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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016







Lastwagen Veteranen






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Heuler im Einsatz

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1. Mai 2006, kurz vor der Abfahrt aus dem Bahnhof Wehr-Brennet

Zu Beginn der Siebziger Jahre stellte die Firma Scheuerle ein neues Transportsystem für extrem schwere Lasten vor. Wurden zuvor in der Hauptsache leistungsstarke Lastkraftwagen als Zugmaschinen vor die unterschiedlichsten Tiefladeanhänger oder –auflieger gespannt, so ging Scheuerle einen anderen Weg. Entwickelt wurden so genannte Selbstfahrer. Das System kam bei den Schwerlastspediteuren jedoch nicht so gut an. Lediglich an die Deutsche Bundesbahn wurden 1972 vier der von Scheuerle als LS 250 bezeichneten Schwerlastachseinheiten verkauft. Auf Basis dieser Einheiten war der Selbstfahrer in der Lage, Gesamtzuggewichte von bis zu 1.000 to zu bewegen. Dazu konnte er bis zu 2 x 16 Achsen einsetzen. Der Selbstfahrer bestand aus einer Kombination aus Achsmodulen und zwischen gekuppelten hydrostatischen Antriebsachsen.


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Der Scheuerle LS 250 in der ersten engen Ortsdurchfahrt

An den Enden der Einheiten war jeweils eine Antriebsanlage mit einem Führerhaus angeordnet. Als Antriebseinheit diente ein 730 PS starker MTU-Dieselmotor. Mit Hilfe dieses Motors wurde der erforderliche Öldruckstrom erzeugt. Der Selbstfahrer war in der Lage, bei optimaler Lastverteilung auch bei ungünstigen Bedingungen die notwendigen Antriebsmomente auf die Fahrbahn zu übertragen. Beim Einsatz der wegen des merkwürdigen Motorengeräusches auch als „Heuler“ bezeichneten Einheiten mit hoher Leistung in beengten Bereichen konnte in der Regel auf zusätzlich vorgespannte Zugmaschinen verzichtet werden. Die Beweglichkeit und Wendigkeit der Selbstfahrer war einzigartig. Ein weiterer Vorteil war, dass die Einheiten selbst unter großer Last relativ hohe Geschwindigkeiten erreichen konnten. Vor dreißig Jahren waren sie als Schwerlasteinheiten unübertroffen.


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Die schiebende Scheuerle LS 250-Einheit

Im April 2006 waren zwei dieser Einheiten bei einer Nachfolgefirma der Deutschen Bundesbahn, der NCS GmbH Heavy Cargo + Service immer noch im Einsatz. Der Transport eines neuen, rund 300 to schweren Transformators zum Kavernenkraftwerk der Schluchseewerk AG in Wehr wurde mit ihrer Hilfe durchgeführt. Der Trafo war zuvor auf der Schiene mit dem 32-achsigen Wagen Uaai 86 80 997 2 901 bis zum Bahnhof Wehr-Brennet befördert worden. Seine Reise begann am 20. April. Am 25. April erreichte er den Bahnhof Rheinfelden/ Baden. In der Nacht vom 29. auf den 30. April traf er in Wehr–Brennet ein. Dort wurde er am Vormittag des 30. April umgesetzt auf die Schwerlasteinheiten zum Straßentransport in die Kaverne Wehr.


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Hunderte Schaulustiger säumten die Route des Schwertransports

An diesem Sonntagnachmittag um 15.00 Uhr setzte sich der Transport in Richtung Wehr in Bewegung. Schon lange vor der Abfahrt waren alle Strassen der Route abgesperrt, Verkehrsschilder entfernt, Verkehrsinseln begradigt und Ampeln für ein kurzzeitiges Abschalten vorbereitet worden. An den Straßen standen Schaulustige, die sich das außergewöhnliche Spektakel bei dem schönen Wetter nicht entgehen lassen wollten. Die ersten Meter vom Bahnhof legte der Schwertransport reibungslos zurück. Für etwas Unruhe sorgte ein geplatzter Reifen, der jedoch den Transport nicht aufhalten konnte. Problematisch wurde es erst, nachdem der Transport die Ortsdurchfahrt Öflingen passiert hatte. Ein lauter Knall war zu hören. Wie sich herausstellte, war bei der schiebenden Einheit der Lüfter des Kühlers gebrochen. Die Einzelteile hatten sich in den Kühler gearbeitet. Hydraulikflüssigkeit trat aus und musste von der Strasse entfernt werden. Durch den ausgefallenen Kühler erhitzte sich der Motor derart, dass der Transport an der Einfahrt der neuen Umgehungsstrasse abgestellt werden musste. An eine Weiterfahrt am Sonntag war nicht mehr zu denken.


