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Fahrtenschreiber Ausgabe 02-2016












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Das Gastliche Dorf

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Die beiden Büssing mit Emmelmann-Aufbauten dienten zuletzt als Abstellräume

Irgendwann verschlug es den 1927 in Lettland geborenen und im Jahre 1942 nach Deutschland gekommenen Edgars Cipolis nach Delbrück-Sudhagen in der Nähe von Lippstadt. Auf dem Grundstück seines Freundes Konrad Leinkenjost lebte er seit 1979 in einem Wohnwagen. Zum Unterbringen seiner diversen Utensilien schaffte er nach und nach immer mehr alte PKW, Bullis und schließlich zwei ausgewachsene Linienbusse auf das Grundstück. Diese beiden Büssing-
Trambusse mit Unterflurmotor und Aufbau der Firma Emmelmann schleppte er mit einem Trecker aus dem benachbarten Lippstadt nach Sudhagen.Ursprünglich müssen die beiden Busse einmal in Paderborn beheimatet gewesen sein. Auf dem  Heck des einen Busses war noch das Paderborner Kennzeichen PB - NV 42  aufgemalt. 


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Opel Rekord Caravan von 1963 neben 1960er Bulli

Im Laufe der Jahre verwilderte der Platz immer mehr. Edgars bastelte ständig an den Fahrzeugen herum. So baute er aus einem Opel Caravan einen Hühnerstall und setze auf einen Volkswagen Transporter von 1963 das Oberteil eines weiteren Bullis, um innen Stehhöhe zu erreichen. Er briet mit seinem Schweißgerät aus manchmal nicht nachvollziehbaren Gründen an allen Autos herum und verwandelte sie so in Unikate, die bei einer besseren Vermarktung seiner schöpferischen Aktivitäten als Kunstwerke viel Beachtung gefunden hätten. Das für jeden Oldtimerfreund interessante Biotop störte keinen Menschen, bis ein findiger Unternehmer in der Nachbarschaft sein Konzept "Gastliches Dorf" verwirklichen wollte.


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Bullis verschiedener Baujahre wurden kunstvoll bearbeitet

Wer beim LKW-Oldtimer-Treffen der Spedition Vogel im September 2002 in Paderborn die Ausfahrt mit erlebt hat, wird das Gastliche Dorf in Delbrück-Sudhagen kennen. Dort steht eine Ansammlung alter, restaurierter und auf Hochglanz polierter Fachwerk- und Bauernhäuser mit Gastronomie etc. Zu diesem auf Fremdenverkehr abgezielten Häuserensemble passte natürlich der "Schrottplatz" von Edgars nicht. Dem Wunsch der Nachbarn, das Gelände zu räumen bzw. es in einen ordnungsgemäßen Zustand zu bringen, entsprach er nicht. Die Ansammlung von Fahrzeugen war natürlich nicht genehmigt, so dass  irgendwann das zuständige Ordnungsamt vorstellig wurde. Das Ende der Geschichte spielte sich 1998 ab. Das Gelände wurde geräumt. Die einmaligen Fahrzeuge wurden entfernt  und wahrscheinlich alle verschrottet. Die beiden Trambusse standen im Oktober 1998 noch auf dem Grundstück, wurden aber kurze Zeit später ab transportiert. Hoffentlich konnten die beiden Büssing-Spinnen und andere Teile wie die Emmelmann-Emaille-Schilder gerettet werden.

Text:    Manfred Koch

Fotos:    Copyright Manfred Koch


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Am 28.12.1997 war die Welt noch in Ordnung für Edgars Cipolis und seine Büssing-Linienbusse Der Zahn der Zeit hatte an den Trambussen genagt VW Bullis hatten es Edgars Cipolis angetan Edgars Cipolis vor seinem "Büro-Bulli"
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Frontscheiben eines 63er Bullis - ein Frühwerk des Meisters Emaille-Schild der Firma Emmelmann unberührte Natur Opel Rekord Caravan kunstvoll verkürzt
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Opel Rekord Caravan kunstvoll verkürzt 1962er Opel Rekord Caravan mit modifizierter Heckklappe zum Hühnerstall umfunktioniert Blick vom Nachbargrundstück auf die Sahnestücke aus Edgars Sammlung Fertig zum Abtransport am 28.10.1998
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ex PB - NV 42 Die unversehrte Büssing-Spinne gab Edgars nicht her, obwohl es dafür viele Interessenten gab Edgars Unvollendeter - ein Bulli von 1962 "Teppiche von Wand zu Wand" als Lager für leere Bierflaschen