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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016







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Mit dem Magirus unterwegs

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Unterwegs mit dem Magirus-Deutz Saturn

Im Jahre 1960 ist der Gabelstapler schon lange erfunden. Stapler, Handhubwagen, Edscha-Schiebeverdeck, genormte Container, Wechselpritschen, Europaletten und andere heute selbstverständliche Hilfsmittel haben jedoch noch keinen Einzug in das Tagesgeschäft der Fernfahrer gehalten. Damals war noch Handarbeit angesagt. Vom körperlich anstrengenden und beschwerlichen Alltag eines Kapitäns der Landstraße berichten die folgenden Aufnahmen, die Karlfried Schäckermann auf seinen Ferntouren gemacht hat.


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Entladen bei der technischen Post in Bremen-Oslebshausen

Beginnen wir unsere Beobachtungen bei der technischen Post in Bremen-Oslebshausen. Dort werden in Bogen gepresste Flacheisen abgeladen. Diese in Halver hergestellten Flacheisen erhalten in Bremen einen Porzellanaufsatz, um dann an die oberirdischen Telefonpfosten geschraubt zu werden, an denen die Telefonleitungen hängen. Heute hat unser Fahrer Rolf Schulte leichtes Spiel. Die Post stellt die Ablader, die körperlich gefordert werden. Die Flacheisen werden von Hand abgeladen bzw. in Kisten verstaut, die ein Maschinenfabrik Esslingen-Stapler an- und abtransportiert. Das Entladen des kompletten Zuges dauert vier bis fünf Stunden.


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Handarbeit ist angesagt beim Beladen des Saturn in Plaidt

Die nächste Gelegenheit, die Aktivitäten unseres Fernfahrers zu beobachten, ist die Firma Kanthak in Plaidt. Dort müssen Hohlblocksteine verladen werden. Die Steine werden auf Holzpaletten gestapelt von einem BKS-Stapler bis in den LKW bzw. an die Ladekante gehoben. Dort müssen sie mühsam einzeln von der Palette genommen und auf dem Boden des LKW  gestapelt werden. Für das Beladen des 145 PS starken Magirus-Deutz Saturn F-L mit langem Fahrerhaus (13 to GG, 7,7 to Nutzlast) und des zweiachsigen Tang-Anhängers (16 to GG, 11,7 to Nutzlast) vergehen ca. drei Stunden. Danach wird die Plane fest verzurrt und es geht auf die Reise zur Abladestelle im Raum Halver. Da der Abladetermin wieder einmal zu eng zugesagt worden ist und auf der Baustelle die Maurer am nächsten Tag ohne Steine stehen werden, wird durchgefahren. Vor Schichtbeginn der Maurerkolonne steht der Lastzug an der Baustelle. Natürlich muss der Anhänger zuerst abgeladen werden. Dazu wird er in die Schnauze genommen und rückwärts zur Abladestelle gedrückt. Albert Schittek, der Polier einer Halveraner Baufirma, der schon anwesend ist, hilft beim Ankuppeln und Rangieren. Von Hand werden die einzelnen Hohlblocksteine nun wieder entladen und aufgestapelt. Nachdem der Anhänger entladen und wieder fest verschlossen ist, wiederholt sich die gleiche Prozedur beim Motorwagen.


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Motorenverladung bei KHD - trotz Kran schweißtreibend

Nicht ganz so schweißtreibend ist die folgende Verladeszene beim KHD-Motorenwerk in Köln. Dort werden Deutz-Motoren für das Werk in Ulm verladen. Zum Verladen wird der Lastzug an die Rampe gefahren. Da jedoch von oben mit dem Kran beladen wird, müssen Motorwagen und Anhänger zunächst abgeplant werden. An Drahtseilen hängend schweben danach die auf Holzbohlen verschraubten Motoren ein. Sie werden auf dem Fahrzeugboden abgesetzt und müssen danach noch vom Fahrer mit Knippeisen an die richtigen Stellen verschoben werden. Das bedeutet, dass doch wieder Schweiß fließt. Nachdem Motorwagen und Anhänger beladen sind, werden die Bordwände wieder verschlossen und die Planen festgezurrt. Danach geht es nach Ulm. Dort erfolgt die Entladung in umgekehrter Reihenfolge.