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Volksfestsstimmung in den Orten an der Strecke

Nun waren die Verantwortlichen der Firma Heavy Cargo Service gefordert. Ein Ersatzkühler musste vom Firmensitz in Hanau herangeschafft werden. Dort stehen die beiden anderen Einheiten als Ersatzteilspender. Ein Ersatzkühler wurde dort ausgebaut und noch in der Nacht nach Wehr gebracht und dort in die defekte Einheit eingebaut. Mit 24-stündiger Verspätung ging der Transport dann am 1. Mai problemlos weiter bis zum Kraftwerk in Wehr. Vor der Kaverne wurde der Trafo abgesetzt. Die Transportfahrzeuge fuhren leer in die Kaverne. Dort wurde der alte Trafo aufgeladen und ans Tageslicht geschafft. Er wurde vor der Kaverne abgestellt, der neue aufgenommen und ins Innere geschafft. Erst am 4. Mai wurde der alte Trafo auf der Strasse zum Bahnhof Wehr–Brennet transportiert und dort auf der Ladestrasse zwischengelagert bis zum Abtransport per Bahn. Wer den Transport im Südschwarzwald verpasst hat, kann die interessanten Scheuerle-Heuler auf der Leinwand ansehen. Im Programm des Historischen Filmservice von Fridolin Benteler gibt es einen Farbtonfilm von 1972.

Text: Manfred Koch
Fotos: Robert Stebner und Manfred Koch


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Nur noch Reserve: MAN 19.361 FAS MAN 19.361 FAS 500 PS starke Mercedes-Benz Zugmaschine für Vorspanndienste Mercedes-Benz 4153 Actros Vorspannzugmaschine
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Für alle Fälle: Liebherr Hydraulikkran im Bahnhof Wehr-Brennet Vor der Abfahrt aus dem Bahnhof Wehr-Brennet Vor der Abfahrt aus dem Bahnhof Wehr-Brennet Vor der Abfahrt aus dem Bahnhof Wehr-Brennet
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Mercedes-Benz LPS 3550 SK aus dem Begleittross Mercedes-Benz LPS 3553 SK Facelift 8x4/4 Unimog U 2150 des Kavernenkraftwerks Mercedes-Benz LS 4153 Actros auf der Strecke
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Mercedes-Benz LPS 3550 SK auf der Strecke Mercedes-Benz LPS 3550 SK auf der Strecke Selbstfahrer LS 250 bei der Ausfahrt aus der Bahnhofstrasse Selbstfahrer LS 250 bei der Ausfahrt aus der Bahnhofstrasse
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Selbstfahrer LS 250 bei der Ausfahrt aus der Bahnhofstrasse Blick auf die Antriebseinheit mit Fahrerkabine Blick auf Tragschnabel, Drehschemel und Antriebssatz Wendigkeit ist Trumpf bei den engen Ortsdurchfahrten
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Wendigkeit ist Trumpf bei den engen Ortsdurchfahrten Blick auf die schiebende Einheit Blick auf die schiebende Einheit Die Antriebseinheit des schiebenden Selbstfahrers
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Blick auf den Tragschnabel der schiebenden Einheit Nachschuss auf den mit Schrittgeschwindigkeit fahrenden Transport Fuhr zunächst nur solo mit: Mercedes-Benz LPS 3553 SK Facelift Trägt noch das alte Bundesbahn-Kennzeichen: Scheuerle LS 250
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Warmer Arbeitsplatz: exakt vor der Antriebseinheit sitzt der Bediener Blick auf den Drehschemel Blick auf den Drehschemel Blick auf den Drehschemel
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Gleich platzt ein Reifen Blick auf den Drehschemel Blick auf die schiebende Einheit Nachhut: Mercedes-Benz LPS SK