sirius 90 L schön ist anders: Sirius mit Gebrauchsspuren keine Stehhöhe: beim Beladen des Lasters ist der Kopf einzuziehen wie vor 40 Jahren: der Sirius an der Rampe
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Alter ist relativ: "junger" Sirius vor der wirklich alten Hauser-Mühle stimmiges Bild: Sirius vor Mühle traumhafte Kulisse: der Sirius an seiner Rampe aus jeder Perspektive fotogen: der Sirius an der Rampe
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gewohntes Bild: Magirus-Deutz unterwegs in der Wetzlarer Altstadt gewohntes Bild: Magirus-Deutz unterwegs in der Wetzlarer Altstadt Rangieren in Albshausen: Jörg Wieler auf dem Weg zum ersten Bäcker Rangieren in Albshausen: Jörg Wieler auf dem Weg zum ersten Bäcker
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auf Wunsch des TÜV seit kurzer Zeit mit neuen Kotflügeln: Magirus Rundhauber spartanisch: Blick in das Fahrerhaus mit Ulmer Münster: Motorhaube des Sirius stolzer Besitzer des Sirius: Jörg Wieler beim Entladen des Mehls
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Knochenarbeit: Abladen der Mehlsäcke in Albshausen gewohnter Anblick in Albshausen: einmal pro Woche steht der Sirius beim Bäcker matt lackiert: die neuen Kotflügel wurden dem Erscheinungsbild des Sirius angepasst Motor aus einer Baumaschine: Blick auf das 120 PS starke luftgekühlte Triebwerk
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Motor aus einer Baumaschine: Blick auf das 120 PS starke luftgekühlte Triebwerk Motor aus einer Baumaschine: Blick auf das 120 PS starke luftgekühlte Triebwerk Alligatorhaube: Magirus-Deutz mit geöffneter Motorhaube Zweitwagen: "moderner" Mercedes-Benz LP 1628 NG
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mit Ulmer Münster: Motorhaube des Sirius Alligatorhaube: Magirus-Deutz mit geöffneter Motorhaube alles original: Magirus-Pritsche