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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016












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Nachwuchsarbeit - Fehlanzeige

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Warstein-Sichtigvor am 1. September 1985: Henschel HS 120 K von 1958 aus dem Fuhrpark der Prüsers zwischen Artgenossen

Anfang der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts begannen unabhängig voneinander die ersten „Verrückten“, alte Nutzfahrzeuge weg zu stellen und zu sammeln, die für den täglichen Einsatz nicht mehr zu gebrauchen waren. Schon bald trafen sie sich zwanglos zu ersten gemeinsamen Ausfahrten. Unvergessen für alle Oldtimerfreunde, die daran teilnehmen konnten, sind auch heute noch die ersten Treffen z. B. in Warstein-Sichtigvor, die Heinz-Bruno Hecker veranstaltete, der zu den ersten aktiven Sammlern gehörte. So trafen sich auch am ersten September-Wochenende des Jahres 1985 zum zweiten Treffen in Sichtigvor die Besatzungen von etwa siebzig alten Lastern mit ihren Fahrzeugen in dem Ortsteil von Warstein. Das Teilnehmerfeld war bunt gemischt. Neben auch damals schon restaurierten Fahrzeugen wie dem Büssing 8000 von Robert Fehrenkötter und dem Krupp AK 380 Dreiachskipper der Spedition Höhlschen war der Großteil der aufgefahrenen Fahrzeuge unrestauriert bzw. mit einfachsten Mitteln fahrbereit gemacht worden.


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Wo ist dieser wunderschöne unrestaurierte Büssing Commodore LS 11 geblieben?

Es herrschte allgemeine Aufbruchstimmung und Begeisterung für das neu entdeckte Hobby. Alle Aktivitäten liefen zwanglos ab. Die Veranstaltungen der ersten Jahre waren nicht auf Kommerz ausgerichtet. Es gab Enthusiasten, die für die Hobbykollegen die Organisation übernahmen, ohne dabei reich zu werden. In der Regel werden sie Verluste gemacht haben. Aber für sie war es die Sache wert. Sowohl die mit Oldtimern anreisenden Teilnehmer als auch die interessierten Besucher stammten aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten. Da gab es die Spediteure, die zwangsläufig mit dem LKW zu tun hatten und den eigenen Laster aus den Gründerjahren wiederentdeckt hatten genauso wie die Lehrer und Beamten, Kaufleute und berufsmäßigen Schrauber, die ein altes Fahrzeug weg gestellt hatten, weil sie damit Kindheitserinnerungen verbanden oder weil sie einfach die alte Technik erhalten wollten. Gründe für das Aufheben eines alten Lasters oder gar Busses gab es viele. Auch die Altersstruktur ergab ein breites Spektrum. Vom Schüler bis zum Rentner war jede Generation vertreten.


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Büssing 8000 von Hellmut Buscher, der später von Wandt restauriert wurde und heute bei Wissmann in Isernhagen eine neue Heimat gefunden hat

Mehr als 25 Jahre hat sich die Szene inzwischen entwickelt. Dabei sind einige positive Ansätze aus den Anfangsjahren auf der Strecke geblieben. So war es um 1985 noch möglich, einen interessanten Laster für ein paar Hunderter nach Hause zu schleppen. Doch schon bald erkannten die ersten findigen Menschen, dass der alte Schrotthaufen mit der Chromspinne an der Front, der schon seit Jahren in der letzten Ecke des Speditionshofes stand, plötzlich nicht mehr zum Alteisen-Tarif abgerechnet werden musste, sondern dass es Sammler gab, die dafür auch ein paar große Scheine mehr auf den Tisch des Hauses legten. Innerhalb kürzester Zeit entstanden relativ umfangreiche Sammlungen von diversen Spediteuren und Sandgrubenbesitzern, die alles zusammenkauften, was halbwegs interessant erschien. Dass die damit verbundene „Scheckheftwedelei“ bei einigen nicht so gut betuchten Nutzfahrzeugfreunden nicht nur positive Resonanz auslöste, ist verständlich, war aber nicht vermeidbar. Viele aktive Teilnehmer an den Treffen der ersten Jahre haben sich nicht zuletzt aus diesem Grund zurückgezogen und genießen ihr Hobby seitdem für sich alleine oder in kleinem Kreis mit Gleichgesinnten. Beim Betrachten der Fotos der ersten Treffen fallen einige Fahrzeuge auf, die bei späteren Veranstaltungen nicht mehr erschienen.