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Natursteinverladung in einem Bunker auf der Schwäbischen Alb

Auf der Rückfahrt von Ulm müssen in einem Steinbruch in der Schwäbischen Alb Natursteine geladen werden. Die Verladung erfolgt auch hier von Hand in einem Bunker, in den zunächst der Magirus gefahren wird. Nach dem Abplanen kann er in mühevoller Handarbeit beladen werden. Nachdem er beladen ist, muss nun auch der 16 to-Anhänger in den Bunker rangiert werden. Dazu wird er in die Schnauze genommen, abgeplant und rangiert. Im Bunker wird die Ladung verstaut. Der Anhänger wird danach wieder aus dem Loch herausgezogen, angehängt, die Planen werden fest verzurrt und die Rückfahrt aufgenommen.


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Handarbeit - Holzverladung in Stockheim anno 1963

Sehr abenteuerlich sieht die Verladung von Schnittholz aus. Im Oktober 1963 hat die Spedition Schäckermann eine Fuhre Holz zu laden in Stockheim. Zunächst wird der Motorwagen beladen. Dazu wird die Plane wieder gelöst und nach vorne geschoben. Hinter dem Fahrzeug wird derweil ein Gestell aus zwei großen Böcken etwa in Höhe der Ladefläche des LKW aufgebaut. Auf diese Böcke stellt nun ein Stapler ein Paket aus Brettern. Von dem Gestell werden die einzelnen Bretter von Hand auf die Ladefläche des Magirus verstaut. Bis zu vier Mann sind damit beschäftigt. Sobald der Motorwagen beladen ist, ist der Anhänger an der Reihe. Da die Ladelänge des Anhängers viel zu kurz ist, wird nach hinten und nach vorne (!!!) durchgeladen. Auch hier wird das bewährte System mit der Bockverladung angewandt. Es vergehen Stunden, bis die komplette Ladung verstaut ist. Es ist nicht überliefert, was die beiden auf dem Anhänger verstauten Holzstapel im Falle einer Notbremsung gemacht haben. Tatsache ist jedoch, dass alle Sargschreiner in Halver und Umgebung pünktlich ihre Bretter erhielten, wie in diesem Fall eine Schreinerei in Brügge.


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Knochenarbeit - Holzverladung ohne technische Hilfsmittel

Auf den hier vorliegenden Fotos gibt es nur schlanke und durchtrainierte Fahrer zu sehen. Wen wundert das bei der täglich anfallenden körperlichen Arbeit. Die Kollegen haben damals noch hart arbeiten müssen. Fitnesstudios und Bauchwegtrainer waren noch überflüssig in einer Zeit ohne die Ladehilfen unserer Zeit.


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Unterwegs mit dem Magirus-Deutz Saturn Entladen bei der technischen Post in Bremen-Oslebshausen Mühsames Verladen von Hohlblocksteinen in Plaidt Fertig zur Abfahrt in Plaidt
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Entladen in Halver - zunächst wird der Anhänger in Position gebracht Zum Rangieren wird der Tang-Anhänger "in die Schnauze" genommen Motorenverladung bei KHD die Motoren werden per Kran auf die Ladefläche gesetzt
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Das Versetzen der Motoren auf der Ladefläche erfolgt von Hand Begegnung mit dem großen Bruder - Saturn trifft Pluto Fotohalt verursacht Stau Verladen von Natursteinen auf der Schwäbischen Alb - Rangieren des Anhängers in den Bunker
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Fertig zur Abfahrt auf der Schwäbischen Alb Schnittholzverladung - trotz Einsatz eines Staplers bleibt viel Handarbeit Beladen des Tang-Anhängers mit Sargbrettern Entladen der Bretter in Brügge