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Büssing Supercargo 22-150 von Bodo Wellershoff aus Witten, der heute zur Fehrenkötter-Sammlung gehört

War es in den Anfangsjahren für einen Neueinsteiger ohne Probleme möglich, Zutritt zur Szene zu erlangen, so gestaltet sich das gleiche Unterfangen heute schon weitaus schwieriger. Welche Entwicklung hat die Nutzfahrzeug-Oldtimerszene hier genommen? Wie ist es dazu gekommen, dass heute kaum noch junge Menschen neu zum Hobby stoßen? Abgesehen von einigen wenigen Jugendlichen, die oft durch die Väter infiziert sind mit dem Oldtimer-Virus, gibt es kaum Nachwuchs. Gründe dafür gibt es genug. Da ist zum einen sicherlich das Überangebot für die Jugend im Bereich der Freizeitgestaltung zu nennen. Dieses Argument wird aber gerne als Alibi vorgeschoben. Die wahren Gründe liegen anderswo. Die Arroganz der selbsternannten Gurus in der Szene ist für manch einen interessierten jungen Kollegen einfach unerträglich. Kommt heute ein Neuling mit einem 25 oder 30 Jahre alten unrestaurierten, gerade aus dem aktiven Leben verabschiedeten LKW zu einem Nutzfahrzeug-Oldtimertreffen, so wird er von den etablierten Sammlern und Restauratoren milde belächelt und nicht wirklich ernst genommen. Die alten Hasen sollten sich einfach einmal an ihre eigenen bescheidenen Anfänge in der Szene erinnern, sich auf alten Fotos ansehen, mit welchen Rostlauben sie selbst zu den ersten Treffen kamen und ihre Überheblichkeit ablegen, die hier völlig fehl am Platz ist. Hier sind die verschiedenen Interessenvertretungen und Zusammenschlüsse von Oldtimerfreunden aber auch die Medien gefragt, die einen Kult um Szenegrößen inszenieren, der mittlerweile unerträglich geworden ist. Jugendarbeit findet in diesen Organisationen anscheinend überhaupt nicht statt. Gefordert sind aber nicht nur die Vereine und andere Zusammenschlüsse. Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten. Lasst die jungen Leute mitmachen und unterstützt sie, sonst hat unser gemeinsames Hobby keine Zukunft. Hier auf www.powalski.com hat die Jugend ein Forum – im Forum. Hoffentlich können wir mit diesem Beitrag einige junge Menschen mehr dazu bewegen, sich dort einmal kritisch zur Szene zu äußern und ihre Erfahrungen und Einschätzungen darzustellen.

Text: Manfred Koch
Fotos: Manfred Koch


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Werner Lachnits Mercedes-Benz LS 329 mit Strüver Tankauflieger neben Paul Christian Unschulds MAN F 8, der heute in den Farben der Spedition Grillmayer unterwegs ist Buntes Teilnehmerfeld am 01.09.1985 in Sichtigvor Buntes Teilnehmerfeld am 01.09.1985 in Sichtigvor Blick auf die in Sichtigvor abgestellten Fahrzeuge
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Diente später als Basis für den Fernverkehrslaster von Klaus Sieh - Südwerke L 45 Adolf Dieners Henschel HS 140 AK neben dem Büssing 8000 von Robert Fehrenkötter Ist auch heute noch unverändert auf Treffen zu sehen - Büssing LU 11 Kipper der Firma Schneider aus Gammesfeld MAN F 8 von Emil Bölling und Horst Zimmerlings Mercedes-Benz L 4500 gehörten 1985 zu den Attraktionen
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Mercedes-Benz L 311 Rechtslenker mit Streuaufbau der Spedition Frank aus Witten Busanhänger an Mercedes-Benz O 3500 von Hanswerner Schäffer Büssing LU 11 der Gebrüder Schnier aus Dortmund - heute im Besitz von Heinz Bruns Wurde auch schon lange nicht mehr gesehen - dreiachsige Kaelble Zugmaschine
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Henschel HS 140 K von Hartmut Wittekamp am 06.09.1987 in Sichtigvor Krupp Titan von Heinz-Bruno Hecker beim Treffen 1987 1987 kam Frank bereits mit drei Mercedes-Benz L 311 nach Warstein Ist nach 1987 auf keinem Treffen mehr zu sehen gewesen - Büssing BS 16 S von 1970
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Baujahr 1942 - KHD S 3000 Feuerwehr von Andreas Fehsenmeier am 05.09.1987 in Sichtigvor Mercedes-Benz LP 1113 am 05.09.1987 in Warstein-Sichtigvor im Mittelpunkt des Interesses - Ford Feuerwehr mti Benzin-Motor Schwere Kaelble-Zugmaschine der Firma Otte am 05.09.1987 in Warstein-Sichtigvor
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aus DB-Beständen - Magirus-Eckhauber mit Allradantrieb am 05.09.1987 in Sichtigvor Teilnehmer aus Wattenscheid - Magirus-Deutz Drehleiter im Originalzustand - Henschel HS 120 Kipper von Gerd Skörries aus Göttingen nur wenige haben überlebt - Personenanhänger an Mercedes-Benz O 3500
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Omnibusbauform - Mercedes-Benz L 311 Feuerwehr Omnibusbauform - Mercedes-Benz L 311 Feuerwehr unverkennbar mit DRK-Vergangenheit - Mercedes-Benz LA 311 war schon 1987 dabei - Fehrenkötters Büssing 6000 S
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von der Firma Gräser aus Mannheim übernommen - Adolf Dieners Henschel HS 140 AK 1987 in Sichtigvor